Sängerin Nana Mouskouri
"Ich bin sehr traurig"
Gerd Höhler,
13.03.2010 17:31 Uhr
Nana Mouskouri ruft ihre Landsleute in diesen schwierigen Zeiten zu mehr Gemeinsinn auf. Foto: dpa
(lacht) Nein, überhaupt nicht - das ist nicht mal ein Tropfen im Ozean!
Soll das eine Aufforderung an andere sein?
Es ist eine symbolische Geste. Ich verstehe das tatsächlich als Anregung. Wir sollten mehr Gemeinsinn zeigen. Jeder muss sich fragen, ob er nicht etwas beitragen kann. Ich bin sicher, es gibt viele große "Clowns" in unserem Land, die diesem Land etwas zurückgeben könnten - einem Land, dem sie viel verdanken.
Sie waren vier Jahre im Europäischen Parlament. Das war ein kurzer Ausflug in die Politik. Warum haben sie nicht für eine zweite Amtszeit kandidiert?
Es war nicht meine Welt. Ich habe im Europaparlament erlebt, wie unaufrichtig und prinzipienlos Politik sein kann. Jedes Land in Europa verfolgt seine eigenen Vorteile statt für das gemeinsame, europäische Interesse zu arbeiten. Ich konnte das nicht mitmachen. Ich hätte den Menschen, die mich gewählt haben, nicht mehr in die Augen sehen können. Ich glaube, es wäre gut, wenn es mehr Frauen in der Politik gäbe. Männer sind in der Politik doch oft sehr arrogant ...
Haben Sie ihr Land jemals in einer so schweren Krise erlebt?
Ich nicht. Aber wahrscheinlich meine Eltern, während der deutschen Besatzung im Zweiten Weltkrieg. Vielleicht kann man, was heute passiert, auch mit der Krise während des Studentenaufstandes am Polytechnikum 1973 vergleichen.
Viele Griechen fühlen sich jetzt von den Europäern an den Pranger gestellt und äußerst ungerecht kritisiert.
Das höre ich auch immer wieder. Aber was soll das heißen? Viele Griechen sagen mir: ,Die Ausländer hassen uns!' Aber das ist doch Unsinn. Ich sage den Menschen dann: ,Hört auf das, was man im Ausland über uns sagt. Sie meinen es gut mit uns.' Als ich das erste Mal nach Deutschland ging, Anfang der 60er Jahre, gab es dort einen Kinofilm über Griechenland mit dem Titel "Traumland der Sehnsucht" - kann es denn überhaupt ein schöneres Kompliment geben? Gerade die Deutschen lieben Griechenland sehr.
Was wird aus Griechenland? Sehen Sie pessimistisch in die Zukunft?
Nein, ich bin zuversichtlich - wir Griechen sind eigentlich immer optimistisch. Im Moment sehen die Menschen das vielleicht vor allem noch durch die parteipolitische Brille - sie denken wie Konservative, Sozialisten oder Kommunisten. Aber wenn sie begriffen haben, wie dramatisch die Lage wirklich ist, dann werden alle zusammenstehen und an einem Strang ziehen.
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