Renningen Der friedliche Kampf der sechseckigen Drachen

Von Brunhilde Arnold 

Wenn der Himmel voller Herzen und Gespenster hängt, dann ist Drachenfest in Malmsheim. Am Wochenende war es soweit. Auch wenn die ganz großen Drachen angesichts des eher schlechten Wetters wenig Aufstiegschancen hatten.

Bunte Drachen in Malmsheim. Foto: factum/Weise 15 Bilder
Bunte Drachen in Malmsheim. Foto: factum/Weise

Renningen - Schon zum 23. Mal hatte der Sportfliegerclub Leonberg auf den Flugplatz nach Malmsheim eingeladen. Zu Füßen des Bosch-Hochhauses tummelten sich auf dem vierhundert Meter langen Aktionsfeld fantasievolle Gebilde in allen Farben des Regenbogens. Drachen an einer Leine und Lenkdrachen an mehreren Schnüren, Windspiele und ganze Drachenreihen versuchten ihr Glück am wolkig-grauen Himmel. Nur am Sonntagnachmittag schien für einige Zeit die Sonne.

„Ganz allmählich fängt es hier an zu wimmeln. Graf Dracula ist auch schon da“, zeigte sich der Moderator der verschiedenen Vorführungen, Jürgen Schneider, am Samstagnachmittag begeistert. „Leider haben wir sehr schwachen Wind“, sagte er, „aber für Leichtwinddrachen reicht es.“ Jürgen Schneider vom Drachenclub Aiolos aus dem hessischen Rodgau gehörte zum vierköpfigen Team, das das Fluggeschehen auf dem Gelände des Sportfliegerclubs organisierte. Sprecher Frank Schmidt aus Pforzheim, der seit fünf Jahren mit an Bord ist, betonte, dass es in diesem Jahr bei den Anmeldungen von aktiven Fliegern aus ganz Deutschland und der Schweiz eine Rekordzahl gegeben habe, nämlich 369. Viele von ihnen hatten ihre Zelte entlang der Aktionsfläche aufgebaut und waren so ganz nah dran am himmlischen Spektakel.

Extra Fläche für die Kleinen

Für Familien mit Kindern hatten die Veranstalter eine besondere Fläche ausgewiesen, auf der die kleinen Drachenfreunde ihre Flugobjekte steigen lassen konnten. Dort seien die Flugbedingungen an diesem Nachmittag mit Wind aus Nordost sogar besser als auf dem Hauptfeld, so Moderator Jürgen Schneider, weil die Fläche weiter vom Bosch-Hochhaus entfernt sei. „Je weiter Sie von diesem Gebäude weggehen, desto schöner wird der Wind“, erklärte der Drachenflugspezialist.

Erfahrene Drachenflieger übten sich auch im Formationsflug. „Einer im Team hat das Kommando, er gibt vor, was alle machen müssen“, sagte Schneider. „Ja, da sehen wir eine schöne Fünfer-Formation“, rief er begeistert in sein Mikrofon. „Jetzt kommt wieder das Kommando ‚Follow’“, denn nicht nur in der Fliegerei, sondern auch in der Welt der Drachenflieger erfolgt die Verständigung in Englisch.

Spannend wurde es schließlich bei den Rokkaku-Kämpfen. Diese sechseckigen Drachen, die ihren Ursprung in Japan im 17. Jahrhundert haben, versuchten sich gegenseitig zu Fall zu bringen. Ein Schiedsrichter überwachte das Getümmel auf den Schwingen des Windes. Dabei kämpften nicht nur oben die Drachen, sondern auch unten die Piloten, die sich um die besten Plätze drängelten und deren Leinen sich immer mehr ineinander verknoteten.

Kuhherde als Windspiele

Davon völlig unbeeindruckt zeigte sich die Kuhherde von Thomas Häusser. Der junge Mann hat bereits fünfzig Stück der Hornträger in vielen verschiedenen Farben aus Spinaker-Nylon selbst genäht und nach Malmsheim mitgebracht. Diese Windspiele waren eine Augenweide für die Besucher, die sie mit einem Lächeln im Gesicht betrachteten. Dagegen war die große Krake von Wolfgang Müller aus Rodgau ein echtes Schwergewicht. Mit mehr als zwanzig Kilogramm, einem Kopfdurchmesser von 5,5 Metern und einer Gesamtlänge von 28 Meter hatte es das lilafarbene Luftwesen schwer, bei dem schwachen Wind so richtig in Fahrt zu kommen.

Weil frische Luft Appetit macht, hatte der Sportfliegerclub Leonberg für Essen und Trinken gesorgt, für Stände mit Crêpes und Süßigkeiten sowie einem Karussell für die Kleinen. „Wir kümmern uns um das ganze Drumherum“, sagte Rainer Kraft, außerdem stärke eine solch große Veranstaltung den Zusammenhalt der Mitglieder im Verein. „Es macht viel Spaß, aber auch unheimlich viel Arbeit“, ergänzte sein Vorstandskollege Reinhold Schäfer. Er schätzte, dass wegen des nasskalten Wetters rund ein Drittel weniger Besucher als in den beiden Vorjahren gekommen waren.