Schadstoffe Lasche Kontrollen bei Spielzeug
Philip Scheffbuch, 04.02.2011 08:52 Uhr
 Foto: dpa
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Nürnberg - Die Macher der Spielwarenmesse haben sich das eigentlich schön ausgedacht und das Motto "Toys go green" ausgerufen. Das grüne Bewusstsein sollte ins Blickfeld der Branche gerückt werden. Um mit gutem Beispiel voranzugehen, versichert Messechef Ernst Kick im Vorwort des Messekatalogs, für diesen nur Papier aus "verantwortungsvoller Waldwirtschaft" zu nutzen - was immer das heißen mag. Um dem ökologischen Anstrich Nachdruck zu verleihen, wurden Anbieter von energiesparenden Spielzeugautos für einen Messepreis nominiert.

Hubert Weiger, Chef des Bundes für Umwelt und Naturschutz (BUND), schwillt der Kamm, wenn er nach Nürnberg schaut: "Schadstoffe sind bei der Spielwarenmesse überhaupt kein Thema; stattdessen will sich die Branche ein grünes Mäntelchen umhängen und redet über grünes Spielzeug." Die Hersteller von Spielwaren und Babyartikeln sollten endlich auf in der EU als "besonders besorgniserregend" geltende Schadstoffe verzichten. Dazu zählten derzeit offiziell rund 40 Chemikalien, die in Spielzeug nicht grundsätzlich verboten seien, obwohl sie zum Teil Krebs auslösen und die Fortpflanzung schädigen können. Umwelt- und Verbraucherschützer gehen sogar von 350 Chemikalien aus, die die EU-Kriterien für "besonders besorgniserregende" Stoffe erfüllen.

Ebenfalls erbost sind die Umweltschützer über den bisherigen Umgang mit krebserregenden polyaromatischen Kohlenwasserstoffen (PAK), die in häufig verwendeten Weichmacherölen auftreten. "In Spielzeug sind tausendmal höhere Grenzwerte erlaubt als in Autoreifen", sagt die BUND-Expertin für Chemikalienpolitik Sarah Häuser. Zwar sieht die neue EU-Spielzeugrichtlinie vor, den PAK-Einsatz von Mitte 2013 an zu begrenzen. Die sich abzeichnenden Grenzwerte werden laut BUND aber wohl deutlich zu hoch sein, zumindest höher als heute schon beim vom deutschen Gesetzgeber entwickelten freiwilligen GS-Zertifikat. "Man sollte sich am besten an die Gütesiegel halten", rät Häuser.

Gute Geschäfte für die Prüfer


Die klugen Hersteller und Händler begreifen übrigens schon lange, dass verunsicherte Verbraucher am ehesten mit einem externen Testat überzeugt werden können. Kein Wunder also, dass zahlreiche Prüforganisationen in Nürnberg einen Stand angemietet haben, allen voran die Tüv-Gesellschaften und die Stuttgarter Prüforganisation Dekra. Beide Einrichtungen berichten von wachsenden Geschäftsfeldern, nicht zuletzt durch die GS-Zertifizierung.

Während der Tüv Süd sich bei den Volumina bedeckt hält, geht es bei der Dekra etwas offener zu: "Das Prüfen von Spielzeug ist inzwischen unser größter Wachstumsbereich", heißt es dort. In Stuttgart sei zu diesem Zweck kürzlich sogar ein stillgelegtes Prüflabor wieder instand gesetzt worden, in den asiatischen Spielzeughochburgen beschäftigt Dekra heute 300 Mitarbeiter. Insgesamt setzt die Organisation mit den Prüf- und Beratungsleistungen für Spielzeughersteller und -händler einen hohen einstelligen Millionenbetrag um.

Dekra: Immer weniger Weichmacher im Spielzeug


Die Entwicklung der Schadstoffbelastungen sehen die Dekra-Experten deutlich freundlicher als die BUND-Naturschützer. Immer mehr Produzenten setzten bei den Weichmachern neu entwickelte Ersatzstoffe ein. Zudem steige für Hersteller und Händler der Druck, die Ware genau zu prüfen, weil die Rückverfolgbarkeitsanforderungen kontinuierlich zunähmen. Aus einer eigenen Testreihe im Vorfeld der Spielwarenmesse ziehen die Stuttgarter den Schluss, dass sich in Spielwaren immer weniger verbotene Weichmacher wiederfinden. Ein Ergebnis, das die BUND-Vorwürfe aber nicht gänzlich entkräftet. Monieren die dortigen Fachleute doch, dass die Grenzwerte - wenn überhaupt vorhanden - viel zu hoch angesetzt sind.

Der Chemiker Markus Jahns vom Tüv Süd sieht das völlig anders und bricht eine Lanze für die EU-Bürokratie. "Die Richtlinien entsprechen dem Rechtsfindungsprozess. Natürlich gibt es auch einzelne Interessen, aber insgesamt finde ich den Rahmen gut, weil er sich permanent entwickelt." Auch der von den Naturschützern vorgebrachte Vergleich mit den Grenzwerten für Autoreifen bedarf seiner Meinung nach einer Ergänzung: "Wir haben in Deutschland doch auch jährlich 60.000 bis 100.000 Tonnen Reifenabrieb, der als feiner Staub in die Umwelt abgegeben wird."
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