Restaurant-Test: José y Josefina in S-West Beim Spanier fühlen sich die Gäste sichtlich wohl

Von tab 

Vor zwei Monaten eröffnet – und schon ein Hotspot im Stuttgarter Westen: Beim Spanier treffen sich alle Altersgruppen.

Paella und mehr: Juan Miguel Blanco del Rio bietet Hausmannskost an. Foto: Lg/Verena Ecker
Paella und mehr: Juan Miguel Blanco del Rio bietet Hausmannskost an. Foto: Lg/Verena Ecker

Stuttgart - Der Laden brummt. Der Westen liebt sein neues Wohnzimmer, ein Ecklokal, das das Lebensgefühl im Stadtbezirk trefflich widerspiegelt: eine Mischung aus urban und familiär, edel-behaglich mit Dielen, grauen Kacheln und riesigen Lampen. Es gibt Tische für zwei und einen für zwölf. Die Stimmung ist ausgelassen – so wie an der Familientafel, wenn sich alle aufeinander gefreut haben.

Das Restaurant ist Juan Miguel Blanco del Rio eine Herzensangelegenheit, eine Hommage an seine verstorbenen Eltern José und Josefina. Zwei Schwarz-Weiß-Porträts erinnern an sie. Die beiden haben ihm erst den Start in die Selbstständigkeit ermöglicht, indem sie 1993 ihr Haus in Spanien verpfändeten. Und ihr Sohn wurde ein erfolgreicher Geschäftsmann: In Stuttgart kennt man ihn als Chef des Deli und des Classic Rock Café, in Leinfelden-Echterdingen betreiben er und sein Bruder David den Schwabengarten. Auch ihr Schwester Sonia gehört zum Gastroteam.

Die Tortilla hat Juan Miguel Blanco del Rio überzeugt

Nur einen Traum hat Blanco del Rio lange nicht realisiert: den vom eigenen spanischen Lokal. Bis Jorge Cocolina Huerta auf ihn zukam. „Mit Jorges Tortilla hat alles angefangen“, berichtet der Mittvierziger lachend, „die war sensationell.“ Wie bei der Mamá daheim eben. Nach dem erfolgreichen Start mit einem Cateringservice eröffneten sie das Restaurant, der Vater dreier Kinder – die Zwillinge sind noch nicht einmal ein halbes Jahr alt –, hat ja sonst nichts zu tun. „Es macht mir unglaublich Spaß, die Gäste zu bedienen“, erzählt er, „ich habe keine Lust, nur Manager zu sein.“ Man glaubt es ihm sofort, so schwungvoll und charmant tritt er auf.

Gute Laune macht auch der gegrillte Oktopus mit Trinxat-Beilage aus Cerdanya (16,90 Euro), eine Mischung aus Meeres- und Gebirgskost: obenauf der gegrillte Oktopus, dazu ein deftiger Stampf aus Kartoffeln und Kohl. Überhaupt haben sie hier ein Händchen für jede Art von Tintenfisch, wie sie auch bei der Pica-Pica Mallorquin (12,90 Euro), einem fruchtig-scharfen Sepia-Eintopf mit Gemüse, beweisen.

Wer eine Paella bestellen möchte, muss sein Gegenüber zum Mitessen überreden (mit Hähnchen, Tintenfisch, Garnelen, Muscheln, 16,80 Euro pro Person). Leider suppt der Reis etwas, die Meeresnote dominiert sehr – und es fehlt die typische feine Kruste am Boden der Paellaform. Dabei können Fischfans hier durchaus glücklich werden. Die Auswahl für Fleischfans ist freilich übersichtlicher. Dafür gibt es etwa am Entrecote mit kanarischen Kartoffeln und Chimichurri-Soße (25,50 Euro) fast nichts zu mäkeln, allein bei den Kartoffeln hätten wir uns eine schöne Salzkruste gewünscht. Die gehören übrigens, serviert mit grüner Mojo (6,90 Euro), zu den wenigen vegetarischen Gerichten auf der Karte. „Wir Spanier sind nun einmal Fisch- und Fleischesser“, sagt Blanco del Rio. Um Vegetarier nicht zu enttäuschen, hat der Koch sogar extra eine Gemüsepaella erfunden.