InterviewRems-Murr-Kliniken Ein bundesweites Phänomen

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Die Probleme sind mit der neuen Klinik in Winnenden nicht verschwunden. Panagiotis Alopoudis, Gesamtbetriebsratsvorsitzender der Rems-Murr-Kliniken, sieht seinen Arbeitgeber in Zwängen, welche die Politik zu verantworten habe.

Das Krankenhaus ist längst selbst zum Patienten geworden. Foto: Gottfried Stoppel
Das Krankenhaus ist längst selbst zum Patienten geworden.Foto: Gottfried Stoppel

Winnenden - Auch nach der Eröffnung des neuen Kreiskrankenhauses in Winnenden ist die Serie der Hiobsbotschaften nicht abgerissen. Das überschrittene Baubudget, explodierende laufende Kosten und Anlaufschwierigkeiten haben die Schlagzeilen bestimmt. Die Befindlichkeit des Personals, das eine große Umstellung zu meistern hat, ist dabei eher in den Hintergrund geraten. Auf Anfrage äußert jetzt der Betriebsratsvorsitzende der Rems-Murr-Kliniken, Panagiotis Alopoudis, seine Einschätzung der Lage.

Herr Alopoudis, demnächst kann das neue Rems-Murr-Klinikum in Winnenden seinen Halbjahresgeburtstag feiern. Wie haben sich die Mitarbeiter eingelebt?
Die Anfangsprobleme in dem neuen Haus, die wir damals als Kinderkrankheiten bezeichnet haben, sind teilweise behoben. Mittlerweile haben sich die Mitarbeiter größtenteils mit der Örtlichkeit des Klinikums vertraut gemacht.
Wie sind die unterschiedlichen Krankenhauskulturen aus Backnang und Waiblingen zusammengewachsen?
Leider sind Einstellungen, alte Abläufe und Strukturen in das neue Haus mitgenommen worden. Obwohl gezielt Fachpersonal sowie Führungskräfte mit den Aufgaben betraut wurden. Momentan wissen wir auch nicht, woran es liegt.
Wie viele Beschäftigte hat es vor Winnenden in den Rems-Murr-Kliniken gegeben, wie viele sind es jetzt noch?
Es sind gerade genug um den Klinikbetrieb aufrechtzuerhalten. Wenn Sie es genauer wissen möchten: es wurden im Zuge des Umzugs keine Stellen gestrichen.
Wie sind die Rückmeldungen der Patienten?
Unterschiedlich wie seither auch. Es gibt positive und negative Rückmeldungen. Leider werden oftmals gezielt die negativen Rückmeldungen publiziert. Es ist aber auch immer wieder von guten Erlebnissen und zufriedenen Patienten zu lesen, etwa in Leserbriefen der Zeitungen.
Wie beurteilen die Arbeitnehmer die neue Struktur?
Es ist noch zu früh um das zu beurteilen, dazu braucht man ausreichend Zeit!
Gibt es noch viele, die den alten Standorten nachweinen?
Es gibt sicher welche. Es ist aber auch nicht einfach, sich nach vielen Jahren oder Jahrzehnten neuen Herausforderungen zu stellen, mit einer neuen Umgebung konfrontiert zu werden und sich neue Fachgebiete zu erschließen.
Mit der Eröffnung der Klinik in Winnenden sollte vor allem wirtschaftlich alles besser werden, doch jetzt ist der Spardruck größer denn je – wie spürt das die Belegschaft, wie groß ist schon jetzt die Belastung in einigen Bereichen?
Wenn sich die Politik in Bezug auf Krankenhäuser nicht ändert, wie soll dann die Belastung der Belegschaft weniger werden? Dabei ist es egal, ob es sich um ein neues oder ein altes Klinikum handelt.
Der Kreis hat eine Unternehmensberatung eingeschaltet, die Sparpotenziale aufspüren soll. Geht jetzt die Angst vor einem Arbeitsplatzabbau um?
Zuerst möchte ich Ihnen sagen, dass es nicht um Sparmaßnahmen geht, sondern um Prozessoptimierung, dadurch auch nicht um einen Arbeitsplatzabbau. Für uns als Betriebsrat ist jeder Mitarbeiter wichtig und unentbehrlich. Wie jede Klinik bundesweit, sind auch wir verpflichtet, wirtschaftlich zu haushalten. Also ist es nicht nur ein Phänomen mit dem die Rems-Murr-Kliniken konfrontiert sind, sondern alle Krankenhäuser mit kommunaler Trägerschaft in Deutschland.
Im Backnanger Gemeinderat haben jüngst mehrere Fraktionen gefordert, das Schorndorfer Klinikum zu schließen, um Geld einzusparen. Wie kommt so etwas in Schorndorf an?
Wie würden Sie reagieren, wenn Sie lesen würden, dass die Stuttgarter Zeitung geschlossen werden soll, um Geld einzusparen?
Wenn Sie drei Wünsche an die Geschäftsleitung frei hätten, was würden Sie für die Belegschaft wünschen?
Es geht hier nicht um Wünsche. Wir vertreten schon immer die Interessen unserer Mitarbeiter im Rahmen unserer gesetzlichen Möglichkeiten. Dadurch entstehen naturgemäß auch Konflikte. Die Geschäftsleitung muss diese politische Misere verwalten – siehe mangelnde Finanzierung der Krankenhäuser, Ökonomisierung des Gesundheitswesen und so weiter –, dennoch arbeitet sie konstruktiv mit dem Betriebsrat zusammen.
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