Stuttgart - Einen Zuschauerraum ohne Stühle, leer geräumt bis auf den letzten Quadratmeter, hat es im Stuttgarter Schauspielhaus noch nie gegeben. Noch nie - abgesehen vom letzten Spieltag der eben abgelaufenen Saison, als das Hamlet-Musical über den "Prinzen von Dänemark" das Haus rockte. Das Publikum saß, weil die Sitzreihen schon ausgebaut waren, auf dem Boden und hatte auch sonst das unabweisliche Gefühl, sich bereits mitten in einer Baustelle zu befinden. Während der Vorstellung gab es eisgekühltes Bier, das in Schubkarren herbeitransportiert wurde von Leuten, die orangefarbene Schutzwesten trugen - ein hübsches Spiel, aus dem mittlerweile allerdings Ernst geworden ist. Im Schauspielhaus haben biertrinkende Handwerker jetzt tatsächlich die Herrschaft übernommen. Und wie!
Wer in diesen Tagen das Haus am Eckensee besucht, sieht im Zuschauerraum nur noch ein Trümmerfeld: zerbrochene, zerhackte, zersplitterte Betonplatten, grau und nackt, wüst übereinander geschichtet und ineinander verkeilt. Inmitten dieser Ruine mag man auch kaum glauben, dass der "Dänenprinz" von Christian Brey und Harald Schmidt wirklich der definitive Saisonrausschmeißer war. Nein, hier sieht es ganz anders aus. Hier muss Volker Lösch gewütet haben! Denn wenn der Regisseur mit seinen Bürgerchören dürfte, wie er wollte, hätte er im Parkett mindestens genauso gründlich aufgeräumt wie die Arbeiter, die seit drei Wochen mit der Sanierung des Hauses beschäftigt sind. Wobei: Löschs Truppen wären billiger gewesen...
24 Millionen Euro kostet der Umbau
In einem Jahr aber, da soll es im Schauspielhaus wieder gesittet zugehen. Das hofft zumindest Marc-Oliver Hendriks, der geschäftsführende Intendant der Staatstheater. Er ist der Ansprechpartner des Bauherrns, also des Landes Baden-Württemberg, das die Sanierung trägt und - zusammen mit der Stadt Stuttgart - auch zur Hälfte finanziert. 24 Millionen Euro soll das Lifting des 1962 eröffneten, unter Denkmalschutz stehenden Schauspielhauses insgesamt kosten, ein Betrag, den Hendriks selbstredend für gut angelegt hält. "Die Akustik", sagt der im Bauschutt stehende Theaterchef, "war hier von Anfang an problematisch. Immer wieder sind bauliche Veränderungen vorgenommen worden, ohne wirklich eine Lösung zu finden."