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Sauftourismus in Neuhausen Neuhausen ohne Festzelt
Kai Holoch, 02.02.2012 12:55 Uhr
Jugendliche verabreden sich alljährlich zum Trinken in Neuhausen Foto: dpa-Zentralbild
Jugendliche verabreden sich alljährlich zum Trinken in Neuhausen Foto: dpa-Zentralbild
"Mit unserer schönen, 680 Jahre alten Fasnetstradition hatte das überhaupt nichts mehr zu tun"
Ingo Hacker, Bürgermeister

Neuhausen - „Wir wollten nicht warten, bis wir den ersten Todesfall haben“, sagt Ronald Witt, der Präsident des Narrenbunds Neuhausen. Und auch der Bürgermeister einer der wenigen Narrenhochburgen im Kreis, Ingo Hacker, spricht von einer „grausigen Entwicklung im und rund ums Festzelt“. In den vergangenen Jahren habe immer wieder die Polizei anrücken müssen, um größere Schlägereien zu verhindern. Nicht selten seien dabei Beamte Opfer von Übergriffen geworden. Anwohner hätten in den Vorgärten oft komatöse Jugendliche gefunden, deren Leben nur durch das schnelle Eingreifen der Hilfskräfte habe gerettet werden können.

In Neuhausen ist dieses Mal alles anders

Damit soll nun Schluss sein. Neuhausen sagt dem Sauftourismus während der Fasnetszeit den Kampf an – und wählt eine radikale Variante: Erstmals nach rund 35 Jahren wird es an den tollen Tagen kein Festzelt auf dem Neuhausener Festplatz geben. Zu Tausenden waren vor allem Jugendliche in den vergangenen Jahren aus der gesamten Stuttgarter Region und aus Tübingen zu verschiedenen Flatratepartys nach Neuhausen gepilgert. „Mit unserer schönen, 680 Jahre alten Fasnetstradition hatte das überhaupt nichts mehr zu tun“, sagt Ingo Hacker.

Natürlich freue man sich, wenn auswärtige Gäste am Schmotzigen Donnerstag und zum großen Umzug am Fasnetssonntag nach Neuhausen kommen. Gleichzeitig sende man auf allen Kanälen – von den Medien bis zu den Internetforen, in denen sich schon wieder Jugendliche zum Saufen an den Faschingstagen in Neuhausen verabredeten – das deutliche Signal aus: in Neuhausen ist dieses Mal alles anders.

Erstmals kleines Narrendorf

Denn gefeiert werden soll natürlich trotzdem. Um zumindest einen Teil des dennoch erwarteten Andrangs von auswärtigen Besuchern und natürlich auch von Einheimischen bewältigen zu können, entsteht rund um das Rathaus erstmals ein kleines Narrendorf. Organisiert wird es von ehrenamtlichen Helfern des Narrenbundes. Rund 900 Gäste finden dort Platz.

Das Feiern dort soll allerdings in geordneten Bahnen verlaufen, und der Jugendschutz wird groß geschrieben. Am Eingang werden die Gäste von einem Sicherheitsdienst kontrolliert und mit Bändeln in drei verschiedenen Farben ausgestattet: Jugendliche bis 16 Jahre erhalten eine andere Farbe als Jugendliche bis 18 Jahre oder Erwachsene. Diesem Vorbild wollen sich auch einige Gastronomen im Neuhausener Zentrum anschließen. Ingo Hacker: „Natürlich gehört Alkohol in Maßen zur Fasnet dazu. Aber wir wollen bei uns endlich wieder ein friedliches, schönes und harmonisches Fest feiern. Wir hoffen, dass uns das in diesem Jahr gelingt.“

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