Stuttgart - Die schlechte Nachricht zuerst: obwohl Stefan Raabs Suche nach "unserem Star für Oslo" vielversprechend begonnen hat, darf man nicht vergessen, dass der Eurovision Song Contest seine eigenen Gesetze hat. Das musste 2007 auch der überaus talentierte Roger Cicero erfahren, der in Helsinki auf dem 19. Platz landete. Die gute Nachricht: es hat ihm nicht geschadet, wie mehr als eine Million verkaufter Platten und 3500 Besucher in der Porsche-Arena zeigen.
Also bitte schön: "Meine Damen und Herren, begrüßen Sie Roger Cicero!" - ertönt es nach der in sattes Licht getauchten Ouvertüre der Big Band. Da steht er, oben auf der einen Seite der Showtreppe, die auf der anderen in einem Halbrund zum Laufsteg abfällt. Glänzender Anzug, Lackschuhe an den Füßen und natürlich ein Trilby auf dem Kopf, den Fans als "Roger Cicero Trilby Hut" erstehen können. Und er breitet schon in der ersten Gesangsnummer sein Stimmvermögen aus, das unten samtig, in den höheren Lagen schneidig und auch im Falsett sicher ist.
Aber ach, was ist das? "Wie komm ich raus aus der Boutique ohne Krieg? Wie komm ich raus aus dem Laden ohne Schaden?" Diese Texte, in denen auch das Frauenbild in der Swing-Ära stehengeblieben zu sein scheint, sind ein Problem. Schon für sein gut gemeintes "Frauen regieren die Welt", in Stuttgart die erste Zugabe, wurde Cicero von der "Emma" zum "Pascha des Monats" gekürt. Dabei ist eigentlich der Texter Frank Ramond schuld, der in seinen Alltagsgeschichtchen vermeintlich zeitgemäße Phrasen aneinanderreiht, die im nächsten Moment wieder passé sind. Da zweifelt man schon fast an der Poptauglichkeit der deutschen Sprache, wünscht sich einen Michael Bublé her, an dem man Roger Cicero durchaus messen kann - und dann zeigt er mit "Geboren", einer raffinierten Coverversion der Fantastischen Vier, dass es auch anders gehen könnte.
Cicero wächst als Entertainer fast über sich hinaus
Konzentrieren wir uns also auf die Musik. Der Arrangeur Lutz Krajenski weiß, wie man die dreizehn Mann effektvoll einsetzt. Das Schlagzeugsolo von Matthias Meusel zeigt zwar , dass der sich nicht aus dem stampfenden Funkgerüst befreien kann, aber der neu zur Band gestoßene Percussionist Robbie Smith entlockt seinen Congas kleine Melodien. Und Cicero? Wächst im Laufe des Abends als Entertainer fast über sich hinaus, bittet die per Aufruf gefundene Tamara zum Duett auf die Bühne, macht mit "Du willst es doch auch" das Publikum an und verzaubert mit seiner "Anna" in einer "MTV-unplugged-Version".
Die Dramaturgie ist perfekt, der Druck wird permanent erhöht, bis die Hammondorgel reingerollt und die Porsche-Arena zur Gospelkirche wird - mit "Murphys Gesetz", in dem hier nichts schiefgeht, wenn es heißt: je lauter die Musik, desto unverständlicher der Text. Gott sei Dank!
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