Stuttgart - Feste feiern können sie, feste spielen aber auch - das haben die Künstler des Stuttgarter Schauspiels auch in der abgelaufenen Saison wieder bewiesen. Zu solchen Spielfesten hatte die Truppe freilich öfters Gelegenheit als sonst, schließlich musste sie zwei Abschiede über die Bühne bringen.
Auf den endgültigen Abschied vom Theater im Depot, das vom Osten in den Norden zieht, folgte der vorübergehende Abschied vom Schauspielhaus, das renovierungshalber ein Jahr schließt und in der Zwischenzeit auf den neuen Spielort in der Türlenstraße ausweicht - und zu beiden Festen strömten massenhaft Gäste herbei, um Tschüss zu sagen zu ihren Theatern. Neben Wein und Bier floss da auch eine Menge Herzblut, was man als Zeichen der Verbundenheit werten darf: Das Publikum hat das Gefühl, vom Intendanten Hasko Weber gut mit Kunst bedient und herausgefordert zu werden. Das Gefühl täuscht nicht. Auch in der Saison 09/10 hat Weber mit seinem Programm überzeugt.
Gegen Ende, zugegeben, schwächelten die Inszenierungen: in "Volpone" stieß Harald Schmidt in der Titelrolle des betrogenen Betrügers an seine Grenzen und demonstrierte, dass er zwar das berühmteste, aber nicht das beste Mitglied im Ensemble ist. Und die "Nibelungen" stöhnten und ächzten unter dem Stilkorsett, in das man sie gezwängt hatte. Sie wurden in die Slapstickklamotte gejagt, im Philosophenkabarett durchgeknetet und in der Tragödie stillgelegt - eine dreistufige Untersuchung, die das Wesen des Mythos nicht erhellte, aber doch die Mienen der Zuschauer verdunkelte. Mit den "Nibelungen" ließ eine Saison, die stark angefangen hatte, auch sehr stark nach.
Volker Lösch hat Akzente gesetzt
Der starke Anfang aber, das war Volker Löschs "Nachtasyl Stuttgart". Pünktlich zur Bundestagswahl stellte er ein Plakat ins Theater, das Merkel zeigte, drei Meter hoch war und von den Spielern unablässig erklommen werden musste.