Sanierung des Großen Hauses Anschauungsunterricht an Europas Opern

Von Thomas Braun 

Während die Prüfungen bezüglich der Kosten für eine Sanierung der Stuttgarter Oper und einer Interimsspielstätte nicht vorangehen, reist der Verwaltungsrat zu Europas modernsten Opern, um die dortige Bühnentechnik zu inspizieren.

Die Opernhäuser in Kopenhagen (oben) und London: Ihre moderne Bühnentechnik könnte zum Vorbild bei der Sanierung des Großen Hauses in Stuttgart werden. Foto: dpa
Die Opernhäuser in Kopenhagen (oben) und London: Ihre moderne Bühnentechnik könnte zum Vorbild bei der Sanierung des Großen Hauses in Stuttgart werden.Foto: dpa

Stuttgart - Die Entscheidung rückt näher: Am 16. November tagt der Verwaltungsrat der Württembergischen Staatstheater, um sich mit der Sanierung des altehrwürdigen Littmann-Baus, der Stuttgarter Staatsoper, zu befassen. Bis dahin, so teilte das zuständige Ministerium für Wissenschaft und Kunst im September auf eine Anfrage der StZ mit, wolle man die millionenschweren Vorschläge aus dem sogenannten Kunkel-Gutachten zum Um- und Ausbau des Opernhauses geprüft haben, um über belastbare Zahlen diskutieren zu können. Auch die in der Stadt heiß diskutierte Frage einer Interimsspielstätte für die Dauer der fünf bis sieben Jahre währenden Sanierung wolle man bis dahin geprüft haben. Man bitte aber um Verständnis, dass man sich während der laufenden Prüfungen nicht zu einzelnen Standorten äußern werde, hieß es damals.

So richtig weit gediehen scheinen die Prüfungen freilich immer noch nicht zu sein. Die im Rathaus ins Spiel gebrachte Idee, eines der beiden Möhringer Musicaltheater für die Interimszeit anzumieten, war jedenfalls bisher weder dem von der Grünen Theresia Bauer geführten Ministerium noch der Intendanz auch nur einen Telefonruf wert. „Nein, wir sind von niemandem kontaktiert worden. Mein – rein subjektiver und spekulativer – Eindruck ist, dass alle Verantwortlichen eine innenstadtnähere Lösung suchen“, teilte Stephan Jaekel, Pressesprecher des Unternehmens Stage Entertainment, mit, dem die Musical Halls gehören. Das hört sich jedenfalls nicht nach einer generellen Absage an.

Baubürgermeister gegen Ersatzoper im Schlossgarten

Die Musical-Spielstätten wären auch nach Auffassung des Stuttgarter CDU-Landtagsabgeordneten Reinhard Löffler eine durchaus geeignete Alternative zu den höchst umstrittenen Plänen aus dem Gutachten, den Eckensee im Oberen Schlossgarten auszutrocknen und dort eine Ersatzoper zu errichten oder entlang der Schillerstraße ein Konzerthaus aus dem Boden zu stampfen. Löffler sieht das Musicaltheater insbesondere deswegen als geeignet an, da dort die technische Infrastruktur für Opernaufführungen vorhanden sei. Seine kleine Anfrage an die Landesregierung (die StZ berichtete) ließ Ministerin Bauer wie folgt beantworten: „Im Rahmen der Prüfung des Sanierungs- und Organisationsgutachtens für das Opernhaus werden neben dem darin für eine Interimsspielstätte vorgeschlagenen Standort Eckensee weitere Standorte überprüft. Die Auswertung ist noch nicht abgeschlossen. Die Kosten der Interimsspielstätte werden im Rahmen der Festlegung der Konzeption der Sanierung des Stuttgarter Opernhauses berücksichtigt.“

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