S-Klasse-Club Württemberg Das beste Auto der Welt

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Für sie muss es eine S-Klasse von Mercedes sein: Im S-Klasse-Club Württemberg sammeln sich die Fans der Luxuslimousinen.

„Ich habe mit diesem Mercedes nur Gutes erlebt“: Leonhard Eser  in seinem 280 SE. Foto: Heinz Heiss 37 Bilder
„Ich habe mit diesem Mercedes nur Gutes erlebt“: Leonhard Eser in seinem 280 SE.Foto: Heinz Heiss

Stuttgart - Anfang der 1980er Jahre erreicht Leonhard Eser den Punkt in seinem Leben, an dem es eine S-Klasse sein muss. Der selbstständige Klimaingenieur beschließt, einen guten Teil eines stolzen Honorars für einen Mercedes 280 SE auszugeben. Das Modell der Baureihe W126 stammt aus dem Sindelfinger Werk und kostet 52 000 Mark. Eine der ersten Fahrten führt Leonhard Eser von seinem Wohnort Tamm zum Mercedes-Veredler AMG nach Affalterbach. Dort bekommt der serienmäßige Neuwagen für ein paar weitere Tausender ein Fahrwerk mit elektrisch geregelten Stoßdämpfern verpasst. Wenn schon, denn schon, denkt Eser.

Mittlerweile ist Leonhard Eser 86, und auf dem Tacho seiner taigabeigen S-Klasse stehen 412 000 Kilometer. In den vergangenen 32 Jahren ist er nur ein einziges Mal mit dem Auto liegen geblieben: Auf dem Weg nach Lech am Arlberg ging ein Verteilerfinger kaputt. Ansonsten läuft der Sechszylinder so zuverlässig wie die Rolex an Esers linkem Handgelenk. „Ich habe mit dem Mercedes nur Gutes erlebt“, sagt er und berichtet von Urlaubsfahrten nach Apulien und in die Normandie. Auch seine Gattin Elisabeth durfte aufs Gaspedal treten, gar kein Thema. „Wenn der Wagen in Bewegung ist, merkt man ihm seine Größe nicht mehr an. Der lässt sich bei 160 auf der Autobahn mit einem Finger lenken.“

Die S-Klasse ist mehr als ein Automobil. Sie ist ein Synonym für gediegenen Luxus und technischen Fortschritt, die Daimler-Werbeleute sprechen unbescheiden vom „besten Auto der Welt“. Die S-Klasse ist aber auch eine Projektionsfläche für die gesellschaftspolitischen Verhältnisse in der Bundesrepublik. Jahrzehntelang ließen sich Präsidenten, Kanzler und Vorstandsbosse ausschließlich in dem großen Mercedes chauffieren. Was für die Mächtigen ein rollender Arbeitsplatz war, avancierte in der militanten linken Szene zum automobilen Feindbild, zur Bonzenkarre schlechthin. S-Klassen waren Zielscheiben des RAF-Terrors: 1977 wurde der damalige Arbeitgeberpräsident Hanns Martin Schleyer aus einem Mercedes 450 SEL entführt, zwölf Jahre später kam der Deutsche-Bank-Chef Alfred Herrhausen in einem 500 SEL bei einem Attentat um.

Der Clubchef ist ein Daimler-Verkaufsprofi

Jahrestreffen des S-Klasse Clubs Württemberg in Stuttgart: auf dem Hof der Bäckerei Sailer ist eine Ahnengalerie aufgereiht. Ganz links parkt ein bestens erhaltenes Exemplar der ersten von Mercedes-Benz offiziell so bezeichneten S-Klasse – die Baureihe W116 kam 1972 auf den Markt. Ganz rechts: das im vergangenen Jahr vorgestellte aktuelle Modell, das in der Technikersprache das Kürzel W222 trägt. Und mittendrin steht der S-Klasse-Clubchef Oliver Krenz, ein freundlicher Mann von Mitte 30 mit lichtem Haar und profundem Fachwissen.

Krenz wurde dort geboren, wo Gottlieb Daimler seine legendäre Werkstatt hatte: in Cannstatt. Nach einer Schlosserlehre bei Mercedes studierte er an der Hochschule in Esslingen Technische Betriebswirtschaft. Heute ist Krenz in der Stuttgarter Mercedes-Niederlassung für den Ver­trieb von Fahrzeugen mit Brennstoffzellen- und Elektroantrieben zuständig. Privat bevorzugt er jedoch traditionelle S-Klassen.

Vermutlich ist es naiv anzunehmen, dass ein Daimler-Verkaufsprofi auf die Frage nach dem besten Mercedes aller Zeiten eine eindeutige Antwort gibt. Stattdessen zählt Krenz zunächst die Vorzüge des aktuellen Topmodells auf: Im Innern verschmelzen zwei Bildschirme mit jeweils mehr als 30 Zentimetern Diagonale zu einem airbusartigen Cockpit. Gegen Aufpreis gibt es Sitze mit Hot-Stone-Massage oder einen Duftspender für das Handschuhfach. Ein Heer neuer Assistenzsysteme gewährleistet, dass der Fahrer quasi nur den groben Kurs vorgeben muss und die Elektronik den Rest erledigt. Und die „Magic Body Control“ lässt das Fahrwerk millisekundengenau auf Straßenunebenheiten reagieren. Man schwebt wie auf einem fliegenden Teppich. „Jede neue S-Klasse ist immer die beste S-Klasse“, beschließt Krenz seinen Vortrag. „Aber persönlich mag ich die Baureihe W126 am liebsten.“