Restaurant-Test in Stuttgart-Plieningen: L’Inizio Neustart mit Charme

Von  

Hier macht ein Besuch Laune: Plieninger und Auswärtige schätzen nicht nur den flinken, freundlichen Service im L’Inizio.

Junge Gastro-Profis: Vincenzo Pepe und  Maria Teresa Pucciarelli Foto: Lg/Oliver Willikonsky
Junge Gastro-Profis: Vincenzo Pepe und Maria Teresa Pucciarelli Foto: Lg/Oliver Willikonsky

Stuttgart - Behaupte noch jemand, in den äußeren Stadtbezirken sei kulinarisch wenig los. Spaziert man durch Plieningen, passiert man binnen weniger Minuten vier italienische Restaurants und einen Pizza-Lieferservice. Little Italy also in der Nähe des Flughafens und der Messehallen. Letztere waren mit ein Grund dafür, dass Vincenzo Pepe und seine Lebensgefährtin Maria Teresa Pucciarelli hier den Neuanfang – L’Inizio – wagten. „Plieningen ist ein sehr guter Platz für ein Restaurant, auch wegen der Nähe zur Messe“, sagt der 32-Jährige, der zuletzt im Perbacco an der Tübinger Straße gearbeitet hat.

Nach der Absolvierung der Gastronomieschule in Italien hatte er vor, zwei, drei Jahre in Deutschland zu bleiben – daraus sind nun mehr als 15 Jahre geworden. Der Liebe und des neuen Geschäfts wegen werden es wohl noch einige mehr werden.

Viel Mühe hat das Paar in die Renovierung des ersten eigenen Lokals gesteckt. Alles ist blitzeblank und wohl sortiert, auf den Tischen liegen weiße, gestärkte Tischdecken, ein großes Holzfass dient als Empfangstisch – und sogar an Gäste, die ohne Begleitung kommen, wurde gedacht: Sie können zu den bereitgelegten Zeitschriften greifen, wenn sie aufs Essen warten.

Pizzen sind gefragt

Müssen sie aber gar nicht lange. Pepe und Pucciarelli sind stets flink und freundlich, selbst wenn viel los ist und zwischendurch noch Selbstabholer vorbeischauen. Die Pizzen, die aus dem Steinofen kommen, sind offensichtlich gefragt, aber Pepe und sein Team haben mehr zu bieten: das zarte Octopus-Carpaccio (10,50 Euro) mit feiner Vinaigrette etwa, die den Geschmack der dünnen Scheiben nicht übertüncht.

Bei den Hauptgerichten fällt auf, wie punktgenau das beiliegende Gemüse gegart ist – zum Beispiel bei der Goldbrasse (19,50 Euro). Allerdings könnte das weiße Fleisch noch etwas aromatischer sein, dafür gibt es einen kleinen Punktabzug. Nicht jedoch beim Kabeljau (18,50 Euro), der mit einer köstlichen Soße serviert wird, allerdings muss man Kapern mögen. Gefragt seien die Spaghetti mit Meeresfrüchten, erzählt Vincenzo Pepe. Genauer gesagt: die Bigoli ai frutti di mare (11,50 Euro), etwas dickere Spaghetti. Die perfekt al dente gekochte Pasta mit Cocktailtomaten, einem Dutzend Muscheln, Tintenfischstreifen und Shrimps sieht fabelhaft aus – und genauso schmeckt sie auch. Dazu wählen wir einen fruchtigen Grillo aus Sizilien (5 Euro) und genießen den Abend mit anderen Gästen auf der Terrasse, die freilich noch etwas nüchtern wirkt. Das Lokal zieht offensichtlich nicht nur auswärtige Messebesucher an, es scheint auch bei den Einheimischen beliebt zu sein. Fotos von Stammgästen – dezent in Schwarz-Weiß – hängen innen schon an den Wänden, obwohl das Lokal erst im Mai eröffnet wurde.

Die Bewertung

Küche: dreieinhalb Sterne

Service: dreieinhalb Sterne

Ambiente: drei Sterne

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis und gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.