Rouven Sattelmaier von den Kickers Vom Reservisten zum Stammspieler

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Rouven Sattelmaier, vom Reservisten zum Stammspieler befördert, ist einer der neuen Wortführer im Team der Stuttgarter Kickers. Der Fußball-Drittligist empfängt an diesem Mittwoch (19 Uhr) den SV Wehen-Wiesbaden.

Rouven Sattelmaier kam vor der  Saison  vom Zweitligisten 1. FC Heidenheim zu den Kickers.  Foto: Baumann
Rouven Sattelmaier kam vor der Saison vom Zweitligisten 1. FC Heidenheim zu den Kickers. Foto: Baumann

Stuttgart - Sein Torhüterleben könnte ja ein sehr vergnügtes sein. „Mit Rouven besitzen wir nach einer langen Problemzeit endlich konstante Qualität auf der Torwartposition“, lobte ihn neulich der Kickers-Trainer Tomislav Stipic. Zudem ist der gebürtige Ludwigsburger Rouven Sattelmaier nach seinen Stationen Jahn Regensburg, dem Versuch, beim FC Bayern München mit Hilfe des „Tigers“ Hermann Gerland als Erstligakeeper Fuß zu fassen, sowie seiner Zeit beim Zweitligisten 1. FC Heidenheim wieder in der Heimat angekommen, wo er sich im Kreise von Freunden und Verwandten pudelwohl fühlt. Und auch privates Glück durfte Sattelmaier unlängst kundtun: Im Januar kam sein erstes Kind, die Tochter Fiona, zur Welt. „Wenn du als Stammtorhüter die Rückendeckung des Trainers hast, fühlst du dich sowieso gleich um drei Zentimeter größer“, erklärt der 28-jährige Fußballer sein neues Hochgefühl.

Vor dem Heimspiel mit seinen Stuttgarter Kickers an diesem Mittwochabend (19 Uhr) in der dritten Liga gegen den SV Wehen-Wiesbaden könnte also eigentlich alles passen – denn auch Sattelmaiers sportliche Leistungen stimmen. Wenn da nicht der lästige Blick auf die Tabelle wäre. Weil das Sonntagsgastspiel beim 1. FC Magdeburg mit 1:2 verloren ging, kleben die mit Aufstiegshoffnungen in die Saison gestarteten Kickers als Vorletzter weiter auf einem Abstiegsplatz. „Wir sind als Team bisher ganz gravierend unter unseren Möglichkeiten geblieben“, resümiert Sattelmaier, der als Torwart kein kurzärmeliger Showflieger, sondern eher ein Vertreter der klassischen Schule ist.

Der ständige Wandel in der Torhüterhierarchie ist zu Ende

„Wir hatten zunächst selten die Gelegenheit, uns einzuspielen“, nennt der Torwart einen Grund für die Talfahrt, denn unter dem Ex-Trainer Horst Steffen ist viel rotiert worden. Hinzu kamen viele Gelbsperren und eine beängstigende Verletzungsserie (derzeit fallen in Petar Sliskovic und Manuel Fischer zwei Mittelstürmertypen aus). So liefen die Kickers in der Hinrunde lediglich am ersten und zweiten Spieltag mit derselben Startformation auf. „Mal saß der eine Stammspieler auf der Bank, dann ein anderer – so bekommst du kein Selbstvertrauen“, sagt Sattelmaier.

Allein ein Blick auf die Torhüterhierarchie der vergangenen Monate verdeutlicht die Turbulenzen im Club. So wurde Korbinian Müller, die Stammkraft der mit Platz vier äußerst erfolgreichen Vorsaison, im Sommer zur Nummer drei degradiert. Erster Mann wurde der junge Carl Klaus, ein mitspielender, aber in der Strafraumbeherrschung wenig robuster Torhüter, der auch nach zwei Zwangspausen aufgrund von Roten Karten an den Spieltagen drei und fünf von Horst Steffen stets wieder gebracht wurde. „Ich habe in dieser Zeit als Ersatz gut ­gespielt und mich schon gewundert, dass ich dann wieder draußen war“, sagt Rouven Sattelmaier.

Profitiert hat der 1,87-Meter-Mann letztlich vom Trainerwechsel, als ihn Tomislav Stipic nach einer Testphase zur klaren Nummer eins machte. Korbinian Müller ist nun sein Stellvertreter, während der junge Klaus als Nummer drei aktuell das Nachsehen hat. So schnell können sich die Dinge bei Torhütern also ändern. „Auf dieser Position brauchst du schon ein besonders dickes Fell“, sagt Sattelmaier, dessen Stellenwert in der Mannschaft als Nummer eins deutlich gestiegen ist. „Ich bin jetzt einer, der den Mund aufmacht“, sagt der Torwart.

Die Kampf- und Laufbereitschaft ist gestiegen

Denn zu Verletzungen, Gelbsperren und Dauerrotation gesellten sich bei den Kickers auch hartnäckige Mentalitätsprobleme. Lange Zeit verharmlosten die Spieler den Umstand, dass sie zwar häufig 70 Prozent Ballbesitz hatten, aber die Partien regelmäßig verloren gingen. Erst als die Serie von letztlich 15 Spielen ohne Sieg nicht aufhören wollte zu reißen, öffnete das beim Abstiegskandidaten die Augen. „Wir hatten auch keinen, der mal dazwischenhaut“, erklärt Sattelmaier, der nebenbei ein Fernstudium in Betriebswirtschaft und Englisch absolviert. Denn das sei weder die Sache des Ex-Trainers Steffen noch des Managers Michael Zeyer oder des Ex-Kapitäns Enzo Marchese gewesen. „Vielleicht hätte mal ein Impuls von ganz oben kommen müssen.“

Nun wollen die Kickers an den restlichen elf Spieltagen den Super-GAU verhindern, dem ein Abstieg in die ­Regionalliga für die meisten Spieler gleichkäme. Auch Sattelmaier besitzt nur einen Vertrag für die dritte Liga. „Wir werden also alles geben“, sagt der Goalie. Bei seinen Kollegen hat er zuletzt eine ganz andere Einstellung ausgemacht. „Die Kampf- und Laufbereitschaft ist viel höher als noch zu Saisonbeginn“, sagt der Torwart, der weiß, dass auch gegen Wehen mit Schönspielerei nichts zu holen ist. Doch Punkte müssen gegen die Hessen dringend her, geht es doch am Sonntag zum Spitzenreiter Dynamo Dresden. „Lange war das Klima in der Mannschaft vielleicht sogar zu gut, waren wir zu nett“, sagt Rouven Sattelmaier, „jetzt wird auch mal dazwischengefunkt.“