Sanierung des Großen Hauses Ideen für neue Konzerthalle statt einer Interimsoper

Von Thomas Braun 

Ein neues Konzerthaus statt einer Interimsoper an Stelle des Eckensees? Konzertveranstalter Michael Russ und die SPD-Ratsfraktion sind dafür. Andere denken über eine Anmietung des Möhringer Musicaltheaters nach.

Noch ist unklar, wo Opern gegeben werden, wenn der Littmann-Bau saniert wird. Foto: dpa
Noch ist unklar, wo Opern gegeben werden, wenn der Littmann-Bau saniert wird.Foto: dpa

Stuttgart - Die Debatte über den Standort der im Zusammenhang mit der geplanten Sanierung und Erweiterung der Stuttgarter Oper notwendigen Interimsoper nimmt Fahrt auf. Während sich das Finanz- und Wirtschaftsministerium auf Anfrage der Stuttgarter Zeitung nicht zu Alternativstandorten für eine Ersatzoper an Stelle des Eckensees äußern wollte, plädiert der Stuttgarter Konzertveranstalter Michael Russ für den Neubau einer Konzerthalle zwischen dem Hotel am Schlossgarten und dem Königin-Katharina-Stift.

Nach Abschluss der Sanierung des Littmann-Baus könnte diese dann stehen blieben und für andere musikalische Veranstaltungen genutzt werden. „Für mich wäre eine solche Halle ein logischer Abschluss der Kulturmeile“, so Russ. Er sei sich freilich bewusst, dass eine Bebauung des landeseigenen Grundstücks Proteste hervorrufen werde. Die SPD-Fraktion im Gemeinderat hat den Vorschlag umgehend aufgegriffen: Eine „reversible Lösung“ für eine Interimsoper sei angesichts der zu erwartenden Kosten in zweistelliger Millionenhöhe kein optimaler Ansatz, erklärte der SPD-Stadtrat Hans-Peter Ehrlich. Es bestehe in Stuttgart ohnehin ein Bedarf an zusätzlichen Konzerträumen. Erst am Donnerstag hatte sich die SPD gegen eine zu große Veranstaltungshalle im Kulturzentrum Wagenhallen ausgesprochen.

SÖS-Linke-Plus: Hände weg vom Oberen Schlossgarten

Auf den Standort für eine neue Konzerthalle wollte sich die Rathaus-SPD, anders als Russ, noch nicht konkret festlegen. Nach StZ-Informationen gibt es auch im SPD-geführten Finanz- und Wirtschaftsministerium Überlegungen, an Stelle des Eckensees das von Russ ins Spiel gebrachte Areal entlang der Schillerstraße für eine Interimsoper vorzusehen. Dafür müssten Dutzende alter Bäume gefällt werden.

Die Fraktionsgemeinschaft SÖS-Linke-Plus erteilte dagegen jeglichen Planungen für eine Ersatzoper im Oberen Schlossgarten eine klare Absage. „Städtische Naherholungsgebiete müssen tabu sein“, erklärten die Fraktionssprecher Thomas Adler und Hannes Rockenbauch. Bei der Suche nach Interimsstandorten für die Oper dürften Räume für Mensch und Natur nicht eingeschränkt werden.

Spekuliert wird im Rathaus auch über die Variante, die Oper für eine Übergangszeit etwa in einem der beiden Musical-Theater in Möhringen einzumieten. Die zur Stage-Holding gehörenden Häuser böten zumindest technisch und akustisch die Voraussetzungen für einen Opernspielbetrieb, hieß es. Zudem verfügen sie über eine Kapazität von jeweils rund 1800 Plätzen.

Der geschäftsführende Intendant der Staatstheater, Marc-Oliver Hendriks, hatte bei der Vorstellung der Sa­nierungspläne betont, dass eine Interimsoper nicht hinter die derzeitige Platzkapazität von 1400 Plätzen zurückfallen dürfe, um die Jahreseinnahmen von 14 Millionen Euro nicht zu schmälern.

Rathausspitze macht sich für Kostendeckel stark

OB Fritz Kuhn (Grüne) erklärte indes erneut, über den Standort für eine Ersatzoper sei noch nicht entschieden: „Jeder gute Vorschlag ist willkommen.“ Mittlerweile hat die Rathausspitze auch ihre Haltung zur anteiligen Finanzierung der Kosten für die Sanierung und Erweiterung des Großen Hauses präzisiert. Während der OB zu Wochenbeginn gesagt hatte, an der hälftigen Finanzierung zwischen Land und Stadt sei nicht zu rütteln, hatte Finanzbürgermeister Michael Föll (CDU) gegenüber der StZ einer Deckelung des städtischen Beitrags das Wort geredet. Dies sei kein Widerspruch, erklärte ein Rathaussprecher: Wenn die Kosten von einem externen Projektsteuerer seriös kalkuliert seien, müsse der Gemeinderat entscheiden. Später anfallende Mehrkosten habe aber, da seien sich OB und Kämmerer einig, allein das Land zu tragen.

SÖS-Linke-Plus wiederum bestreiten zwar nicht den Sanierungsbedarf der Oper, wollen aber bei teuren Erweiterungsbauten nicht mitgehen. Es sei „eine Unkultur“, dass erfolgreiche Institutionen wie die Oper nach Wachstum strebten, während es für viele subkulturelle Angebote an Geld und Räumen fehle.

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6 KommentareKommentar schreiben

Stuttgarter Stadtplanung wie sie leibt und lebt: Für eine Zwischenlösung mit Kosten von 400 Millionen Euro plus werden "dutzende alter Bäume gefällt" und der Obere Schlossgarten ist dann bis auf Passierwege komplett zugebaut. Das hat noch nicht mal der Zweite Weltkrieg und danach die "Autogerechte Stadt" unter Arnulf Klett geschafft. Aber mit viel grüner Beteiligung in allen entscheidenden Gremien und Räten sieht man als Leser die FeinstaubHochstadt Stuttgart schon auf diesen Weg einschwenken. Fortschritt marsch, mit Gas und Gottvertrauen!

Mal Hand auf 's Herz und ganz ehrlich!: Was wollt ihr noch alles abreissen? Wann wird das neue Schloss entfernt und ein Stadtsee mit Modernem Wasser Spiel gebaut? Wer braucht schon die Villa Reizenstein? Haut weg die Jacke und dann eine Glasmuschel, die geöffnet gen Talsohle Stuttgart geöffnet dastehtmund Gott und die Welt für jegliche Aufführung einläd! Für den Empfang der weltberühmten Politriege stelle ich mir einen Hochsicherheitstrack mit Panzerverglassung vor,die von der Anhöhe Des noch stehenden Waldes von Degerloch ebenso einladend wirken könnte! Planen und Luftschlösser bauen macht Spaß. Nun reisst ab,wo immer ihr wollt! Noch steht viel rum und die Stadt Stuttgart steckt so gesehen noch in den Kinderschuhen. Gruß vom Motzkigele

Bildungsnotstand!: Es wird Zeit dass es eine neurolinguistische Neuprogrammierung in den köpfen von Technokraten gibt! Da müsste es heißen: erst gesamtplanen dann bauen...(nicht wie bei Bahn21).... Es ist menschenverachtend und ego-autischtisch, selber mit Garten oder im Grünen zu wohnen und anderen nur Beton zu verordnen! Warum muss Oper im Kessel sein? Die meisten betagten Fans der sozialhilfe unterstützten Oper reisen eh mit auto an! Da könnten sie doch z.B. auch ins IBM nach Vaihingen fahren!

Es REICHT!: Die Stadt Stuttgart hat genug öffentlichen Raum zerstört, die Stadt hat genug Geschichte zerstört, die Stadt hat genug wertvollste Parklandschaft zerstört, Parklandschaft, die auch einen wertvollen geschichtlichen Hintergrund hat. Jetzt planen sie allen Ernstes noch ein wertvolles Stückchen "heile und unbetonierte" Welt kaputtzumachen, nur damit ein paar Gäste abends eine Veranstaltung besuchen können? Wie unfasslich rückständig ist diese Denke eigentlich? Wir brauchen eine liebenswerte Stadt für Alle! Eine Stadt, in der Menschen auch "ohne Konsum" teilhaben können. Aber auch als "Konsument" möchte ich mal raus aus der Hektik und im Park verweilen. In einem Park verweilen, in dem man nicht irgendwann wie Sardinen aneinanderrücken muss, weil er immer weiter zerkleinert wird. Es geht übrigens unter anderem um diesen schönen Teil des Parks: ( https://pbs.twimg.com/media/CKMRxurW8AAYCbw.jpg:large ). Ich kann die Idee mit der Interimslösung in Möhringen im Musicaltheater nur unterstützen!!!!! Ansonsten hat es auf dem Cannstatter Wasen ebenso genug Platz. Oder nehmen sie doch das neu zu bauende Gebiet NECKARPARK!. Eine Seite soll sowieso keine Wohnbebauung sein. Dann werden halt mal nicht noch mehr Büros gebaut. Die Parktiere werden es übrigens auch danken, hat man ihnen doch hektarweise wertvollsten Lebensraum zerstört und sie damit auch teilweise dem Tod preisgegeben.

park und oper: nur ein kleiner hinweis: es war nicht die stadt, die den park zerstört hat sondern das land. der schlossgarten ist im eigentum des landes baden württemberg. und auch die oper gehört zur hälfte dem land. aus dieser ecke kam auch der vorschlag zur interimslösung an der schillerstrasse (wozu bäume gefällt werden müssten). der eckensee dagegen waren nur gedankenspiele von der opern-geschäftsführung. also bitte nicht immer gleich alles auf die stadt schieben.

Keinerlei Verständnis für Interimsoper: 2001 gab es im Herzen der Stadt die "Gaskammer", eine Skate- und Graffitianlage im alten B27-Tunnel unter dem kleinen Schlossplatz, die Koryphäen ihrer Kunst aus der ganzen Welt angelockt hat - abgerissen zugunsten eines Einkaufszentrums und eines Kunstmuseums, dass sich Dix' Werke von der Staatsgalerie ausleihen muss, damit überhaupt jemand hingeht. 2005 hat das Kommunale Kino im Rahmen der sozialen Stadt Kinoabende für Jugendliche in strukturschwachen Stadtteilen veranstaltet. 2008 ist das KoKi insolvent, letzten Februar wurde das Filmhaus zugunsten eines Bürokomplexes abgerissen. 2011 gab es die Diskothek "Röhre" im Wagenburgtunnel - heute verschwunden. Ich verstehe, dass das Staatstheater eine große Bedeutung für die Kulturlandschaft in Stuttgart hat und in der Welt bekannt ist. Aber in einer Stadt, die Jugendkultur aus dem Zentrum vertreibt und soziale Kulturförderung eingehen lässt, könnte ich mir das Gefühl der Genugtuung nicht verkneifen, wenn das große Haus schlichtweg eingestampft würde. In Anbetracht dessen bin ich fassungslos, dass die Stadt versucht, sich für eine Interimsoper zu verrenken und bereit ist für die Unterhaltung der Alten und Reichen zusätzlichen öffentlichen Raum und Gelder zu opfern.

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