Rettungsdienst im Land Nur drei Einsatzbereiche schaffen die Norm
Thomas Breining, 14.06.2011 16:55 Uhr
Pünktlichkeit heißt für den Notarzt, spätestens 15 Minuten nach Eingang des Alarms am Ort des Notfalls einzutreffen. Foto: dpa
Pünktlichkeit heißt für den Notarzt, spätestens 15 Minuten nach Eingang des Alarms am Ort des Notfalls einzutreffen. Foto: dpa
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Stuttgart - In Baden-Württemberg schreibt das Rettungsdienstgesetz vor, dass Notarzt und Sanitäter spätestens 15 Minuten nach einem Alarm am Unfallort eintreffen müssen. Diese Frist soll übers Jahr gesehen in 95 Prozent aller Einsätze eingehalten werden. Die Ergebnisse stellen nicht zufrieden. Deswegen kamen die Gremien im Juli 2008 überein, in bestimmten Bezirken die Vorkehrungen für die Mediziner und die Rettungshelfer so zu verbessern, dass sie Vorgabe einhalten können. Nun hat Innenminister Reinhold Gall (SPD) die Erfüllungsquoten für das vergangene Jahr vorgelegt. Das Ergebnis ist wenig erfreulich. "2010 hat sich die Bilanz eher ungünstig entwickelt", stellte Gall fest.

Noch immer ist das Land aufgeteilt in 37 Rettungsdienstbereiche. Für jeden wird getrennt ermittelt, ob der Notarzt einerseits und der Rettungswagen andererseits die geforderte Hilfsfrist erfüllt. Nur in drei dieser 37 Bereiche konnte vergangenes Jahr die notärztliche Frist erfüllt werden: Karlsruhe steht mit einer Quote von 96,6 Prozent am besten da. Dann sind noch Biberach und Konstanz zu nennen. Alle anderen Bereiche liegen unter den geforderten 95 Prozent. 13 erreichen nicht einmal 90 Prozent. In Calw ist die Quote mit 76,4 Prozent am weitesten unter dem Soll.

Die Tendenz nach unten: im Jahr 2009 schafften wenigstens vier Bereiche die Norm, 2008 sogar sieben. Besonders dramatisch ist das Ergebnis in Hohenlohe, wo man 2008 noch 92,4 Prozent geschafft hatte, 2010 aber nur noch 85,2 Prozent.

Die Entwicklung ist rückläufig

Die Rettungssanitäter sind deutlich schneller. Vergangenes Jahr waren sie in 19 der 37 Bereiche normgerecht unterwegs. Nur ein Bereich schaffte keine 90 Prozent: Waldshut bildet hier mit 88,2 Prozent das Schlusslicht. Allerdings ist auch bei ihnen die Entwicklung rückläufig. 2009 blieben 23 Bereiche im Rahmen, 2008 sogar 24. Insgesamt haben vergangenes Jahr 25 Bereiche schlechtere Ergebnisse erzielt als im Jahr zuvor, nur elf haben sich verbessert.

Auch hier gibt es große Sprünge, in Reutlingen etwa um 4,4 Punkte nach unten von sehr erfolgreichen 97,1 auf nicht mehr ausreichende 92,7 Prozent. Neckar-Odenwald verlor 3,9 Punkte auf 93, Ludwigsburg 3,3 Punkte auf 93,9 Prozent. In Sigmaringen ist eine stete Aufwärtsentwicklung von 89,6 auf 92,6 Prozent feststellbar. In nur drei Bezirken gibt es sowohl für Notärzte als auch für Sanitäter seit 2008 nach oben gerichtete Entwicklungen: Pforzheim/Enz, das aber in beiden Kategorien das Ziel noch nicht erreicht; Rems-Murr, das erst bei den Rettungswagen die Norm geschafft hat; und Stuttgart, das mit der notärztlichen Hilfsfrist ganz knapp am Limit vorbeischrammt und bei den Ersthelfern zufriedenstellende Werte weiter verbessert hat.

"Nicht erfreut, aber auch nicht überrascht"

Die Helfer erklärten die Ergebnisse vor allem mit einer höheren Zahl an Einsätzen und der strengen Winterwitterung vor der Jahreswende, sagt Gall. Allerdings seien mancherorts auch die beschlossenen Verbesserungen "noch nicht im gewünschten Umfang wirksam". Es gelte, daran konsequent weiterzuarbeiten. Die Anstrengungen der bisherigen Landesregierung, von Rettungsorganisationen und Krankenkassen müssten weiter verstärkt werden, so Gall. Sein Haus ist seit der Regierungsneubildung für den Rettungsdienst zuständig. Bisher war es das Sozialressort. Gemäß dem grün-roten Koalitionsvertrag wird im Innenministerium jetzt der Schutz der Bevölkerung konzentriert.

Die Rettungsorganisationen zeigten sich durch die aktuellen Zahlen "nicht erfreut, aber auch nicht überrascht", wie es beim Roten Kreuz (DRK) heißt. Die rettungsdienstliche Infrastruktur sei auf einen Normwinter ausgelegt. "Wir hatten aber keinen Normwinter", heißt es. Das DRK hat auf eigene Initiative die Entwicklung der Alarmzeiten im Frühjahr weiterverfolgt. Man will erkennen, ob sich der Abwärtstrend fortsetzt oder der ungewöhnlich harte Winter eben doch den größten Teil der Antwort liefert. Die Ergebnisse will das DRK Ende Juni präsentieren.

Kommentare (3)
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JUN
15
Mesotron, 13:08 Uhr

Max. 15 Min.

15 Minuten sollten in Baden-Württemberg wirklich nicht überschritten werden. Im Vergleich mit dem übrigen Bundesgebiet liegt das Ländle damit aber nicht mal weit vorn. Selbst das eher ländlich geprägte Bayern schreibt "12 Minuten in der Regel; 15 Minuten in dünn besiedelten Gebieten" vor. Quelle: http://forplan.de/hilfsfristen.html

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JUN
15
Mesotron, 12:57 Uhr

Eine traurige Bilanz

Letztes Jahr war es der harte Winter, heuer wird wahrscheinlich der starken Sonneneinstrahlung die Schuld an der Misere gegeben. Nicht anderes als miserabel ist diese Bilanz. Seit Jahren ist das Problem bekannt und es war beschlossene Sache dies anzugehen. Unterm Strich ist nichts passiert. Höchste Zeit für Innenminister Reinhold Gall (SPD) den Institutionen zur nachhaltigen Verbesserung der Quoten den richtigen Weg zu weisen und dem Schlendrian der schwarzen CDU-Jahre ein Ende zu bereiten. Es bressiert!

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JUN
15
RDler, 10:01 Uhr

Hilfsfrist ist 10 Minuten, nicht 15 Minuten

Liebe StZ-Redaktion. Wie wäre es mit etwas Recherche? Dann würde der eigentliche Skandal im Rettungsdienst-Ländle offenbar werden. Denn die Hilfsfrist liegt in Baden-Württemberg nicht wie gerne von Leistungserbringern ("gemeinnützige" Hilfsorganisationen mit gesetzlich garantierter quasi-mafiöser Monopolstruktur), Kassen (die nur sparen wollen) und Ministerien (die mit den Hilfsorganisationen gerne mal eng verbunden sind) genannt bei 15 Minuten, sondern bei 10 Minuten. Quelle: §3 Abs. 1 S. 5 Rettungsdienstgesetz Baden-Württemberg "Die Hilfsfrist soll aus notfallmedizinischen Gründen möglichst nicht mehr als 10, höchstens 15 Minuten betragen." Wie wohl die Statistik bei 10 Minuten aussehen würde...?

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