Runder Geburtstag auf dem Fasanenhof Nach dem Zauberteescheint die Sonne

Von Stefanie Käfferlein 

Vor 20 Jahren ist im Gewerbegebiet Fasanenhof der Wichtelpark eröffnet worden. Bis heute hat sich die Einrichtung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf verschrieben. Der runde Geburtstag wird am Samstag mit einem Tag der offenen Tür gefeiert.

Dagmar Ben Yagoub (hinten) leitet den Wichtelpark vom ersten Tag an Foto: Käfferlein
Dagmar Ben Yagoub (hinten) leitet den Wichtelpark vom ersten Tag an Foto: Käfferlein

Fasanenhof - Dagmar Ben Yagoub hatte es im Gefühl, dass die Kindertagesstätte Wichtelpark unter einem guten Stern stehen würde. „Beim Richtfest hat ein Zimmermann mit dunkler Hautfarbe und Rastalocken den Richtspruch gehalten“, erinnert sich die Leiterin der Einrichtung am Zettachring. Sie ergänzt: „Ich habe schon immer ein Herz für ausländische Mitmenschen gehabt.“

20 Jahre liegt die Eröffnung des Wichtelparks mittlerweile zurück. Den runden Geburtstag begehen die Erzieher, Praktikanten, der Vorstand, Eltern, Kinder und Gäste am Samstag mit einem Tag der offenen Tür. Auf die kleinen Besucher warten verschiedene Angebote zum Spielen, die Erwachsenen haben die Möglichkeit, ins Gespräch zu kommen. „Und wir werden Stellwände mit Bildern aus den vergangenen 20 Jahre aufstellen“, sagt Dagmar Ben Yagoub. Die Erzieherin ist, seitdem die Einrichtung 1993 in Betrieb genommen wurde, die Leiterin des Wichtelparks. Als Dagmar Ben Yagoub den Neuanfang im Gewerbegebiet auf dem Fasanenhof wagte, war sie 42 Jahre alt und Leiterin eines evangelischen Kindergartens in Plochingen. In diesem Jahr wird die nun 62-Jährige in den Ruhestand gehen. Ihre Nachfolgerin wird ihre Stellvertreterin Ellen Baumstark.

„Schon lange wollte ich ein Angebot für berufstätige Eltern schaffen“, erzählt Ben Yagoub. In Plochingen hatte sie einmal einen Vorstoß für eine flexible Kinderbetreuung gestartet – ohne Erfolg. Wie es der Zufall wollte, stolperte sie jedoch eines Samstags in der Zeitung über eine Stellenanzeige des Wichtelpark-Vereins. „Gesucht wurde eine Leiterin für eine neue Kindertagesstätte“, sagt Ben Yagoub. Eine Kindertagesstätte so, wie die Erzieherin es sich immer wieder ausgemalt hatte.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf

„Mein Sohn überredete mich, noch am gleichen Tag bei der angegebenen Telefonnummer anzurufen“, erzählt die Wichtelpark-Leiterin. Am anderen Ende der Leitung war Delia Lorenz, die Initiatorin des Wichtelparks. Gemeinsam mit Sabine Seger trieb sie 1990 das Projekt voran, das vor allem Frauen die Möglichkeit bieten sollte, Beruf und Familie besser zu vereinbaren. Beide Frauen waren zu jener Zeit schwanger und arbeiteten im Businesspark auf dem Fasanenhof. Modellhaften Charakter hatte auch die Finanzierung der rund zwei Millionen Mark teuren öffentlichen und betriebsnahen Kindertagesstätte: Die Stadt Stuttgart beteiligte sich mit einer Million Mark, das Land steuerte 250 000 Mark bei und der Businesspark hat für ein Darlehen in Höhe von 550 000 Mark gebürgt. Der Rest waren Spenden.

„Ich bin den beiden Frauen heute noch dankbar für ihren Mut und für das, was sie geschaffen haben“, sagt Dagmar Ben Yagoub und ergänzt: „Mir wurde das möglich gemacht, wovon jeder Erzieher eigentlich nur träumen kann.“ Sie habe ihre eigenen Vorstellungen einbringen können, das Konzept von Anfang an erarbeiten, Kolleginnen und Kollegen mitauswählen und der Kindertagesstätte so Leben einhauchen dürfen. „Ich bin mit allen meinen Ideen immer auf offene Ohren gestoßen“, sagt Ben Yagoub.

Als der Wichtelpark 1993 startete, waren es 16 Familien, die mit der Erzieherin, ihren Kolleginnen und dem Verein das Experiment wagten. „Wir haben bewusst klein angefangen“, sagt Ben Yagoub. Sie ergänzt: „Heute haben wir 45 Kinder im Alter von eins bis sechs Jahren.“ Sie spielen, toben, basteln und musizieren in drei Gruppen, die Rennraupen, Springmäuse und Flitzbiber heißen.

Fußball war einer der Höhepunkte

Die Kita ist unter der Woche von 7.45 Uhr bis 17.30 Uhr geöffnet. „Die Eltern können ihre Kinder so bringen und holen, wie es für sie am geschicktesten ist“, sagt Dagmar Ben Yagoub. Lediglich für die Planung müssten sie wissen, welches Kind zum Essen da ist.

Höhepunkte der vergangenen Jahre? „Da gibt es so viele“, sagt Ben Yagoub. Da wäre der Eltern-Verwöhntag, bei dem die Väter und Mütter massiert wurden, Wellness-Getränke bekamen und Duftsäckchen gebastelt wurden, der Großelterntag oder das große Fußballfest 2008. „Die Idee dazu hatten die Kinder“, erzählt Dagmar Ben Yagoub. Trikots wurden organisiert, Wochen vorher wurde trainiert, Väter und Mütter mimten die Sanitäter, spielten selbst mit oder kümmerten sich um die Stadionwürste. „Das war ein Riesenevent“, berichtet Ben Yagoub und ihre Augen strahlen.

„Kinder geben unheimlich viel Liebe“, sagt sie und erzählt von einem Erlebnis vor wenigen Wochen. „Es war ein grauer und ekliger Tag“, sagt sie. In der Puppenecke habe sie von den Kindern mehrere Tassen Cappuccino serviert bekommen. „Nach der fünften Tasse habe ich bei Raphael einen Tee bestellt“, sagt Ben Yagoub. Sie sollte sich etwas wünschen, so der Fünfjährige, weil der Tee ein Zaubertee sei. Daraufhin habe sie sich gewünscht, dass die Sonne scheine. Als sie feststellte, dass sich die Sonne leider immer noch nicht blicken lasse, habe Raphael erwidert: „Doch, ich sehe es in deinen Augen.“

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