RTL-Serie "Dating im Dunkeln"
Fummeln im Darkroom
Antje Hildebrandt,
21.11.2010 13:11 Uhr
Nur der Zuschauer sieht beim "Dating im Dunkeln", was wirklich Sache ist. Foto: RTL
""Ich merke schon, du begrapscht mich!""
Rebekka wehrt sich gegen Max
Stattdessen erlebt man, wie sich Nancy aus Hamburg, Dreikäsehoch, zierlich, blondes, engelhaftes Haar, auf die Fußspitzen stellt, um Maik aus Berlin, zwei Meter lang, glattrasiertes Kinn, Sixpack, beherzt in den Ausschnitt seines T-Shirts zu greifen. Es ist eine reine Vorsichtsmaßnahme. Nancy sucht nämlich einen Mann mit Sinn für Romantik, keinen Gorilla. Unkontrollierter Wildwuchs auf der Brust wäre ein K.O.-Kriterium.
Ran an den Speck
Man sieht also: es ist ein mutiges, wenn nicht gar visionäres Experiment, auf das sich Kuppelmutti RTL da eingelassen hat. In Zeiten, da der Mann oder die Frau fürs Leben bevorzugt online gecastet wird, geht der Sender dahin, wo ein Griff ins Dekolleté mehr über den potenziellen Traumpartner verrät als das aussagekräftigste Bewerbungsfoto: ran an den Speck. Denn worauf kommt es in der Liebe an? Charakter? Innere Werte? Dieselben Interessen? Oder sind es eben doch sekundäre Geschlechtsmerkmale wie weibliche Kurven oder männliche Kanten? Können fünfzehn Sekunden im Scheinwerferlicht zerstören, was drei Tage Blinde-Kuh-Spielen in der RTL-Dunkelkammer aufgebaut haben?
Nancy, Rebekka, Svenja, Maik, Max und Toni wollten es wissen. Für vier Tage ziehen die Männer in die eine und die Frauen in die andere Hälfte einer Bonner Villa. Regelmäßig begegnen sie sich in einem Raum, in dem es so finster ist, dass man seinem Gegenüber den Bissen auf der Gabel beim romantischen Dinner for two schon mal aus Versehen ins Nasenloch schieben kann. Im Gegensatz zu den Darstellern entgeht dem Zuschauer kein noch so pikantes Detail. Infrarotkameras gewähren Einblicke in die Dunkelkammer. In ihrem Licht erscheinen die balzenden Kandidaten wie blinde Labormäuse.
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