S21-Baustellenführung in S-Nord Geschlossene Gesellschaft

Lange haben sich die Anwohner am Zwischenangriff Prag Informationsveranstaltungen zu den S21-Bauarbeiten dort gewünscht. Nun bekommen sie Baustellenführungen – zu denen die Presse allerdings nicht kommen darf.

Die Anwohner am Wartberg dürfen nun die Baustelle besichtigen. Foto: Lichtgut/Piechowski
Die Anwohner am Wartberg dürfen nun die Baustelle besichtigen.Foto: Lichtgut/Piechowski

S-Nord - Lange haben sich die Anwohner rund um den Zwischenangriff Prag, wo der Feuerbacher Tunnel für Stuttgart 21 gebohrt wird, Informationsveranstaltungen gewünscht. Nach der unangekündigten Tunneltaufe mit Party, die die Anwohner Anfang Dezember aufgeschreckt hatte (wir berichteten), hat die Bahn jetzt zwei Baustellenführungen organisiert. An mehreren Terminen in dieser Woche hatten die Anwohner von Gudrunweg, Wartberg- und Gunterstraße die Möglichkeit, den Tunnel zu besichtigen und den begleitenden Bahnvertretern Fragen zum Ablauf der Arbeiten zu stellen.

Auf Anfrage dieser Zeitung erklärte ein Bahnsprecher, dass diese Termine ohne Presse stattfänden: „Generell versuchen wir, der Presse Baustellenführungen zu ermöglichen.“ Allerdings sei es bei diesen nur für Anwohner gedachten Terminen so, „dass Inhalte besprochen werden, die die Anwohner persönlich betreffen, zum Beispiel Eigentumsverhältnisse.“ Dies seien Datenschutzthemen, darum würden die Baustellentermine für Anwohner generell ohne Medienvertreter abgehalten. Die jüngste Auskunft lautete, man werde einen separaten Termin für eine Presseführung einrichten.

Bürgerbeauftragte spricht von normaler Handhabe

Das sei die normale Vorgehensweise, bestätigt Alice Kaiser, die Bürgerbeauftragte der Stadt für Stuttgart 21. Gerade wenn es um Unterfahrungen von Grundstücken gehe, „wäre es ja taktisch unklug für die Bahn, die Presse zu den Verhandlungen einzuladen“. Auch bei anderen Baustellen, etwa bei den Stuttgarter Straßenbahnen (SSB), werde dies so „fernab der Öffentlichkeit“ gehandhabt. Kaiser gibt außerdem zu bedenken: „Es gibt viele Leute, die sich in größeren Gruppen nicht trauen, ihre Fragen zu stellen und gehemmt sind, wenn sie wissen, dass die Presse dabei ist und danach ein Artikel in der Zeitung steht.“

„Ich finde die Bedenken der Bahn aus Datenschutzgründen völlig abartig“, sagt dagegen Ulrich Hangleiter vom Netzwerk Killesberg und Umgebung. Nach dem, was er von den Teilnehmern der Führung bisher gehört habe, „ging es nur um Allgemeinheiten und nicht um individuelle Gemeinheiten.“ Von den Anwohnern, die in Kontakt mit der Reporterin dieser Zeitung stehen, waren im Vorfeld keine Bedenken über die Teilnahme der Presse an der Führung zu hören. Im Gegenteil, Marc Oei sagt sogar: „Die Bahn will offensichtlich nicht, dass das Ganze zu transparent wird. Wenn es Datenschutz-Gründe gäbe, müsste die Bahn ja für jeden betroffenen Hausbesitzer separat eine Führung anbieten.“

Diskussion zum Schallschutz hinter verschlossenen Türen

Auch zu zwei Terminen, die für Ende Januar im Turmforum angesetzt sind, wird die Presse nicht zugelassen: Die Detailgutachten zum passiven Schallschutz für die Wartberg-Anwohner haben ergeben, dass einige der Anwohner – entgegen erster Aussagen – nun doch keinen Anspruch auf Schallschutzfenster oder ähnliche Einrichtungen haben oder nur in Teilen der Wohnung. Nun soll den Betroffenen ausführlich dargestellt werden, warum dies so ist – ebenfalls, laut Bahn, aufgrund des Datenschutzes ohne Presse.

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2 KommentareKommentar schreiben

0021 : Da sind nicht nur die Verträge geheim, auch die Baustellen, die Risiken und sogar bei Schall & Rauch wird vernebelt und verdunkelt. Wer braucht da schon die Presse?

Wie schon immer gesagt:: Der Fisch stinkt schon am Kopf! Warum sollten sich die Herren von ihren An- und Einsichten auch ändern? Was wäre so verwerflich daran, wenn auch die Öffentlichkeit erfährt, wie die Baustelle aussieht? Was gibt es denn zu vertuschen? Gruß vom stutzigen Motzkigele

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