Schaulaufen Wissen, was das Leben wert ist

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An die achtzig Künstler haben sich für fünf Stunden kunterbuntes Programm nicht lange bitten lassen. Motto des Abends zugunsten des Kinderhospizes: Seelenmomente.

Ron Williams, Waldo Weathers, Michael Gaedt (v.l.) Foto: Willikonsky
Ron Williams, Waldo Weathers, Michael Gaedt (v.l.) Foto: Willikonsky

Stuttgart - Man nicht gerade behaupten, dass in der Stadt gegen Ende der Osterferien nichts los sei: Frühlingsfest, Frühjahrsmessen – und jetzt beginnt auch noch der Porsche Tennis Grand Prix. Aber zwischen all dem Trubel konnte eine Veranstaltung besonders die Seele berühren: „Moments of Soul“ am Donnerstagabend in der Phoenixhalle im Römerkastell. Denn die sehr heitere Show hat einen sehr ernsten Hintergrund: Sie war zugunsten des Kinderhospizes Stuttgart, das im November in der Diemershaldenstraße eröffnet wird. Achteinhalb Millionen Euro soll der Umbau kosten, der Kindern mit einer „lebensverkürzenden Krankheit“, so die softe Formulierung, sowie deren Familien eine optimale Betreuung ermöglicht, sagt die Projektleiterin Elvira Pfleiderer.

Die Idee zu dem Abend hat ihren Ursprung in einem Buchprojekt des ehrenamtlichen Hospiz-Mitarbeiters Jochen Schwarz. Er fotografiert und befragt Menschen zu ihren „Seelenmomenten“. Mit dabei sind etwa Winfried Kretschmann, Uwe Hück, Cacau und And.Ypsilon. Eine der ersten Zusagen kam von Sir Waldo Weathers, der 15 Jahre lang Mitglied der Band von James Brown war und inzwischen im Remstal lebt. Mit Hilfe seiner Managerin Daniela Merz – die ist sozusagen die Ex-Schwippschwägerin von Sonja Merz (Wasenwirtin) und Dorothée Merz (Merz & Benzing) – hat er an die achtzig Künstler zusammengetrommelt.

Den Tagen mehr Leben geben

350 Gäste sind gekommen, darunter auch betroffene Familien, um einen schönen Abend zu haben, ganz im Sinne von Cicely Saunders, Gründerin der Hospiz-Bewegung, die sagte: „Es geht nicht darum, dem Leben mehr Tage zu geben, sondern den Tagen mehr Leben.“ Kein Problem, wenn man eine Stimmungskanone wie Michael Gaedt als Moderator hat. „In meiner schrecklich anbiedernden Art frage ich: Are you ready to party?“

Blöde Frage, wie sich spätestens beim Auftritt des Gastgebers zeigte. Waldo Weathers, der nicht nur ein guter Saxofonist, sondern auch ein guter Sänger ist, hatte zuvor im Gespräch zwar gesagt, dass er jetzt mehr „Love Ballads“ und „Sax to the Ladies“ spiele. Dann aber wurde aus dem „a“ doch noch ein „e“ mit einer brettharten Version von James Browns „Sex Machine“. Auch Ron Williams, der einem eher als Moderator im Bewusstsein ist, legte ordentlich los und wetterte zwischen seinem Soulgesang wie ein Preacherman gegen den „braunen Dreck“ in Deutschland.

Eric Gauthier weiß, was das Leben wert ist

Alle Künstler zu nennen, würde den Rahmen hier sprengen: Der Zeitplan für die zwei Bühnen war von 19 bis 24 Uhr minutiös getaktet. Phoenixhallen-Chefin Stefanie Stoll stellte die Location mietfrei zur Verfügung, von Rauschenberger gab es „Soulfood“, auch wenn Andreas Rauschenberger – „wir tun, was wir können“ – als Sponsor auf der Bühne gar nicht in Erscheinung treten wollte. Wohl aber ein Hospiz-Unterstützer, der schon beim Spatenstich aufgetreten war: Tanzkompanie-Chef Eric Gauthier sagte mit der Gitarre um den Hals und einer Flasche Bier in der Hand: „Der große Unterschied zwischen der Ballettbühne und einer Konzertbühne ist, dass ich ein bisschen was trinken kann zwischendurch.“ Im Gespräch danach wurde der Vater von drei Kindern ernst: „Meine Frau und ich wissen, was das Leben wert ist“ – und spenden regelmäßig.

Im Publikum war auch ein Gast, den man aus dem „Tatort“ und nicht von der „Soko Stuttgart“ kennt, die im Römerkastell produziert wird: Richy Müller sagte, er habe ebenfalls fürs Kinderhospiz gespendet – 85 000 Euro. Der Porsche-Markenbotschafter, der sich auch wieder beim Tennis Grand Prix zeigen wird, erzählte, dass er dies angeregt durch die Spendenaufrufe seines Namensvetters und VW-Vorstandschef Matthias Müller getan hätte.

Waldow Weathers hat das Rathaus auf den Kopf gestellt

Und dann war da noch Laura Halding-Hoppenheit, Stadträtin für die Fraktionsgemeinschaft SÖS Linke Plus, die viele der Künstler persönlich kennt. Schon anlässlich des 40-Jahr-Jubiläums ihres Kings Clubs habe Waldo Weathers „im Februar das Rathaus auf den Kopf gestellt“. Schade also, dass sonst kein Offizieller der Stadt bei den „Moments of Soul“ zu sehen war.