S 60 Bahn gerät in Erklärungsnöte
Markus Klohr, 19.05.2010 14:43 Uhr
 Foto: Factum-Weise
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Böblingen - Wir könnten bauen, aber wir dürfen es nicht." Mit diesem markigen Satz hatte Werner Klingberg, Konzernbevollmächtigter der Bahn in der Region Stuttgart, versucht, die Gemüter im Verkehrsausschuss der Region zu beruhigen. Die erneute Verzögerung des S-Bahn-Ringschlusses von Böblingen nach Renningen um ein Jahr und der auf Dezember 2011 verschobene Start sei zutiefst ärgerlich. Das Problem sei aber ein Antrag auf Fördermittel, der noch immer beim Eisenbahnbundesamt (EBA) in Bonn liege. "Wegen eines Bearbeiterwechsels und der hohen Arbeitsbelastung" habe die Behörde den Antrag noch nicht bearbeitet, heißt es in der Sitzungsvorlage.

In der Lesart der Bundesbehörde klingt der Sachverhalt allerdings völlig anders. Weder personelle Schwierigkeiten noch eine indirekt unterstellte Hinhaltetaktik sei für die Verzögerung verantwortlich–sondern die Bahn selbst. Die für die Förderung nötigen, detaillierten Pläne für die Kreuzung der S-Bahn mit zwei Straßen seien erst im November 2009 in Bonn eingetroffen. "Es gab offenbar Abstimmungsprobleme zwischen den Bauträgern und der Bahn", sagt Ralph Fischer, Sprecher des Bundesamts. Damit widerspricht das Amt einer Aussage aus der Sitzungsvorlage des Verkehrsausschusses. "Die Antragstellung ist bereits am 29.Oktober 2008 erfolgt", heißt es dort. Weil man Januar 2010 kein schriftlicher Bescheid, der die Fördermittel des Bundes garantiert, vorlag, müsse man das Projekt erneut verschieben, hatten Bahn und Verband Region Stuttgart den frustrierten Regionalräten mitgeteilt. Aus Sicht der Behörde sei die Planung alles andere als reibungslos verlaufen, sagt der EBA-Sprecher Ralph Fischer. Ständig habe die Behörde bei der Bahn nachfragen müssen, weil Details zu Signalanlagen, Oberleitungen oder den Gleisanlagen nicht gestimmt hätten. "Immer wieder sind neue Schwierigkeiten ans Tageslicht getreten." Auch diese Klärungen hätten "zu deutlichen Verzögerungen geführt". Erst wenn die vollständigen Pläne vorlägen, könne die Prüfung abgeschlossen und ein Förderbescheid freigegeben werden. Bei einem derart komplexen, rund 150Millionen Euro teuren Projekt könne niemand erwarten, dass das Bundesamt binnen weniger Wochen alle Unterlagen durchgeackert habe.

Beim Verband Region Stuttgart ist man sich keiner Schuld bewusst. Bereits im Oktober 2008 habe die Region "unseren Teil der Unterlagen bei der Bahn abgeliefert", sagt die Pressesprecherin Dorothee Lang. Dass es anschließend Nachbesprechungen gegeben habe, sei bei einem so großen Projekt normal. Allerdings seien die letzten Details dann im Sommer 2009 bei der Bahn eingegangen. Die Pläne für die Bahnübergänge "sind nicht unser Thema", sagt Lang. Verantwortlich dafür sei allein die Bahn.Dort kann man sich die Kritik von der Bonner Behörde nicht erklären. Es sei zwar richtig, dass die Pläne für die Bahnübergänge erst später nachgereicht worden seien, sagt ein Bahnsprecher. "Dabei geht es aber nur um bautechnische Fragen", diese hätten "mit den Fragen der Finanzierung nichts zu tun". Warum die Bundesbehörde diese beiden Fragen aneinander kopple, sei ihm schleierhaft. Beim EBA sieht man auch diesen Punkt völlig anders. "Es besteht sehr wohl ein Zusammenhang", sagt der Sprecher Ralph Fischer. "Wie soll man eine Finanzierungsvereinbarung treffen, wenn man nicht weiß, was man bauen will?" Die Behauptung, beides sei voneinander zu trennen, sei "verfahrenstechnisch schlichtweg falsch".
Kommentare (21)
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MAI
20
Chris, 12:12 Uhr

Verzögerungen = teuerer

Ha, "Bei einem derart komplexen, rund 150Millionen Euro teuren Projekt.." hat die Bahn schon derartige Probleme mit der Planung, dass ich mich Frage wie das mit Stuttgart 21 wird. Wenn die nichtmal planmäßig einen "oberirdischen Ringschluss" hinbekommen, dann wird die Untertunnelung bei S21 ja ein heiden Spass werden. Fein! Nur weiter so liebe Bahn. Und daran denken: Verzögerungen führen auch immer zu höhren Kosten. Wann steht denn die nächste Preiserhöhung im Nahverkehr an?

MAI
20
Fehlplaner, 00:42 Uhr

Inshallah

Erinnert sich noch jemand an den nördlichen Ringschluss der S4 Marbach-Backnang (Ausbau einer bestehenden Strecke)? Baubeginn war 2005 (!) und die buddeln noch immer an der knapp 14 km langen Strecke. 2011/2012 soll dann der Betrieb aufgenommen werden… so Gott will!

MAI
19
C. Wenzel, 19:48 Uhr

Bahn? ha ha ha

@ Reigschmeckter, klasse recherchiert. Vielen Dank. Geben Sie bitte Herrn Nauke Nachhilfe!

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