Retro Classics-Messe in Stuttgart Von neuen Jahren und alten Autos

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Der Ex-Rennfahrer Roland Asch hat seinen ersten DTM-Wagen wiedergefunden. Er zeigt den Ford Mustang auf der Retro Classics. Die Oldtimerschau ist einer der Höhepunkte im Kalender der Messe, die mit 1600 Gästen aufs neue Jahr angestoßen hat.

Roland Asch ist verliebt in seinen Ford Mustang. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Roland Asch ist verliebt in seinen Ford Mustang.Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart - Der Prosecco perlt, die Hörnchen locken und die Eistheke brummt: An der Calabrese-Bar im Einkaufszentrum Milaneo ist am Donnerstagvormittag die Retro Classics an den Start gegangen. Neun Wochen bevor Europas angeblich größte Automobilmesse die Hallen auf den Fildern füllt, präsentiert sie eine kleine Auswahl an Fahrzeugen mitten in der Stadt. Zwischen Schmuck und Damenoberbekleidung parken bis 30. Januar zwei Laverda-Motorräder, eine Isetta, diverse US Cars – und der Ford Mustang, den Roland Asch bei seinem ersten DTM-Rennen 1986 gefahren ist.

„Ich bin in dieses Auto verliebt“, schwärmt sein noch recht frisch gebackener Besitzer. Einst hat Asch das Auto selbst in Ammerbuch zusammengebaut, voriges Jahr hat er es nach 27 Jahren in einem Container irgendwo hinter Frankfurt wiederentdeckt. Asch hat es gekauft („ich musste“) und in der Ursprungsfarbe weiß lackiert, die Reifen sind original, der Motor fehlt noch: „Aber bis zur Retro muss der laufen“. Asch und sein Sohn Sebastian stellen von 17. bis 20. März in Halle fünf aus. Sie sind einer von rund 1600 Ausstellern, die insgesamt rund 3500 Fahrzeuge zeigen werden. Karl Ulrich Herrmann, der „Motor“ der Retro Messen GmbH, rechnet dieses Jahr mit rund 900 000 Besuchern und wartet sehnsüchtig auf Halle 10. „Die haben wir für 2018 schon fast voll“. Der Experte konstatiert einen Wandel in der boomenden Branche, was mit dem Alter der Käufer zusammenhänge. Der Oldtimerfan orientiere sich an Emotionen, sprich: Er suche jene Autos, die seine Großeltern oder Eltern gefahren hätten, etwa den VW Käfer. Mit Folgen: „Vorkriegsfahrzeuge sind nicht mehr gefragt, die kann auch bald keiner mehr fahren.“

Der größte Neujahrsempfang der Stadt

Ziel vieler Autofahrer war am Donnerstagabend dann das Parkhaus der Neuen Messe: Der Neujahrsempfang ist mit 1600 Gästen der größte in der Stadt. „Da muss man dabei sein“, verriet die Moderatorin Kathrin Adamski all jenen im Saal, die das noch nicht wussten. Zu loben gab es auf der Bühne viel (wir haben berichtet), zum Staunen auch. Wie Sebastian Stamm seinen supermuskulösen Körper um die Stange schlang war atemberaubend: Da zog mancher Herr im Saal den Bauch hörbar ein und spülte die guten Vorsätze mit einem Gläschen Weißburgunder hinunter.

Nicht alle Themen waren leichte Kost. Der Wirtschaftsminister Nils Schmid dankte den beiden Messechefs Ulrich Kromer und Roland Bleinroth unter kräftigem Beifall für die „hochprofessionelle Organisation“ bei der Unterbringung der Flüchtlinge. Auch der Anschlag in Istanbul war Gesprächsthema, sei es bei Flughafenchef Georg Fundel, sei es am Ehrentisch. „Wir sind geschockt, wir kennen die Stadtführerin aus dem weiteren Bekanntenkreis. Gott sei Dank wohnen meine Eltern in einer Stadt fernab des Tourismus“, erzählte Tülay Schmid.

Neben ihr saß Alt-Ministerpräsident Erwin Teufel, der bei allem Jubel über den Baubeginn der zehnten Messehalle an die schwierigen Anfänge erinnerte. „Ich habe mich nicht nur mit Bürgermeistern, sondern auch mit einzelnen Gemeinderäten persönlich getroffen, damit die Abstimmung klappen konnte.“ Erwin Teufel ist auch als Ruheständler viel unterwegs. „Nur dass ich jetzt nicht mehr um halb sechs sondern um sieben aufstehe.“ Allein am Donnerstag absolvierte er fünf Termine. Wie wär es denn, mit Blick auf die Retro Classics im Oldtimer durch die Lande zu kutschieren? „Das ist nicht mein Ding“, so Teufel. Er lese lieber Bücher. „Und zwar immer noch zwischen drei und vier Uhr am Morgen.“ Beneidenswert, diese Kondition.

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