Rosensteintunnel 1000 Einwände gegen umstrittene Röhren

Von Wolfgang Schulz-Braunschmidt 

Die Stadt Stuttgart betont die Vorteile hinsichtlich des Baus des Rosensteintunnels. Doch viele Bürger befürchten mehr Verkehr.

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Sttuttgart - Gegen den Bau des umstrittenen Rosensteintunnels sind in den Sommerferien während der zweiten Auslegung des Bebauungsplans fast 1000 Einwendungen bei der Stadt eingegangen. Gegen den ersten Entwurf, der von der Stadt wegen angeblich zu hoher Prognosen hinsichtlich des Lastwagenverkehrs zurückgezogen worden war, hatte es wie berichtet 660 Einsprüche gegeben.

"Wir haben gut zu tun, denn bis Ende August sind 973 Stellungnahmen zum Rosensteintunnel eingegangen", sagt Heinrich Sonntag, Leiter der Bauabteilung Neckar im Stadtplanungsamt. Die meisten Einsprüche gebe es zu den Themen Verkehr, Luft und Lärm. "Die Absender befürchten mehr Autos und mehr Schadstoffe. Bis Mitte Oktober fassen wir die Einwendungen zusammen und dokumentieren sie in einer Vorlage für den Gemeinderat."

Mehr Verkehr, mehr Lärm, mehr Schadstoffe

Für Annemarie Raab, Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Krailenshalde, belegt die hohe Zahl der Einsprüche den großen Widerstand gegen das umstrittene Tunnelprojekt, dessen Pläne die Stadt klammheimlich in der Urlaubszeit ausgelegt habe. "Die Auslegung in den Sommerferien war eine Zumutung für die Bürger." Für die Initiative aus Zuffenhausen ist auch der neue Bebauungsplan nur "alter Wein in neuen Schläuchen". Ein vierspuriger Tunnel unter dem Rosensteinpark bedeute für viele Bürger, die an der B10/B27 und B14 wohnten, mehr Verkehr, mehr Lärm und mehr Schadstoffe. Der Gemeinderatsvorlage sei zu entnehmen, dass es an vielen Stellen - etwa im Bereich Löwentor - zu höheren Stickstoffdioxidwerten (NO2) komme, obwohl diese dort bereits heute weit über dem Jahresgrenzwert von 40 Mikrogramm je Kubikmeter Luft lägen. "Es ist unverantwortlich, wenn die Stadt eine Stadtautobahn plant, obwohl die Luft heute schon zu dick ist", betont Annemarie Raab.

"Grenzwertüberschreitungen liegen auch nach Realisierung der Planung vor", heißt es denn auch in der aktuellen Gemeinderatsvorlage zum Rosensteintunnel. Zwischen Pragtunnel und dem nördlichen Portal der geplanten Tunnelröhren gebe es auch nach der Fertigstellung des Tunnels sehr hohe NO2-Emissionen.

Mechanische Belüftung der Räume

Nach den Berechnungen der städtischen Gutachter sind die NO2-Jahreswerte an den Wohnhäusern Pragstraße 148, 150, 152 und 156/1 nach dem Tunnelbau mit 95 Mikrogramm sogar noch höher als heute (84 Mikrogramm). "Ohne Schutzmaßnahmen sind...gesunde Wohnverhältnisse nicht gegeben", warnen die Gutachter der Stadt. "Aus diesem Grund ist hier eine mechanische Belüftung der Räume erforderlich." Die von der Stadt für die vier Gebäude zu zahlenden "notwendigen Maßnahmen zum Schutz vor Schadstoffen" beziffert die Vorlage auf 3,9 Millionen Euro. "Parallel wird sich die Stadt bemühen, die Wohngebäude an der Pragstraße im Bereich der Kreuzung Löwentorstraße zu erwerben."

Auch im unteren Teil der nach Eröffnung der beiden Röhren unter dem Rosensteinpark zurückgebauten Pragstraße ist die Luft nach dem Tunnelbau laut Prognose 2015 noch schadstoffträchtiger als erlaubt. Laut Vorlage gibt es dann an der Haldenstraße 54, an der Pragstraße 10, der Seilerstraße 10 und an der Schönestraße 27 zwar geringere Stickoxidemissionen, "die jedoch nicht unter dem Grenzwert liegen".

Noch mehr dicke Luft

Auch an der mitten durch Zuffenhausen führenden B10/27 verursacht der Rosensteintunnel wegen der zusätzlichen rund 28.000 Fahrzeuge am Tag noch mehr dicke Luft. Dabei ist auch in diesen Bereichen der NO2-Jahresgrenzwert bereits heute überschritten. "Die projektbedingten zusätzlichen Luftschadstoffe sind aber mit ein bis zwei Mikrogramm NO2 gering", heißt es in der Vorlage für den Gemeinderat. Dem Problem könne mit Maßnahmen der Luftreinhaltung begegnet werden. Bei der Vorstellung der Pläne im Juli sagte Baubürgermeister Matthias Hahn (SPD) Bezirksbeiräten zu, sich für ein Tempolimit auf der B 10/27 einzusetzen: "Ich habe dort kein Problem mit Tempo 60."

Solche Versprechen lösen aber nach Ansicht von Kritikern nicht das Dilemma der städtischen Tunnelplaner: Darf man in der hochbelasteten Umweltzone Stuttgart 200 Millionen Euro für ein Tunnelprojekt ausgeben, das die Schadstoffwerte stellenweise sogar noch erhöht? Dieser Zielkonflikt ist zwischenzeitlich auch in den städtischen Amtsstuben bemerkt worden. "Der Rosensteintunnel entlastet die Luft massiv in der Fläche", heißt es zwar, die zu hohen Schadstoffwerte stimmen aber auch manchen im Rathaus nachdenklich. Das politisch erwünschte Prinzip, den Verkehr zu bündeln, bedeute aber leider auch einen höheren Schadstoffausstoß an manchen Straßenabschnitten im Stadtgebiet.

Erhöhte Belastung an Tunnelportalen

Für das Stuttgarter Regierungspräsidium dient der Rosensteintunnel mit dem bereits fertigen Pragtunnel "vor allem der Verkehrsverflüssigung auf der B 10/B 27 und der Bündelung des Verkehrs aus den Stadtbezirken Bad Cannstatt, Zuffenhausen und Ost auf dieser Achse". Damit würden die untere Pragstraße, die Neckartalstraße und die Uferstraße entlastet. Allerdings komme es an den Tunnelportalen zu erhöhten Belastungen, die durch Tempolimits und Belüftungseinrichtungen kompensiert werden sollten. "Es ist Aufgabe der Stadt Stuttgart, diese Maßnahmen bis zur Tunneleröffnung umzusetzen, um eine erhebliche Verschlechterung der Schadstoffbelastung entlang der B10/B27 zu vermeiden", sagt Peter Zaar, Sprecher der Aufsichtsbehörde. Das gelte vor allem für den neuralgischen Bereich am Löwentor.

"Diese Planung schafft garantiert neue Kläger", sagt Rechtsanwalt Roland Kugler, der bereits etliche Anwohner am Neckartor in Sachen Feinstaub erfolgreich vor dem Stuttgarter Verwaltungsgericht vertreten hat. Seine Einschätzung: "Ich halte das teure Tunnelprojekt, das die Schadstoffwerte sogar noch erhöht, für rechtswidrig."

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15 KommentareKommentar schreiben

jojo: was sagt unsere verkehrminister herr ramsauer immer, mehr güterverkehr auf die schiene. genau deswegen bauen wir einen tollen bahnhof der nicht geeignet ist für den güterverkehr. Herr Ramssauer freut sich über mehr Mautgebühr !! Cash in de Täsch is the name of the game! (Zitat Grube)

1000 Einwendungen....: So wie ich meine Pappenheimer kenne, haben mindestens 500 'Einwender' gar keine Berechtigung für einen Einwand. Schließlich wurde unter den Parkschützern vereinbart, dass möglichst viele einen Einwand absenden. Da wird sich die Spreu ganz schnell vom Weizen trennen.=========== Besonders belustigend finde ich es, wenn Gegner von 1000 Einwendungen beeindruckt sind, dabei ist das harmlos (und wie gesagt, diese Zahl wird beträchtlich reduziert werden), bei der Rheintalstrecke gibt es 172.000 Eindwendungen (das ist die, von der unser Pannenminister sagt, man solle sie schnell bauen) - das ist ein kleines bißchen mehr....

Autobahnringschluss bauen: Ralph, Sie treffen den Nagel auf den Kopf. Der fehlende Autobahnringschluss im Nordosten ist der eigentliche Grund für dieses Hickhack. Warum sonst fahren so viele LKW mitten durch Stuttgart über die B10/B27? Ich bin absolut für den Bau des Rosensteintunnels, um endlich diesen unsäglichen Dauerstau in Bad Cannstatt um die Wilhelma und am Neckar entlang zu beenden, und den Neckar dort endlich zu renaturieren und Bad Cannstatt für Fußgänger an den Rosensteinpark anzuschließen. Der Autoverkehr gehört nach unten, der Bahnverkehr nach oben. Deshalb plädiere ich ja auch für den Kopfbahnhof und stattdessen lieber für die Tieferlegung der B14 entlang des Schlossgartens, um endlich Stgt.-Ost und dem Stöckach einen Zugang zum Park und zur Innenstadt zu ermöglichen. Die Autoschneisen gehören zurückgebaut oder tiefergelegt, auch in der City (Theodor- Heuss-Str. und B14), der Autofernverkehr und LKW weiträumig um Stuttgart herumgeleitet. Der Rosensteintunnel sollte mit Tempo 50 Bestandteil einer grünen Welle sein, das muss doch irgendwie möglich sein. Ich gebe vielen Vorrednern hier recht: Schikanen für den Autoverkehr sind unsinnig, der Verkehr muss gleichmäßig und flüssig mit mäßigem Tempo fließen, wegen der Abgase und dem Lärm.

Zuviel Autos Tag für Tag: Es fahren schlicht zuviele Autos täglich in die Stadt und täglich wieder raus. Wer davon spricht, dass sich Stuttgart selber abschafft, wenn der Verkehr reguliert werden soll - der hat noch nie von alternativen Mobilitätskonzepten gehört. In kaum einer Stadt ist das Auto so heilig wie in Stuttgart. Es leben aber Menschen hier! Die gehen hier zu Fuß oder sind mit dem Rad unterwegs. Es leben Kinder hier. Die brauchen Raum und gute Luft. Es geht hier nicht nur darum, dass Pendler und Shopper möglichst schnell raus uns rein kommen aus der Stadt. Jeder Wette, dass ein Großteil der Autofahrer auch mit Öffentlichen fahren könnte.

@wilfried: volle Zustimmung. In vielen Städten (auch S) ist zu beobachten, dass wegen überfüllter Durchgangsstraßen Tunnel, Brücken oder Umgehungen gebaut werden. Diese werden aber nicht selten mit Ampeln ausgestattet, so dass auf den Millionenteuren Straßen dann oft WIEDER Stop- und Go-herrscht (Beispiel: Fahrlachtunnel / Südumgehung in Mannheim). Und da das nicht reicht müssen dann natürlich ('Jetzt brauch mers ja net mehr...!') auf den alten Strecken ein paar Bremsschikanen, Blumenkübel, noch ein paar Ampeln, Zebrastreifen, Verengungen und sonstige verkehrsplanerische Fürze her, damit dort ja auch oft gebremst und wieder beschleunigt wird. SO stoßen die PKWs Schadstoffe aus, lärmen und behindern!

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