Schäuble in Stuttgart „Ich bin ein armer Hund“

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Bei einem Auftritt in Stuttgart berichtet Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble von seinen Erfahrungen mit der griechischen Krise – der er mit Selbstironie und dem Glauben an Europa begegnet.

Morgens im Bundestag in Berlin, abends in Stuttgart: Wolfgang Schäuble wirbt für die verlängerten Griechenland-Hilfen. Foto: AP
Morgens im Bundestag in Berlin, abends in Stuttgart: Wolfgang Schäuble wirbt für die verlängerten Griechenland-Hilfen.Foto: AP

Stuttgart - Sieben griechische Finanzminister hat Wolfgang Schäuble in seiner Zeit als Berliner Kassenwart bereits erlebt. Das gibt ihm eine große Gelassenheit. Und doch blitzt auch am Freitagabend, als er nach der Griechenland-Abstimmung im Bundestag nach Stuttgart kommt, sein Unmut über den ganz neuen Amtskollegen, Gianis Varoufakis, immer wieder kurz auf.

„Hört nicht auf das, was die in Athen reden“, habe er seiner Unionsfraktion in Berlin vor dem Votum über die neuen Hilfen gesagt, erzählt Schäuble im Haus der BW-Bank bei einem Vortrag auf Einladung der Schwäbischen Gesellschaft. Die groben Töne in Athen, das sei der griechischen Innenpolitik geschuldet. „Hört auf das, was sie in Europa zugesagt haben“, habe er die Abgeordneten gebeten. Nun werde von ihm erwartet, dass er genau darauf achte, dass die Zusagen auch eingehalten werden. Das werde er tun. Dann heiße es zwar wieder, „ich sein ein sturer Hund“. Dabei sei das gar nicht wahr. „Ich bin ein armer Hund.“

Schäuble will unbedingt, dass Europa zusammenhält

Selbstironie ist für Wolfgang Schäuble seit jeher ein probates Mittel, den Zumutungen seines jeweiligen Amtes und öffentlicher Kritik zu begegnen. Er kann sich das leisten, bei seiner politischen Erfahrung – die größer ist als die fast aller anderen, denen er bei der Euro-Krisenbewältigung begegnet.

Für ihn, das macht er in Stuttgart deutlich, geht es zurzeit um weit mehr als Griechenland. Schäuble ist und bleibt der überzeugteste Europäer der Bundesregierung. „Die Vielfalt ist unser Reichtum in Europa“, sagt er. Auch Griechenland sei „ein wunderbares Land“. Aber wenn dieses Europa in einer Welt, die immer enger zusammenwachse, bestehen wolle, dann müsse es die Integration vorantreiben.

Siebzig Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs könne es für Deutschland nur eine Konsequenz geben: Europa zusammenhalten! So sagt er es, nicht ohne eine weitere kleine Spitze Richtung Athen hinzuzufügen: „Das heißt ja nicht, dass wir alles mitmachen. Das habe ich meinem Kollegen Varoufakis schon erklärt.“