Horrorfilmdarstellerin aus Reutlingen Schrei, wenn du kannst!

Von Antje Hildebrandt 

Annika Strauss ist in der deutschen Horrorfilmszene bereits ein Star. Jetzt ist die 28-jährige Reutlingerin auch auf dem Sprung nach Amerika. In Nevada dreht sie den Film „Seed II“.

Hier fließt nur Kunstblut: Annika Strauss spielt in „Seed II“ die Opferrolle. Foto: Oliver Maack
Hier fließt nur Kunstblut: Annika Strauss spielt in „Seed II“ die Opferrolle. Foto: Oliver Maack

Reutlingen/Las Vegas - Mach dir keine Sorgen“, hat sie ihrer Mutter gesagt, als sie zu ihrer jüngsten Mission gestartet ist: Leiden in Las Vegas. Diesmal werde sie nicht sterben. Keiner wird sie erwürgen, erschießen oder erstechen. Okay, ohne Blutvergießen wird es wieder nicht gehen. Neun Zentimeter lange Nägel werden sich durch ihre Handgelenke bohren, wenn sie diesmal gekreuzigt wird. Aber wenigstens kommt sie mit dem Leben davon, und in ihrem Job ist das mehr, als man erwarten kann. Annika Strauss ist Schauspielerin. Horrorfilme, das ist ihr Genre.

Annika Strauss ist 28 Jahre alt, stammt aus Reutlingen und studierte bis vor Kurzem in der Nachbarstadt Tübingen. Sie macht Yoga und spielt Basketball, sammelt Walt-Disney-Zeichentrickfilme und weint im Kino schnell, „auch bei Bambi“.

Dieselbe Annika Strauss kriecht jetzt auf der Flucht vor einem Mörder auf allen vieren durch die Wüste von Nevada, bei 40 Grad Celsius, keine Wolke am Himmel. In ihrem Gesicht steht die nackte Angst. Vor den schroffen Felsen der Postkartenkulisse des Valley of Fire wirkt sie besonders fragil. Man kann sagen: Die Angst steht ihr gut.

Es ist ihre größte Produktion, sie ist die einzige deutsche Schauspielerin am Set und auch die kleinste. Mit 1,57 Meter reicht Annika Strauss dem psychopathischen Massenmörder Max Seed (Nick Principe) gerade bis zum Bauchnabel. Fans von Horrorfilmen kennen ihn schon: Seed ist der Name eines Massenmörders, der den elektrischen Stuhl überlebt hat und sich an seinen Richtern rächt. Einen von ihnen erschlägt er mit dem Hammer. Minutenlang.

Schrecken made in Germany

So konnte man es 2007 in der ungeschnittenen Fassung des ersten Seed-Films sehen. Der Skandalregisseur Uwe Boll hat ihn gedreht und in 65 Länder verscherbelt. Mit drei Millionen verkaufter DVDs gilt er als einer der erfolgreichsten Horrorfilme made in Germany.

Jetzt hat sich der Regisseur Marcel Walz, 27, die Rechte an der Fortsetzung gesichert. Walz ist ein Mann, der leise spricht und nicht gut schläft, wenn es Stress am Set gibt. Annika Strauss ist seine Muse. In der deutschen Fanszene sind die beiden berühmt, doch das reicht ihnen nicht. Sie wollen ein größeres Publikum erreichen, und das geht nur mit einem größeren Budget.

„Seed II“ gilt als Selbstläufer, deshalb hat ein Investor eine sechsstellige Summe hinausgehauen. Der Film soll ihr Sprungbrett werden für Amerika, den größten Horrormarkt weltweit. „Seed II“ ist ein Slasher, ein Schlitzer, wie man diese Spielart des Horrorfilms nennt. Sie folgt dem Muster solcher Blockbuster wie „Scream“: Es geht um das Böse, das unvermittelt in den Alltag junger Amerikaner einbricht.

In diesem Fall sind es Partygirls, die mit dem Wohnmobil von Chicago nach Las Vegas fahren, um es noch einmal richtig krachen lassen, bevor eine von ihnen heiratet. Das ist der Plan. Doch die Party ist schon vorbei, bevor sie richtig begonnen hat. Max Seed hat die Mädchen in eine Falle gelockt. Der psychopathische Massenmörder.