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Rems-Murr-Kreis „Ein bissle Schabernack darf schon sein“

unserer Redaktion, 05.02.2013 11:25 Uhr

Rems-Murr-Kreis - Die Bittenfelder Moschthexen haben im wahrsten Sinn des Wortes ein Näschen für gute Ideen. Eigentlich sind es ausgewachsene Zinken, die sich die Närrinnen und wenigen Narren aus dem Waiblinger Teilort an der Fasnet ins Gesicht bäbben. „Die sind aus Latex und werden mit einem speziellen Leim festgeklebt“, verrät die Oberhex’ Martina Jenisch-Oesterwind. Masken wie andere Hexengruppen tragen sie nicht. „Die Nasen halten sehr gut, meistens sogar zu gut“, sagt sie, denn beim Abschminken ziept es dann an der echten Nase, wenn die falsche wieder abgehen soll. Die Hexennasen werden alle in Handarbeit gemacht. „Wir haben eine Form, die mehrmals in flüssiges Latex getaucht wird, dann entsteht eine Nase aus mehreren Schichten.“ Dazu kommen individuell gestaltete Warzen. Das Gesamtwerk wird dann noch bemalt, wobei die Farbe in das Latex eindringt und zum Permanent-Make-up wird. Am Übergang von der falschen zur echten Nase muss nun noch mit Schminke gearbeitet werden und fast ist die Moschthex’ fertig.

„Wir tragen alle ein rotes Kopftuch, Rock, Schürze und Strickjacken, die individuell gestaltet werden dürfen.“ Die altmodischen weißen Unterhosen nicht zu vergessen, die unter dem Rock hervor lugen. Das grobe Schuhwerk bietet einen besonderen Kontrast, wenn die Moschthexen zum Can-Can ansetzen. Der furiose Tanz aus der Belle Epoque ist ein Highlight ihrer Auftritte.

Entstanden sind die Bittenfelder Moschthexen aus der Idee einiger Mütter, die sich im Jahr 2000 überlegten, was man zum Kinderfasching machen könnte. „So kam es zu der Idee einer Hexengruppe. Und weil Bittenfeld so guten Apfelsaft und Most hat, lag der Gedanke zu den Moschthexen nicht fern“, sagt Martina Jenisch-Oesterwind. Wenn diese auf Umzügen unterwegs sind, gibt es für die Zuschauer Apfelsaft oder Most, je nach Alter. „Und für die Kinder natürlich Bonbons.“

Im Jahr 2004 wurde dann der Verein gegründet, mittlerweile sind 15 Hexen aktiv dabei. „Bei uns steht der Spaß im Vordergrund“, sagt die Oberhex’ über ihre unverkrampfte Narrenschar. Diese sind auch unter dem Jahr im Ortsleben aktiv mit dabei. Treten neue Hexen in den Verein ein, dürfen sie bei der Hexentaufe ihren Latexzinken und die Füße in den Zipfelbach strecken. Von den Kindern, die im Gründungsjahr dabei waren, sind nun einige wieder am Hexenwesen interessiert. „In der Pubertät hatten die nicht so viel damit im Sinn, mit den Müttern als Hexen unterwegs zu sein“, sagt die Oberhex’ und lacht.

Rechaspitzer, so sind die Althüttener früher verspottet worden. Weil die Landwirtschaft die Einwohner des kleinen Ortes Anfang des 19. Jahrhunderts kaum noch ernähren konnte, was der Vermehrung der Bevölkerung aber keinen Abbruch tat, versuchten nicht wenige, ihren Verdienst durch holzhandwerkliche Heimarbeit aufzubessern. Denn Holz war der einzige Reichtum, den die Gegend zu bieten hatte. Als wahre Verkaufsschlager erwiesen sich Rechen – kein Wunder, bedenkt man, dass ein Bauernhof in früheren Zeiten zwischen 25 und 50 dieser Gerätschaften benötigte. Von den Mitte des 19. Jahrhunderts rund 1300 Bewohnern des Fleckens waren laut einer Urkunde allein 40 hauptberufliche Rechenmacher, die jährlich mehr als 20 000 Rechen herstellten. Weil die Althüttener ihre Produkte von Karren herunter bis an den Bodensee verkauften, hatten sie bald ihren Spitznamen weg. Diesen hat sich die 1995 zunächst als Narrenzunft Weissacher Täle gegründete 1. Narrenzunft Althütte nicht nur zu eigen gemacht, sondern auch schützen lassen. Für das waldfarbene Blätzleshäs und die Maske ist beim Patentamt München ein Gebrauchs- und Geschmacksmusterschutz eingetragen. Der Narrenruf lautet Recha-Spitz (dreimal) – und den kann man während der Fasnet sattsam hören.

Die Unterweissacher Batzenschmeißer sind seit zwei Jahrzehnten Teil des regionalen Fasnetstreibens. Dass die Hästräger in der Backnanger Bucht auftauchten, ist der Verdienst der „Batzenmutter“ Rosemarie Juskowiak. Die heute 67-Jährige stammt aus Villingen-Schwenningen und setzte sich dafür ein, den Unterweissacher Carnevals Club um Hästräger zu ergänzen. Dabei griffen die Gründer auf die Tradition der Ziegelwerke zurück, deren Vorläufer seit dem 17. Jahrhundert urkundlich verbrieft sind. Deren „Lehmbatzen“ haben der Gruppe ihren Namen verliehen und finden sich symbolisch auf der Stirn jeder Maske. An die Erdfarben lehnt sich das Häs an: Grün für das Gras, Beige und Braun für den Lehm, Rot als Farbe der Ziegelsteine. Die Filzstücke in Form von Dachziegeln erinnern ebenfalls an die Ziegelwerke Rombold. Die Maske schaut freundlich drein, sie soll „niemanden erschrecken“, wie Rosemarie Juskowiak betont. Die 67-Jährige ist altersbedingt nicht mehr bei jedem Umzug dabei, moderiert jedoch die Narrentaufen, bei denen künftige Gruppenmitglieder ein Bad in einer mit Lehm gefüllten Wanne über sich ergehen lassen müssen. Etwa 90 Batzenschmeißer gibt es zurzeit, sagt Juskowiak. „Wir möchten nicht zu groß werden.“

„Fasnet zur Freud und niemand zum Leid“ ist das Motto, das sich der erste Zunftmeister der Narrenzunft Korb, Andreas Bittig, und die 21 aktiven Vereinsmitglieder – elf davon sind Kinder – gegeben haben. Allerdings: „Ein bissle Schabernack darf schon sein.“ Vor sechs Jahren haben 14 Fasnetsfans die Narrenzunft Korb ins Leben gerufen – mittlerweile hat der Verein knapp 100 Mitglieder. Sie lassen mit der Figur der „Rebla“ ein Stück Korber Ortsgeschichte aufleben: die Holzmaske stellt eine Weinrebe mit Blättern dar. Auch die aus braunen Flicken genähte Kleidung symbolisiert eine Weinrebe. Andreas Bittig steckt im Häs des „Hansele“, einer Figur, die seit 2012 mit von der Partie ist. Auch sie hat ein freundliches Gesicht, das von Weinblättern, Trauben und einem Fuchsschwanz umrahmt wird. Am Donnerstag laden die Korber zum zweiten Remstaler Narrengericht. Angeklagt ist der CDU-Bundestagsabgeordnete Joachim Pfeiffer. Bittig: „Die Anklageschrift hat er schon erhalten.“