S-21-Bauzaun
Das Fax kommt in letzter Sekunde
Thea Bracht, Fotos: Heinz Heiss,
02.12.2010 19:03 Uhr
Der Bauzaun, ein Gesamtkunstwerk – zehn Museumsmitarbeiter packen beim Abbau mit an. Foto: Heiss
Stuttgart - Die Rettung kam spät. Noch während der Pressekonferenz im Haus der Geschichte wartete Paula Lutum-Lenger auf die letzte offizielle Genehmigung. Der Erhalt des Bauzauns sei in jeder Hinsicht eine Herausforderung, meinte die Ausstellungsleiterin. Monatelang hatte sie auf diesen Tag hingearbeitet und mit Dutzenden Entscheidungsträgern gesprochen. Erst gegen 11.15 Uhr traf am Donnerstag das entscheidende Fax der DB Sicherheit ein – zehn Museumsmitarbeiter und die zuständige Sicherheitsfirma durften mit der Bergung beginnen. Auf einer Länge von 125 Metern werden die Komponenten abgebaut und in ein Depot gebracht. Am Freitagabend soll vor dem abgerissenen Nordflügel ein neuer, baugleicher Zaun stehen.
Bis das Großexponat im Haus der Geschichte ausgestellt wird, werden noch Monate vergehen. Die etwa 3500 Einzelobjekte, die zum Teil schon schimmeln, müssen getrocknet, konserviert und erfasst werden. Der Museumsleiter Thomas Schnabel hofft, den Zaun spätestens Ende nächsten Jahres präsentieren zu können. Allein für den Kauf des neuen Zauns, für Abbau und Transport muss das Museum rund 30.000 Euro bezahlen. Wie teuer das Projekt insgesamt wird, hängt vom Konservierungsaufwand ab. "Die Kosten werden sich aber nicht in der Dimension von Stuttgart 21 bewegen", sagte Schnabel schmunzelnd. Er ist erleichtert, dieses wertvolle Dokument der Zeitgeschichte ins Trockene bringen zu können.
Über die Bedeutung des Zauns sind sich Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 ausnahmsweise einig. Im Detail jedoch streiten sie weiter. "Wir betrachten den Zaun als Kunstwerk. Er ist Sinnbild für die gesamte Bandbreite des Protests", sagte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Ihr ist wichtig, dass das Werk jetzt nicht für ein Jahr komplett verschwindet, sondern im Stadtbild sichtbar bleibt. "Und sei es als riesige Fotografie."
Der Sprecher des Bahnprojekts Udo Andriof will dagegen weder von Mahnmal noch Symbol reden. Er sieht den Erhalt vor allem als einen "Beitrag für ein gutes Miteinander". Das Interesse daran sei in jedem Fall groß, auch international. Manche Medien hätten Stuttgart gar als Weltstadt des Protests bezeichnet. Andriof betonte, dass auch Befürworter Exponate an dem Zaun angebracht hätten und diese ebenfalls gut gesichert werden müssten. Die Deutungshoheit wollte sich Dahlbender dann doch nicht nehmen lassen: "Dieser Bauzaun ist Ausdruck des Protests der Gegner", stellte sie klar. Möglicherweise finden Schnabel und Lutum-Lenger bei der Konzeption der Ausstellung einen Kompromiss: Sie wollen Fotos und Videos zusammentragen, um die Veränderungen am Bauzaun zwischen August und November darzustellen.
Um ihre Werke für die Nachwelt zu sichern, pilgerten auch gestern noch Menschen zum Bauzaun. Bei heftigem Schneefall brachten sie weitere Exponate an. "Meine Sachen wurden geklaut, deshalb möchte ich sie erneuern", sagte ein 69-jähriger Gegner. Sein Plakat sei schließlich weltweit in den Medien gezeigt worden – das dürfe auf keinen Fall verloren gehen.
Bis das Großexponat im Haus der Geschichte ausgestellt wird, werden noch Monate vergehen. Die etwa 3500 Einzelobjekte, die zum Teil schon schimmeln, müssen getrocknet, konserviert und erfasst werden. Der Museumsleiter Thomas Schnabel hofft, den Zaun spätestens Ende nächsten Jahres präsentieren zu können. Allein für den Kauf des neuen Zauns, für Abbau und Transport muss das Museum rund 30.000 Euro bezahlen. Wie teuer das Projekt insgesamt wird, hängt vom Konservierungsaufwand ab. "Die Kosten werden sich aber nicht in der Dimension von Stuttgart 21 bewegen", sagte Schnabel schmunzelnd. Er ist erleichtert, dieses wertvolle Dokument der Zeitgeschichte ins Trockene bringen zu können.
Über die Bedeutung des Zauns sind sich Befürworter und Gegner von Stuttgart 21 ausnahmsweise einig. Im Detail jedoch streiten sie weiter. "Wir betrachten den Zaun als Kunstwerk. Er ist Sinnbild für die gesamte Bandbreite des Protests", sagte die BUND-Landesvorsitzende Brigitte Dahlbender. Ihr ist wichtig, dass das Werk jetzt nicht für ein Jahr komplett verschwindet, sondern im Stadtbild sichtbar bleibt. "Und sei es als riesige Fotografie."
Der Sprecher des Bahnprojekts Udo Andriof will dagegen weder von Mahnmal noch Symbol reden. Er sieht den Erhalt vor allem als einen "Beitrag für ein gutes Miteinander". Das Interesse daran sei in jedem Fall groß, auch international. Manche Medien hätten Stuttgart gar als Weltstadt des Protests bezeichnet. Andriof betonte, dass auch Befürworter Exponate an dem Zaun angebracht hätten und diese ebenfalls gut gesichert werden müssten. Die Deutungshoheit wollte sich Dahlbender dann doch nicht nehmen lassen: "Dieser Bauzaun ist Ausdruck des Protests der Gegner", stellte sie klar. Möglicherweise finden Schnabel und Lutum-Lenger bei der Konzeption der Ausstellung einen Kompromiss: Sie wollen Fotos und Videos zusammentragen, um die Veränderungen am Bauzaun zwischen August und November darzustellen.
Um ihre Werke für die Nachwelt zu sichern, pilgerten auch gestern noch Menschen zum Bauzaun. Bei heftigem Schneefall brachten sie weitere Exponate an. "Meine Sachen wurden geklaut, deshalb möchte ich sie erneuern", sagte ein 69-jähriger Gegner. Sein Plakat sei schließlich weltweit in den Medien gezeigt worden – das dürfe auf keinen Fall verloren gehen.
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Liebe Ausstellungsmacher
Nutz auch das Internet! Ein virtueller Bauzaun im Netz wäre toll. Und im Internet gibt es auch viele Videos: Diskussionen am Zaun, Kunstführungen, Beschädigungen durch Pfarrer Bräuchle, daraus lässt sich doch sicher was informatives gestalten!
"Meine Sachen wurden geklaut."
Ich weiss nicht, ob ich lachen oder den Kopf schütteln soll. Das bestätigt, dass es manchen tatsächlich in nicht unwesentlicher Form um Aufmerksamkeit und Medienrummel geht. Es gibt wichtigere Dinge, die man für die Nachwelt erhalten sollte, als verschimmelte Plakate.
Nur ein Bauzaun...
... als Exponat fürein Museum für deutsche Geschichte. Viel wichtiger noch wäre doch das der andere Zaun fim Schloßgarten vor der Expressguthalle, der zukünftige Parkplatz vom Renz'schen Biergarten unter Denkmalschutz gesetzt wird. Immerhin wurde dieser Zaun in einer einmaligen gemeinsamen Aktion von S21-Pro's, S21-Contra's, K21'lern und sonstigen Teilnehmern des inzwischen 1-jährigen aktiven Widerstandes, pünktlich zum 03 Oktober dem 20 Jubiläum des Tags der deutschen Einheit errichtet, es war ein Sonntag. Der Erinnerungswert dieses Zaunes ist so nicht hoch genug einzuschätzen, vielleicht wäre sogar Unesco Weltkulturerbe - Status hierfür denkbar.