Rems-Murr-Kreis Die besten Storys sind die wahren

Von Annette Clauß 

Jürgen Honeck schreibt für sein Leben gerne Bücher. Am liebsten über historische Themen und Personen – zum Beispiel den württembergischen König Karl I.

Jürgen Honeck hat ein Buch über König Karl I. geschrieben. Foto: Gottfried Stoppel
Jürgen Honeck hat ein Buch über König Karl I. geschrieben.Foto: Gottfried Stoppel

Schwaikheim - Wildes Fabulieren und Spekulationen sind nicht sein Ding. „Wenn ich unsicher bin, versagt mir die Feder – einen fiktiven Roman zu schreiben, das wäre nichts für mich“, sagt Jürgen Honeck. Bevor der Schwaikheimer Autor, der sich als „erzählender Historiker“ bezeichnet, an seinem Schreibtisch Platz nimmt und loslegt mit dem Schriftstellern, hat er daher intensiv recherchiert und jede Menge Fakten zusammengetragen.

Das hat der promovierte 58-jährige Geschichtswissenschaftler auch bei seinem neuesten Werk so gehalten. „Der Liebhaber des Königs – Skandal am württembergischen Hof“ lautet der Titel des Buchs, das vom württembergischen König Karl I. und seinen Männerfreundschaften erzählt. Lange Zeit war die Homosexualität des Monarchen, der mit der russischen Zarentochter Olga verheiratet war, zumindest am württembergischen Hof ein offenes Geheimnis gewesen, das als „die Eigentümlichkeit“ bezeichnet und akzeptiert wurde.

Das änderte sich mit Karls Beziehung zu dem gut aussehenden amerikanischen Prediger Charles Woodcock. Sie sei „fast ein Hörigkeitsverhältnis“ gewesen, erklärt Honeck: „Dieser Woodcock löste einen Skandal aus, denn er wollte nicht nur Liebhaber sein, sondern herrschen.“ Die Liebesaffäre wurde zu einer Staatsaffäre.

Charles Woodcock setzte sich 1888 nach London ab und ließ einen todtraurigen König zurück. Die großzügigen Geschenke Karls blieben zwar zurück, doch Woodcock sicherte sich als Entschädigung den Gegenwert: „Er bekam eine Million Mark, was etwa 10 bis 15 Millionen Euro entspricht.“ Obendrein hatte der Amerikaner sich geheime Staatskorrespondenz unter den Nagel gerissen, die er erst herausrückte, als ihm 300 000 Mark bezahlt wurden.

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