Reinhardt Ritter baut Elektromotoren in Nutzfahrzeuge Lastwagen unter Strom

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Aus lauten Brummis werden leise Summis: Reinhardt Ritter stattet Nutzfahrzeuge mit Elektromotoren aus.

Mit einem VW Polo  fing alles an. Jetzt setzt Reinhardt Ritter Kleinlaster unter Strom. Foto: Rudel
Mit einem VW Polo fing alles an. Jetzt setzt Reinhardt Ritter Kleinlaster unter Strom.Foto: Rudel

Zell unter Aichelberg - Der Bote kommt Reinhardt Ritter wie bestellt. Ein UPS-Mitarbeiter stellt ein Paket in   der Werkstatt ab, grüßt freundlich und steigt danach wieder in seinen schwarzbraunen Lieferwagen. Als er startet, rüttelt und schüttelt sich der Dieselmotor, dann brummt der Kleinlaster davon. Auf dem Hof der Firma Elektrofahrzeuge Schwaben (EFA-S) in Zell unter Aichelberg stehen noch mehr UPS-Kisten. Aber da rüttelt und schüttelt und brummt nix mehr.

Diese Brummis summen nur noch. Sie haben einen Elektromotor, der von Reinhardt Ritter entwickelt und eingebaut worden ist. Am 17. November 2010 hat der Prototyp seinen Dienst angetreten. Mittlerweile sind europaweit 75 Elektrolaster für UPS unterwegs. „Ende dieses Jahres werden es hundert sein“, sagt Ritter.

Der 68-Jährige sagt das nicht ohne Stolz. Der Motor ist sein Baby. Neue Nutzfahrzeuge mit Elektroantrieb werden in Deutschland nur in homöopathischen Dosen verkauft, wie ein Sprecher des Nutzfahrzeuge-Branchenführers Iveco sagt. Die Anschaffungskosten sind im Vergleich zum Dieselfahrzeug deutlich höher. Iveco verkauft seine elektrisch angetriebenen Transporter für mindestens 70 000 Euro. Der Preis kann bis zu dreimal so hoch sein wie der eines vergleichbaren Diesellasters. Zudem gilt die geringe Reichweite als Problem.

Mindestens hundert Kilometer Reichweite

Reinhardt Ritter ist davon überzeugt, eine Lösung zu haben – und davon, dass die Zeit angesichts des florierenden Internetversandhandels und des Feinstaub-Debakels gerade in der Region Stuttgart für ihn arbeitet. Die UPS-Laster etwa dürften mit ihren alten Dieselmotoren in keine Luftreinhaltezonen mehr fahren.

Die Elektrotransporter werden in Städten eingesetzt, laufen im extremen Start-Stopp-Betrieb. Trotzdem haben sie eine Reichweite von mindestens hundert Kilometern. Auf Touren gebracht werden sie von einem mindestens 70 Kilowattstunden starken Synchronmotor. Wären sie konstant mit 50 Stundenkilometern unterwegs, würden sie Ritter zufolge auch 150 Kilometer schaffen. 124 Lithium-Eisenphosphat-Batterien sind im Unterboden der Fahrzeuge eingebaut, der Transportraum verkleinert sich dadurch nicht. Gemeinsam bringen die je 5,6 Kilogramm schweren Batterien knapp 700 Kilogramm auf die Waage. Immerhin noch drei Tonnen dürfen die Transporter zuladen. „Das sind keine Funcars“, sagt Ritter, „das sind Arbeitstiere.“

Angefangen hat alles vor 25 Jahren. Der Techniker Ritter wollte ein Elektroauto für seine Frau. Doch keines der Modelle, die auf dem Markt waren, gefiel ihm. Die Fahrzeuge hatten zudem keine Knautschzone, und die schweren Batterien waren hinter dem Sitz montiert: „Bei einem Auffahrunfall werden Sie von den Dingern erschlagen“, sagt er. Also kauften die Ritters im November 1990 einen nagelneuen VW Polo und fuhren die wenigen Hundert Meter vom Händler in die heimische Garage in Kirchheim am Neckar. Dann schickte Ritter seine Frau weg, schnappte sich die Flex und entkernte das Auto komplett.

Ein halbes Jahr später hatte der Tüftler viel Zeit und insgesamt 110 000 Mark in das Fahrzeug gesteckt. Der Tüv nahm den Wagen ab. Seine technischen Daten: eine Spitzengeschwindigkeit von 120 Stundenkilometern und eine Reichweite von 150 Kilometern. Innerhalb von acht Sekunden beschleunigte das abgasfreie Auto auf Tempo 50. Im August 1992 meldete Ritter seinen Synchronmotor als Patent an.

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