Krimikolumne

Sabine Trinkaus: Seelenfeindin Was ist wahr und was ist Wahn?

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Sabine Trinkaus lässt in „Seelenfeindin“ die bizarren Wirklichkeiten verschiedener Menschen aufeinanderprallen. Aber wer von ihnen ist nun wirklich wahnsinnig? Die Antwort macht Gänsehaut.

Sabine Trinkaus lebt im Rheinland und schreibt seit 2007 Krimis und Thriller. Foto: Egmonts Verlag
Sabine Trinkaus lebt im Rheinland und schreibt seit 2007 Krimis und Thriller. Foto: Egmonts Verlag

Stuttgart - Die junge und erfolgreiche Psychiaterin Nadja Schönberg steht vor ihrer größten beruflichen Herausforderung: In der Privatklinik, in der Schönberg beschäftigt ist, ist die bekannte und erfolgreiche TV-Journalistin Konstanze Friedrichs untergebracht. Die Patientin scheint einerseits unter akutem Verfolgungswahn zu leiden, andererseits wirkt sie psychisch völlig gesund. Schönberg steht vor einem Rätsel.

Die Psychiaterin versucht, aus der Journalistin schlau zu werden und gerät dabei selbst immer tiefer in ein undurchschaubares Dickicht aus Lüge und Wahrheit. Wird Konstanze Friedrichs nun von ihrem Exfreund Klaus Wolfert bis zur Existenzvernichtung verfolgt oder bildet sie es sich nur ein? Oder, noch schlimmer, legt sie selbst die falschen Spuren, um den Mann zu ruinieren?

„Seelenfeindin“, Sabine Trinkaus’ erster Psychothriller, beginnt einigermaßen konventionell. Doch spätestens, als Konstanze Friedrichs und Klaus Wolfert unabhängig voneinander identische Szenen ihrer destruktiven Beziehung vollkommen gegensätzlich schildern, schwant dem Leser, dass es komplizierter ist als gedacht. Wer von beiden ist nun ein paranoider Stalker mit psychopathischen Zügen? Es stellt sich heraus, dass auch Nadja Schönberg nicht unbelastet ist. Womöglich steht sie sogar im Zentrum des Lügendickichts. Denn auch die junge Psychiaterin hat bereits eine Vergangenheit . . .

Sabine Trinkaus schreibt flott und ohne Scheu vor deftigen Details. Geschickt und fast unmerklich zieht sie den Leser immer tiefer in die Wahngebäude ihrer Protagonisten, in denen jeder seine eigenen Interessen verfolgt und man sich schließlich fast ein bisschen allein gelassen fühlt. Je nach Perspektive schwanken Psychiaterin und Patientin, Exfreund und die Affäre im Job, die gute Freundin und der freundliche Nachbar zwischen hilfsbereit und teuflisch. Und das Ende von „Seelenfeindin“ ist nun wahrhaftig sardonisch.

Sabine Trinkaus: Seelenfeindin. Thriller. Emons Verlag Köln 2017. Broschur, 14,95 Euro.