Renningen Die Trittbrettfahrer beschwindeln sogar Städte

Von Peter Meuer 

In Renningen warnt die Stadt zurzeit gerne Mal vor kleinen und großen Betrügereien. Vor Halunken, Schnorrern und Schurken also, die Geldbeutel und Konten Gutgläubiger für fragwürdige oder nicht vorhandene Gegenleistungen leeren.

Trittbrettfahrer Foto: Rudel/Archiv
TrittbrettfahrerFoto: Rudel/Archiv

Renningen - In Renningen warnt die Stadt zurzeit gerne Mal vor kleinen und großen Betrügereien. Vor Halunken, Schnorrern und Schurken also, die Geldbeutel und Konten Gutgläubiger für fragwürdige oder nicht vorhandene Gegenleistungen leeren. Eine „Warnung vor Trittbrettfahrern“ veröffentliche die Verwaltung unlängst. Demnach rufen bei Renninger Unternehmen Menschen an, die Anzeigen für eine Bürgerinformationsbroschüre verkaufen wollen. Blöd nur, dass die Stadt selbst nichts von dieser, einmal nett ausgedrückt, konjunkturfördernden Maßnahme weiß.

„Diese Anbieter haben suggeriert, sie seien in offiziellem Auftrag unterwegs“, erklärt der Renninger Amtsleiter für Bürger und Recht, Stefan Feigl. Der Eindruck habe erweckt werden sollen, dass Anzeigen für eine Neuauflage der städtischen Broschüre von 2011 gesammelt würden.„Wenn wir so etwas planen, teilen wir es den Unternehmen im Ort selbst mit“, betont Feigl. „Da wollte sich jemand bereichern“, ist er überzeugt.

Arglose Bürger und vertrauensvolle Betriebe sind indes längst nicht die einzigen Opfer. Profi-Abzocker nehmen mittlerweile längst auch Stadtverwaltungen ins Visier. Und das ungeachtet der Tatsache, dass dort gestandene Verwaltungsfachleute und gewitzte Juristen sitzen, die sich mit Recht und Gesetz durchaus auskennen und wehrhaft sind. Versuchen kann man es offensichtlich dennoch, frei nach dem Motto: Dreistigkeit siegt!

Denn Feigl berichtet: „Auch bei uns auf den städtischen Schreibtischen landen häufiger einmal seltsame Schreiben.“ Da werde dann etwa eine harmlose E-Mail geschickt von einer wohlklingenden Organisation mit der Bitte, Anschriftsdaten des Rathauses zu korrigieren. „Würden wir darauf antworten, würde man uns mitteilen, dass wir zu zahlen hätten“, so der Amtsleiter weiter. „Denn irgendwo im Kleingedruckten steht ja schließlich, dass man irgendeine Art von Vertrag abgeschlossen hat.“ Das sei „pure Bauernfängerei“.

Dennoch: einmal wäre die Renninger Verwaltung einer solchen Betrügerei fast auf den Leim gegangen. Eine Weile ist das schon her, ein Anruf ging bei der Stadt ein – ob man Interesse an der Neuauflage eines kommentierten Gesetzbuches habe, lautete die Frage. „Wir sollten das kostenfrei anschauen dürfen, zur Probe, so wurde uns gesagt“, erinnert sich Stefan Feigl. „Wir stimmten zu, denn es hieß, wir könnten das Buch jederzeit zurückschicken, wenn es uns nicht zusagt.“

Tatsächlich trudelte einige Zeit später ein Päckchen ein. Und zwar kurz vor der Ferienzeit – ein Schelm, wer da an Zufall denkt. Niemand öffnete das Paket zunächst. Als dann doch ein Mitarbeiter nach einigen Wochen das Gesetzbüchlein inspizierte, fand er wenig juristisch Erhellendes in dem inhaltlich dünnen Heft. Dafür lag aber ein Schreiben bei: „Wenn Sie das Buch nicht innerhalb von zwei Wochen zurücksenden, kommt ein Kaufvertrag zustande.“ Die Stadt hätte dann über einen längeren Zeitraum monatlich zahlen sollen.

„Wie reagiert da ein Privatmann, wenn sofort mit großen Mahnsummen gedroht wird, wie es dann oft geschieht?“, fragt Feigl rhetorisch. Die Amtsleiter der Renninger Verwaltung aber haben ein breites Kreuz. Sie wollten sich nicht abzocken lassen, nahmen Kontakt zu der Firma auf, kritisierten die Geschäftsmethoden. „Es ging hin und her, irgendwann haben sie sich nicht mehr gemeldet.“ Ein Versuch, die Staatsanwaltschaft einzuschalten, ging indes aus wie das Hornberger schießen. „Den Tatbestand des Betrugs haben sie nicht anerkannt“, berichtet Feigl. „Das ist leider eine rechtliche Grauzone.“ Um so wichtiger sei es, zu informieren – damit sich weder Verwaltungsfachwirte, noch der Handwerker im Ort ins Boxhorn jagen lassen.

Auch der Polizeisprecher Frank Natterer betont, dass die Maschen sich in einer Grauzone bewegen. „Da ist strafrechtlich wenig zu machen“, weiß er. „Wenn überhaupt, berührt dies das Zivilrecht. Die Anbieter sichern sich oft im Kleingedruckten ab.“ Immerhin: auch wenn die Pseudo-Firmen sich an Stadtverwaltungen herantrauen – bei den Polizeibehörden versuchen sie ihr Glück eher selten. „Bei uns kommen solche Schreiben oder Anrufe nicht an“, berichtet Frank Natterer.

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