InterviewS-21-Vereinsvorsitzender Georg Brunnhuber „Das Mekka der Architekturinteressierten“

Georg Brunnhuber, Vorsitzender des S-21-Vereins, spricht über den Auszug der Ausstellung aus dem Bahnhofsgebäude, das Besucherinteresse an den Baustellen und die Sparzwänge, denen der Verein unterworfen ist.

Georg Brunnhubers Vertrag läuft noch bis ins Jahr 2020. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski
Georg Brunnhubers Vertrag läuft noch bis ins Jahr 2020. Foto: Lichtgut/Leif Piechowski

Stuttgart -

Bei der Werbung für Stuttgart 21 und die Neubaustrecke fehlt dem dafür zuständigen Verein bis 2021 jedes Jahr eine Million Euro. Vereinsvorsitzender Georg Brunnhuber erklärt, wie er trotzdem für das Projekt trommeln möchte und was der Auszug aus dem Bonatzbau für die Vereinsarbeit bedeutet.

Herr Brunnhuber, das Land und die Bahn haben den Mitgliedsbeitrag reduziert. Sind Sie nun statt Vereinsvorsitzender nur Mangelverwalter?
Ganz so ist es nicht. Aber es ist eine Herausforderung, mit erheblich geringeren Mitteln eine hohe Informationsleistung zu bieten. Wir haben mit allen Beteiligten im Verein, der Stadt, dem Land und der DB-Projektgesellschaft Stuttgart–Ulm eine Lösung gefunden. Dadurch können wir bis 2021 jährlich über eine Summe von rund drei Millionen Euro verfügen. Das ist knapp eine Million Euro pro Jahr weniger als zuletzt.
Wo müssen Sie konkret Ihr Angebot einschränken?
Wir haben das geplante Info-Center bei Wendlingen ganz gestrichen. Wir kompensieren das mit einem Informationsangebot im Rathaus und kostenlosen Baustellenbesuchen vor Ort. Dadurch sparen wir Investitionen von 300 000 Euro und laufende Kosten von 100 000 Euro pro Jahr ein. Zudem haben wir unser Info-Mobil verkauft, dessen Betrieb uns im Jahr 150 000 Euro gekostet hat. Darüber hinaus suchen wir nach Einnahmemöglichkeiten. Unter anderem können nun Anzeigen im Projektmagazin veröffentlicht werden, und wir haben einen Bildband über die Arbeiten am Projekt im Zeitraum von 2012 bis 2017 herausgegeben, den wir im Turmforum verkaufen. Und wir sind wegen des Verkaufs mit örtlichen Buchhändlern im Gespräch. Außerdem denken wir darüber nach, Steine vom Tunnelausbruch mit entsprechender Beschriftung zum Kauf anzubieten.
Helfen all diese Maßnahmen auch dabei, weitere Rechenspiele bei den Vereinsmitgliedern in Zukunft zu vermeiden?
Da ist nichts Entsprechendes zu erkennen. Wir müssen ja auch weiterhin in der Lage sein, unserem satzungsgemäßen Auftrag nachzukommen: über das Projekt zu informieren. So organisieren wir beispielsweise am 6. Oktober die große Feier zum symbolischen Andrehen der beiden Tunnelbohrmaschinen des Albvorlandtunnels zwischen Kirchheim und Wendlingen. Zudem organisieren wir am darauffolgenden Tag den Tag der offenen Baustelle für die Bürgerinnen und Bürger. Da gehen wir von um die 10 000 Besuchern aus.
Und die zuletzt forcierte Kommunikation zu den Vereinsaktivitäten via Facebook ist dann auch nicht die Billigvariante des Projektmarketings?
Das ist natürlich auch eine Überlegung gewesen, wie wir trotz aller Sparbemühungen noch präsent bleiben können. Facebook ist ein Medium, mit dem man heute alle Altersschichten erreicht und das dennoch seinen Schwerpunkt in der jüngeren Generation hat. Dort lassen sich auch die Vielzahl der Bilder und Videos vom Baugeschehen schnell publizieren. In den ersten zwei Wochen, in denen die Facebook-Seite online war, haben wir 50 000 Nutzer gewonnen. Wir wollen zwei bis drei neue Videos pro Woche veröffentlichen.