| Zeitungsgruppe Stuttgart |Samstag, 11. Februar 2012
Stuttgart 21
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S21-Protest Menschenkette mit 20.000 Demonstranten

Jörg Nauke, Fotos: Rothe, vom 14.08.2010 00:49 Uhr
 Foto: dpa
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Stuttgart - "Mit forschreitender Bautätigkeit wird der Protest nachlassen", glaubt der CDU-Fraktionschef im baden-württembergischen Landtag, Peter Hauk. Über die Demonstranten gegen das Bahnprojekt Stuttgart–Ulm sagte er gestern Vormittag: "Am Ende werden die, die protestieren, erkennen, dass sie Jahre zu spät kommen". Dieser Personenkreis umfasste am Abend zwischen rund 18.000 (Polizeischätzung) und 21.000 (Angaben des Veranstalters) Bürgern – und die skandierten "Wahltag ist Zahltag".

Die bisher größte Kundgebung gegen Stuttgart 21 fand dieses Mal als Menschenkette statt. Der Schutzwall um dem Hauptbahnhof, "gebildet von einem repräsentativen Querschnitt der Wählerschaft in Stuttgart und in der Region", wie Matthias von Hermann von den Stuttgarter Parkschützern attestierte, reichte vom Nordflügel des Bonatzbaus, der in den nächsten Wochen abgerissen werden soll, über die Eingangsfront bis in den Schlossgarten. "Und am nächsten Freitag werden wir noch mehr", verspricht die Grünen-Kreisvorsitzende Irmela Neipp-Gereke. "Herr Hauk wird sich noch wundern."



Eine bunte Mischung aus Alt und Jung, aus Familien, Rentnern und Paaren hatte sich um 20.30 Uhr an den Händen gefasst und die Menschenkette um den Hauptbahnhof geschlossen. Es waren so viele Bürger, dass es gleich für mehrere Reihen reichte. Eine Minute lang wurde geschwiegen, nur einzelne Vuvuzelas und Trillerpfeifen ertönten. Darauf folgte unbeschreiblicher Lärm und der Zug zum sogenannten Widerstandsbaum im Schlossgarten. Tausende hielten Kerzen in den Händen und verwandelten den dunklen Park in ein Lichtermeer. Hunderte genossen auf dem Ferdinand-Leitner-Steg über der Schillerstraße den Ausblick. Gegen 21.30 Uhr begann der Protestmarsch durch die Stadt, der reichlich chaotisch geplant war, aber friedlich blieb, wie Polizeipressesprecher Olef Petersen betonte.

"Keine Gewalt gegen Demonstranten, gegen Parkbäume und Polizisten", stand denn auch auf einem Plakat. Der Lindwurm zog über die Schiller- und die Theodor-Heuss-Straße über den Schlossplatz vor das Rathaus, wo sich auf dem Marktplatz laut Polizeiangaben immerhin noch rund 15-000 Demonstranten versammelten. "Oben bleiben", riefen sie und versprachen, nicht zuzulassen, "dass man uns den Bahnhof klaut".



Der Tübinger Oberbürgermeister Boris Palmer (Grüne) hatte seine Heimreise aus Frankreich in Stuttgart unterbrochen, um ein Glied der Menschenkette zu sein. Es sei unfassbar, wie viele Bürger sich mittlerweile dem Protest angeschlossen hätten, so Palmer. Man müsse als Politiker "schon sehr borniert sein, um dies zu ignorieren". Palmer, der als erster vor einem halben Jahr ein Moratorium gefordert hatte, das nun in aller Munde ist, sagte: "Es ist jetzt der Zeitpunkt gekommen, am den sich die Projektverantwortlichen fragen müssen, ob es eine Möglichkeit gibt, eine Eskalation des Streits zu verhindern." Palmer, der sich 2004 in Stuttgart um das OB-Amt beworben hatte, aber gegen Wolfgang Schuster unterlegen war, forderte Bahnchef Rüdiger Grube sowie Bund, Land und Stadt auf, sich mit den Projektgegnern an einen Tisch zu setzen. Bis zu diesem Gespräch müssten die Bauarbeiten am Nordflügel zwingend ausgesetzt werden.

Am Freitagmorgen hatten am Nordflügel des Hauptbahnhofs erstmals offensichtlich die Abbrucharbeiten begonnen. Ein Bagger entfernte das Vordach im Postbereich des Gebäudes, das im Inneren bereits weitgehend entkernt sei, wie eine Sprecherin von Stuttgart 21 sagte. Die Polizei hatte am Vormittag vier Demonstranten, die die Arbeiten mit einer Sitzblockade behindern wollten, einen Platzverweis erteilt. 20 Aktivisten machten mit Kunststoffrohren Lärm. Mehrere Demonstranten beschimpften laut Polizei die Arbeiter auf dem Gelände. In drei Monaten soll der Seitenflügel abgerissen sein.

So lange können der Parktplatz und der Nordeingang noch genutzt werden, hieß es. Unterdessen warnte die Landesverkehrsministerin Tanja Gönner (CDU) erneut vor einem Baustopp. Stuttgart21 sei "ein für die Zukunft des Landes ganz entscheidendes Infrastrukturprojekt". Deshalb werde die Landesregierung trotz anhaltender Proteste auch nicht umfallen.

Kommentare (188)
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AUG
16
19:38 Uhr, geschrieben von Aufrechter
S21
Man liest hier ja allerlei Unfug ! Da gehts um Politik, da wird beschimpft ! Ich für meine Person kann nur sagen, daß mein Bild von dieser sogenannten Demokratie schon längst ins Wanken gekommen ist ! Demokratie heißt Volksherrschaft ! Alle Macht geht vom Volke aus ! Wie sieht es in unserem Lande damit aus ? Sehr schlecht ! Alle Macht geht von Parteien, verquickt mit Wirtschaftsinteressen aus. Soll heißen, der Bürger hat in diesem Lande schon lange keine Macht mehr, wie es das Grundgesetz verlangt. Macht haben Konzerne, Macht haben Parteien mit ihren entsprechenden Lobbyisten ! Und noch was Freunde, ich habe viel zu lange genau diese Parteien gewählt ! Mir ist der Groschen vor wenigen Monaten gefallen, daß es ihn unserem Land nicht mehr so weitergehen kann, als ich mich mit dem Projekt S21 einmal richtig befasst habe. STUTTGART 21 ist überall ! Ich habe zu Beginn des Bekantwerdens dieses Projektes gedacht: na eine schöne Sache ! Nachdem ich den Bahnhof und den daneben liegenden Park gesehen habe kam bei mir die Umkehr ! Dieses Projekt ist eine ungeheuren Geldfressmaschine ! Ich hänge sowohl an dem Bahnhof als auch an den dortigen Bäumen ! Es ist ein Frevel, sich daran zu vergehen Ich weiß nicht, ob ein "Herr" Schuster oder ein "Herr" Mappus noch richtig schlafen kann ! Ich hoffe nicht ! Es wird Zeit, daß das "Volk" endlich kapiert, daß in diesem Land etwas falsch läuft ! Ich auf jeden Fall werde über bestimmte Vorgänge in unserem Land sehr viel mehr nachdenken und dann handeln. Mit dem Stimmzettel und auch mit anderen legalen Mitteln. Habe fertig !
AUG
16
14:33 Uhr, geschrieben von büffl
Ja, im großen und ganzen stimmt das schon.
@leser allerdings waren die voraussetzungen auch die denkbar schlechtesten. russland war bspw. vorher schon ein anti-liberaler absolutismus, der über leichen ging, und seitdem wieder eine anti-liberale autokratie, die über leichen geht. das dazwischen war schon fast nur eine veränderung in der intensität, gewissermaßen kommunismus nach russischer art. auch wenn die idee realisierbar wäre, weder in russland, noch china, noch kambodscha, noch nordkorea... jetzt ist aber gut.
AUG
16
13:58 Uhr, geschrieben von Leser
Nicht so schnell ...
@ büffl. "das eine war eine gute Idee, aber schlecht umgesetzt. das andere war eine menschenverachtende Idee, aber konsequent umgesetzt. reicht das?" Nein, weil es schlicht falsch ist. Beschäftigen sie sich bitte mit dem Kommunismus und seinen Zielen. Ziel des Kommunismus ist der allmächtige Staat und eine Diktatur. Das sind die identischen Ziele des Nationalsozialismus. Dort sind es angeblich lebenswertere Rassen (Sozialdarwinismus) und dort ist es die angeblich fortschrittlichere Klasse (ebenfalls Sozialdarwinismus). Beide System wollen das Paradies auf Erden schaffen. Leider endet so etwas immer in der Hölle.
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