Stuttgart - Das Bessere ist der Feind des Guten, war das Motto in der Debatte über das Rettungswesen in Stuttgart gewesen. Der Krankenhausausschuss lobte, dass die gesetzliche Hilfsfrist, nach der die Notärzte spätestens in 15 Minuten beim Patienten sein müssen, im vergangenen Jahr in 96,65 Prozent der Einsätze erreicht wurde. Allerdings forderten alle Ratsfraktionen, die Einsatzzeiten müssten weiter vermindert werden. Den Einsatz der weit verbreiteten GPS-Technologie auch im Rettungsdienst müsse der zuständige Landesausschuss endlich ermöglichen. Vom Land gibt es indes positive Signale, dass die Entscheidung im Sommer fällt.
Lange Zeit schaffte der Rettungsdienst in Stuttgart die gesetzlichen Vorgaben bekanntlich nicht. Noch 2010 verpasste man knapp die Norm, dass Notärzte und Rettungswagen bei mindestens 95 Prozent ihrer Einsätze in längstens 15 Minuten vor Ort sein müssen. Nach verschiedenen Verbesserungen des Notarztsystems stehe die Landeshauptstadt bei den Hilfsfristen jetzt aber „an der Spitze in Baden-Württemberg“, sagte Ordnungsbürgermeister Martin Schairer (CDU).
Im Schnitt in 8,5 Minuten beim Patienten
Die Werte bedeuteten freilich nicht, dass die Rettungsteams erst nach einer Viertelstunde am Einsatzort seien, machte Albrecht Henn-Beilharz, der leitende Notarzt in Stuttgart, deutlich: „Im Schnitt sind wir in 8,5 Minuten beim Patienten.“
Dieser Durchschnittswert bestimmte die Ratsdebatte, die weniger von Lob als von der Forderung nach weiteren Verbesserungen geprägt war. Schließlich kommt es bei der Rettung von Menschen etwa mit einem Schlaganfall oder einem Herzinfarkt auf jede Minute an. „Bei den durchschnittlichen Hilfsfristen könnten wir noch ein ganzes Stück weiterkommen“, sagte Stadtbranddirektor Frank Knödler. Dafür müsste die Steuerung der Fahrzeuge durch den Einsatz des satellitengestützten Systems zur Positionsbestimmung GPS optimiert werden. „Es wird langsam zur Posse, dass wir dieses lebensrettende Instrument nicht einsetzen können“, sagte Knödler.
Welches Fahrzeug ist dem Einsatzort am nächsten?
Durch die Technologie könnten die Disponenten am Rechner in der Leitstelle aktuell ermitteln, welches der Fahrzeuge, die ständig unterwegs sind, dem neuen Einsatzort am nächsten ist. Das derzeitige Verfahren sei ein „Blindflug“, sagte Martin Schairer. Die Einführung würde 70 000 Euro kosten. An den Kostenträgern liegt es nicht. Jörg Klaski von der AOK: „Wenn das kommt, werden wir es finanzieren.“ Die Kasse hält den GPS-Einsatz ebenso für notwendig wie das Deutsche Rote Kreuz.
Der Referatsleiter Rettungsdienst und Feuerwehr im Innenministerium, Hermann Schröder, gab sich auf Anfrage zuversichtlich, dass die Rettungsdienste bald GPS bekommen werden. Nach den bisherigen Beratungen im Landesausschuss gebe es die klare Botschaft: „Wir wollen das bringen.“ Am 10. Juli behandle der Ausschuss das Thema erneut. Auch Hermann Schröder ist überzeugt: GPS bringe im Rettungswesen „eine Verbesserung“.
Eine weitere Neuerung, die Einführung der Telemetrie, wird es „in wenigen Monaten geben“, ist Stadtbranddirektor Frank Knödler zuversichtlich. Telemetrie macht es möglich, dass die Daten etwa von Infarktpatienten online vom Fahrzeug an den Herzkatheterplatz in der Klinik übermittelt wird, was eine schnellere Behandlung möglich macht. „Es darf nicht sein, dass wir im Rettungsdienst Zeit gewinnen, die wir im Krankenhaus wieder verlieren“, sagte Knödler. Pro Fahrzeug kostet die Einführung von Telemetrie circa 25 000 Euro. Der Kostenträger hat dies genehmigt.


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Navi
Eugen hat da schon recht mit seiner Aussage, auch wenn es hier um eine andere Bedeutung der GPS-Technik geht. Doch ist es doch ein Fakt das die Ortskunde bei der ein oder anderen HiOrg in Stuttgart keinerlei Rolle mehr spielt. Dort genügt dem Verantwortlichen das seine Mitarbeiter über ein (gerne privates) Navi verfügen um sich in die Schlacht um die Hilfsfristen zu stürzen. Und auch bei vielen jungen Kollegen gibt es gar nicht mehr das Verlangen nach einer profunden Ortskenntnis. Wozu auch, das Navi kennt den Weg und die Firmenleitung interessiert es ohnehin nicht solang die Zeiten stimmen. Wie soll man es sich sonst erklären das Kollegen nach Monaten Dienst in Stuttgart für den Königsbau noch eine Adresse benötigen oder sie gen Heslacher Tunnel ausrücken von Mitte zu einem Notfall in Bad Cannstatt... Was nutzt also die schönste Leitstellentechnik wenn das fahrende Personal ohne Navi verloren ist... Was in Stuttgart fehlt sind Ortskundeprüfungen wie sie leider vielerorts dem schnellen und billigen Personalkarusell geopfert werden.
Ein halbes Jahr warten auf den Beschluss?
Wenn sich alle im Prinzip einig sind, dass GPS gestützte Disposition sinnvoll und wichtig ist, warum wartet der Ausschuss noch ein halben Jahr, um das zu beschließen?
GPS
Wie in allen Bereichen hängt der "Technologiestandort" Deutschland auch in diesem elementar lebenswichtigen Bereich um mindestens ein Jahrzehnt den Amerikanischen oder anderen Europäischen Kollegen hinterher.