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Rise Against in Stuttgart Ist das noch Punkrock?

Von Franziska Meißner 

Die Chicagoer Punkband Rise Against lässt sich am Montagabend in der Stuttgarter Schleyerhalle feiern. In der ersten Reihe gibt’s Verletzte. Und am Ende wird es politisch.

Rise Against haben am Montagabend in der Stuttgarter Schleyerhalle gespielt. Weitere schöne Bilder von dem Auftritt sowie von der Supportband Refused gibt es in der folgenden Fotostrecke. Foto: Martin Olbrich / buehnengraben.de 14 Bilder
Rise Against haben am Montagabend in der Stuttgarter Schleyerhalle gespielt. Weitere schöne Bilder von dem Auftritt sowie von der Supportband Refused gibt es in der folgenden Fotostrecke.Foto: Martin Olbrich / buehnengraben.de

Stuttgart - Tim McIlrath ist zufrieden. Beschwingt hüpft der Sänger der Band Rise Against am Montagabend über die Bühne der Stuttgarter Schleyerhalle, und wie könnte er auch nicht zufrieden sein: Nach jedem Song ergießt sich frenetischer Jubel aus dem Publikum.

Es mögen die vielen tausend Arme sein, die sich der Band ekstatisch entgegenstrecken. Oder das Meer auf und ab hüpfender Köpfe, über die Scheinwerfer hinwegfahren. Vielleicht sind es auch die Feuerzeuge, später, bei einem Akustik-Song. Oder der Circle Pit, der bei fast jedem Song entsteht. So oder so: Tim McIlrath spürt die Liebe. Das klingt auf Englisch nicht weniger platt als auf Deutsch: „I can feel the love“, erklärt der Sänger aus Chicago den Stuttgartern. Das mag von Herzen kommen, hat aber einen nicht ganz so subtilen pathetischen Unterton. Recht hat er trotzdem.

Die Fans, für eine von nur drei Shows hierzulande aus ganz Süddeutschland nach Stuttgart gekommen, feiern Rise Against. Bei Songs wie „The Good Left Undone“, „Give it All“ oder „Satellite“ feiern sie sogar so heftig, dass die Sanitäter kaum eine Ruhepause bekommen. Eine Zeit lang, in der ersten Hälfte des Konzerts, wird einer nach dem anderen auf der Trage weggebracht. Am Rande des Stehbereichs, abseits der Massen, steht ein junger Mann und drückt ein Tuch fest auf den Hinterkopf.

Ist das noch Punkrock?

Vor dem Konzert, erzählt McIlrath, habe er die Schleyerhalle mit dem Skateboard erkundet. Und sie ist ja, obgleich gut gefüllt, eigentlich viel zu groß. Jedenfalls fragt man sich ab und an, ob Rise Against tatsächlich Punkrock abliefern. Klar, die Musik ist ohne Frage Punkrock. Die Verletzten in der ersten Reihe auch genretypisch. Aber das Intro lässt eher eine perfekt durchchoreografierte Popshow erwarten. Für die Besucher am hinteren Hallenende wird das Konzert zudem auf zwei riesige Bildschirme geworfen. Das ist dann schon weniger Punkrock.

Und dann sind da noch die Sitzplätze. Wer, bitte, sitzt bei einem Punkkonzert? Nun kann die Band zu den örtlichen Gegebenheiten nichts. Die Preise sind dennoch happig: 44 Euro für einen Sitzplatz, 48 für einen Stehplatz. Das Konzerterlebnis auf der Tribüne steht im krassen Gegensatz zu dem der hüpfenden, tanzenden, wild zappelnden Massen im Stehbereich. Wer in seinen Schalensitz gesunken ist, wippt oder klatscht allenfalls mit. Wer aufsteht, weil so ein Konzert im Sitzen sich einfach von Grund auf falsch anfühlt (wir sind ja hier nicht beim Musikantenstadl!), wird vom Ordner zurechtgewiesen: „Nehmen Sie Ihren Platz ein!“ Protest ist da zwecklos.

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