Rekordzahl an Studienbewerbern Die Universität Stuttgart ist so gefragt wie nie

Von  

Die Uni Stuttgart meldet mit 31.300 Studienbewerbern einen Rekord. Erstmals läuft das Verfahren komplett digital. Als Erfolg verbucht die Uni auch ihre Teilnahme an der bundesweit zentral koordinierten Zulassungsvergabe.

Nicht jeder ergattert auf Anhieb einen der begehrten Studienplätze, aber die Umstellung auf ein rein digitales Verfahren beschleunigt die Abläufe. Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth
Nicht jeder ergattert auf Anhieb einen der begehrten Studienplätze, aber die Umstellung auf ein rein digitales Verfahren beschleunigt die Abläufe.Foto: Lichtgut/Achim Zweygarth

Stuttgart - Ein Studium an der Uni Stuttgart ist nach wie vor begehrt: Mit 31.300 Bewerbern – alle online – vermeldet die Hochschule einen Rekordwert. Im Vorjahr hatten sich dort nur 23.913 Studieninteressierte digital beworben, zumal ein Teil der Bewerbung in Papierform ergänzt werden musste und Interessenten aus dem Ausland sich komplett papiergebunden bewerben mussten. Ein neues Tempo legt die Uni auch beim Zulassungsverfahren vor. Dafür gibt es zwei Gründe: Die Umstellung auf das reine Online-Verfahren – nicht nur bei der Bewerbung – entlaste die Verwaltung. Und die Teilnahme am bundesweiten dialogorientierten Serviceverfahren (DoSV) habe erste Erfolge gezeitigt, berichtet Holger Bauknecht, der Leiter des Dezernats Studium und Promotion.

1800 Bewerber für den BWL-Masterstudiengang

Als unerwarteter Spitzenreiter bei der Nachfrage stellte sich der erstmals angebotene Masterstudiengang Betriebswirtschaftslehre (BWL) heraus. Ungewöhnlich auch deshalb, weil die Uni Stuttgart als vorangehenden Bachelor nur technisch orientierte BWL anbietet und die konkurrierende Uni Hohenheim bei BWL deutlich breiter und internationaler, aber eben auch spezialisierter aufgestellt ist. Jedenfalls zog der Stuttgarter BWL-Master aus dem Stand 1800 Bewerber an. Damit übertrumpft er die in Stuttgart traditionell stark nachgefragten Bachelorstudiengänge Maschinenbau (1480 Bewerber) und Luft- und Raumfahrttechnik (1070 Bewerber).

Der Stuttgarter Rektor Wolfram Ressel sieht insbesondere das stark gestiegene Interesse an den Masterstudiengängen – mit 10 400 Bewerbungen fast doppelt so viel wie im Vorjahr – als „Beleg für das fachlich-methodisch hochwertige und ganzheitlich ausgerichtete Studium an unserer Universität“. So meldeten sich für den neuen Masterstudiengang Digital Humanities gleich 60 Bewerber, für den vor einem Jahr gestarteten Master Computer Science sind es 430, und für Planung und Partizipation sind es 157. Auch das Lehramt, das jetzt als Bachelor-Master-Angebot läuft, ist mit insgesamt 3200 Bewerbern in Stuttgart gut nachgefragt.

Der komplette Studienzyklus wird digital verwaltet

Doch die Zahl der Bewerber sagt nur wenig über die Zahl derjenigen aus, die zugelassen werden und sich tatsächlich einschreiben. Aber je schneller eine Uni mit ihrem Zulassungsverfahren ist, desto größer ist die Wahrscheinlichkeit, die Studiengänge auch rasch zu besetzen. Deutlich beschleunigt habe sich das Prozedere durch das neu eingeführte Campus-Management-System, berichtet Bauknecht. Mit dieser Software lasse sich der komplette Studienzyklus jedes Studierenden digital verwalten. Das reiche von der Bewerbung über Zulassung und Einschreibung, Ausweis, Bescheinigungen, Prüfungen bis hin zum Studienabschluss oder der Promotion – „alles ist dort gebündelt“, sagt Bauknecht.

Papierbewerbungen? „Das geht bei uns gar nicht mehr“, sagt Bauknecht. Alles laufe online, niemand müsse mehr zur Verwaltung gehen, um etwas zu erledigen. Nur die beglaubigte Zeugniskopie müsse bei der Einschreibung in Papierform vorliegen. „Das neue Verfahren hat uns massiv entlastet“, sagt Bauknecht. „Wir schleppen keine Postkisten mehr, müssen nichts mehr scannen – und dadurch können die Unterlagen für die Numerus-clausus-Studiengänge sehr viel schneller an die Fachkommissionen zur Begutachtung gegeben werden.“ Und: ein Poststreik verursache keine schlaflosen Nächte mehr.

Uni nimmt an zentraler Koordination der Zulassung teil

Ein weiterer Vorteil: „Durch unser Campus-Management-System waren wir technisch in der Lage, an dem dialogorientierten Serviceverfahren teilzunehmen“, so Bauknecht. Dieses läuft bundesweit zentral über die Stiftung für Hochschulzulassung. Studieninteressenten können dort bis zu zwölf Bewerbungen hinschicken, mit unterschiedlichen Priorisierungen. „Das dialogorientierte Verfahren vermeidet nicht Mehrfachbewerbungen, aber Mehrfachzulassungen“, erklärt Bauknecht.

Dass auch Karlsruhe mit seinem Institute of Technology (KIT) daran teilnehme, „das war für uns ein wesentlicher Grund mitzumachen – denn viele unserer Bewerber bewerben sich auch in Karlsruhe.“ Den Vorteil der zentralen Zulassungskoordinierung hätten – neben der Verwaltung – vor allem die Nachrücker. „Die erfahren sehr viel schneller, wo’s noch klappt.“ Technisch und auch vom Ablauf her sei das System, dessen Start jahrelang verschoben wurde, „ein Erfolg“, so Bauknecht. Richtig wirksam werde es aber erst, wenn alle Unis mitmachten. Laut DosV beteiligen sich derzeit 89 Hochschulen daran, insgesamt koordiniere man 465 Studienangebote.

Uni Hohenheim akzeptiert auch noch Papierbewerbungen

Während die Uni Stuttgart nach einer Testphase in Technischer Biologie und Mechatronik inzwischen mit allen Ein-Fach-NC-Studiengängen bei DoSV beteiligt ist, sei die Uni Hohenheim bis jetzt nur in Biologie dabei, so deren Sprecher. Auch dort erfolgten mittlerweile die meisten der insgesamt 14 523 Bewerbungen online, die Papierform sei hier aber noch möglich.

Spitzenreiter in Hohenheim ist der Bachelor Wirtschaftswissenschaften mit 2985 Bewerbern (819 Plätze), gefolgt vom Bachelor Kommunikationswissenschaft (1734 Bewerber/99 Plätze), dem Master Management (1521 Bewerber/250 Plätze) und dem Bachelor Ernährungswissenschaft mit 1251 Bewerbern auf 85 Plätze.