Richtige Betonung Ng: Der Mann ohne Vokale
Helge Sobik, 23.02.2012 05:00 Uhr
„Ng“ oder „Ng“: Wer kennt schon die richtige Betonung? Foto: Fotolia
„Ng“ oder „Ng“: Wer kennt schon die richtige Betonung? Foto: Fotolia

Der Mann kommt völlig ohne Vokale aus. Sein Name ist Ng. Einfach Ng. Jener Herr Ng arbeitet als Fremdenführer und soll mich diesen Vormittag an der Endstation der Vorortbahn von der malaysischen Hauptstadt Kuala Lumpur Richtung Port Klang erwarten: ein Mittfünfziger, der gut Englisch spräche und für eine Bootstour zu den vorgelagerten Inseln angeheuert ist. Was ich zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahne: wie kompliziert es ist, zwei Konsonanten richtig auszusprechen - und das Gegenüber dazu zu bringen, wenigstens vage für möglich zu halten, damit gemeint zu sein.

Als der Zug endlich am Ziel ist, steht der besseren Übersicht halber zum Glück nur ein Abholer am Gleis, der infrage kommt. Ich gehe auf ihn zu, sage auf Englisch „Guten Tag“, dann meinen Namen und frage, ob er denn Herr Ng sei. „Nein, mein Name ist Ng“, sagt er völlig ungerührt und blickt den anderen Fahrgästen hinterher. Und einen schönen Guten Tag wünsche er auch. Offensichtlich hält er mich nicht ansatzweise für denjenigen, den er abholen soll.

Nicht Ng, mein Name ist Ng

Ich sage: „Oh, Entschuldigung, Herr Ng, Guten Tag.“ Und reiche ihm die Hand. „Nicht Ng“, sagt er wieder, „mein Name ist Ng.“ Ich kann keinen Unterschied heraushören und bin etwas verdutzt. „Ach so“, höre ich mich auf Deutsch sagen. Und dann wieder auf Englisch: „Ich suche Herrn Ng von der Agentur Soundso, der für mich einen Tag lang als Fremdenführer gebucht ist. Wir wollen eine Bootstour zu den Fischerdörfern auf den vorgelagerten Inseln machen.“

„Ah“, meint er nun plötzlich und mustert mich irritiert. Er habe heute dasselbe vor, arbeite ab und an und so auch heute für diese Firma und warte auf einen Urlauber aus Deutschland-gleichwohl sei ich bei ihm wohl an der falschen Adresse, denn er heiße Ng. Wenn er das sagt, hört man beide Buchstaben deutlich heraus, und trotzdem ist die kurze Silbe blitzschnell ausgesprochen. Ich hatte mich bemüht, es genauso klingen zu lassen, muss aber zugeben, dass ich sicher deutlich weniger Übung darin habe als er.

Dann sind Sie wohl doch der, den ich hier abholen soll

Weil nun kein anderer mehr im Zug ist und auch niemand mehr auf dem Bahnsteig wartet und weil der Name, den man ihm genannt hat, entfernt wie meiner klingt, beschließen wir, die Bootstour zusammen zu unternehmen. Und dass ich ihm auch noch den Buchungsbeleg der Agentur aus Kuala Lumpur für den Ausflug geben kann, beruhigt ihn dann doch: „Wenn Sie schon auf einen anderen Herrn gewartet haben, dann sind Sie wohl doch der, den ich hier abholen soll“, sagt er schließlich und lächelt endlich. Und dass das bestimmt ein Irrtum der Agentur gewesen sei und man mir wohl einen Kollegen genannt habe. Das komme immer wieder vor, er kenne das schon. Er gibt mir die Hand und stellt sich nun offiziell vor: „Ng, Guten Tag.“ Ich kann immer noch keinen Unterschied heraushören. Ist ja jetzt auch egal. Für seine Ohren liegen offenbar Welten dazwischen, wie ich seinen Namen ausspreche und wie er ihn zu hören gewohnt ist.

Später erzählt er mir, dass er gestern und letzte Woche Besucher hatte, die mir zum Verwechseln ähnlich sahen und dass es ihm manchmal wirklich Schwierigkeiten bereite, uns Europäer überhaupt auseinanderzuhalten. „Macht nichts“, sage ich, „wir haben dafür manchmal Mühe, Namen ohne Vokale richtig auszusprechen.“ Er guckt fragend, als ob er nicht die Spur einer Ahnung hätte,
worauf ich anspiele.

Ein Grund zum Wiederkommen oder einfach woanders hinzufahren

Ob „Ng“ eigentlich etwas bedeute und übersetzt werden könne, erkundige ich mich zum Abschied. „Ng?“, fragt er zurück. Wie ich denn darauf käme? „Ng heißt nur Ng, nichts weiter.“ Ach so. Der Mann ist einsilbig. Im wahren Sinne. Und am Ende vielleicht sogar ein bisschen begriffsstutzig. Auf jeden Fall aber werde ich offenbar noch an der Aussprache feilen müssen. Immerhin, ein Grund zum Wiederkommen. Oder vielleicht einer, wieder lieber woanders hinzufahren: in eine Gegend mit mehr Vokalen in den Namen. Mir erleichtert es offenbar das Zurechtfinden. Obwohl ich bereit bin, mir Mühe zu geben.

Kommentare (2)
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FEB
26
Radomir Pusztavic, 15:00 Uhr

Prost!!!

Auch in Ungarn muss man aufpassen mit der richtigen Betonung. Spricht man das ungarische "Prosit" falsch aus, kann das schnell den Tatbestand einer Beleidigung bedeuten... In diesem Sinne "Egészségére!"

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FEB
24
Vitnjeslam Prczimalinsky, 22:52 Uhr

wo ist mein Vokal?

... und nicht zu vergessen der Herr Hrdlicka, der Ferien auf Krk macht!

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