Schiedsrichteraffäre Zwanziger macht sich angreifbar
Peter Stolterfoht, vom 06.03.2010 17:58 Uhr
Der DFB-Präsident Theo Zwanziger hat sich im Schiedsrichterskandal angreifbar gemacht, weil er sich viel zu früh auf die Seite des Schiedsrichters Michael Kempter geschlagen hat. Foto: dpa
Stuttgart - Zur Abwechslung ist Theo Zwanziger einmal nicht als Verlierer aus einer juristischen Auseinandersetzung hervorgegangen. Der erste Verhandlungsteil der schmierigen Schiedsrichteraffäre endete mit einem Vergleich - was auf den Fußball übertragen einem Unentschieden entspricht. Der Deutsche Fußball-Bund und sein Präsident Theo Zwanziger dürfen weiter behaupten, Manfred Amerell habe junge Schiedsrichter sexuell belästigt. Im Gegenzug erhält der ehemalige Schiedsrichterobmann Amerell Akteneinsicht und so die Namen von Belastungszeugen, die gegen ihn ausgesagt haben. In einem ganz anderen Rechtsstreit hatte Zwanziger schon sechsmal vor Gericht den Kürzeren gezogen. So darf ein Berliner Journalist Zwanziger weiterhin als Demagogen bezeichnen.
Als Sieger wird Zwanziger auch nicht dastehen, wenn der Skandal irgendwann endgültig aufgearbeitet ist, wobei dies bei all seinen Verästelungen fast unmöglich erscheint. Doch schon jetzt hat sich der DFB-Präsident in dieser Sache angreifbar gemacht, weil er sich viel zu früh auf die Seite des Schiedsrichters Michael Kempter geschlagen hat, der die Affäre mit seinen Aussagen öffentlich angeschoben hatte. Das Rollenbild, das sich Zwanziger in diesem Fall schnell gemacht hatte - mit dem alten perversen Amerell auf der einen und dem jungen sexuell genötigten Kempter auf der anderen Seite - bekommt nun Risse. Kempters öffentlich gewordene Mails an Amerell lassen den Schluss zu, dass es sich um eine, zumindest zeitweise, sehr einvernehmliche Liebesbeziehung gehandelt hat.
Beim DFB geht es drunter und drüber, und das nicht erst seit der in der deutschen Fußballgeschichte beispiellosen Sexgeschichte. Der Verband und mit ihm an erster Stelle Theo Zwanziger haben auch im Zuge der geplatzten Vertragsverlängerung von Joachim Löw nicht angemessen gehandelt. Aus der Führungsriege des DFB wurden offenkundig vertrauliche Details aus dem Forderungskatalog des Bundestrainers ausgesuchten Medien zugespielt, die sich im Gegenzug über Löws Vorstellungen empörten. Der Streit eskalierte nur deshalb nicht, weil die Bundeskanzlerin Angela Merkel ihren CDU-Parteifreund Zwanziger zum Einlenken aufgefordert hatte.
Ansonsten ist Zwanziger beratungsresistent. Der loyale, sich intern aber auch einmal kritisch äußernde DFB-Pressesprecher Harald Stenger zum Beispiel wurde vom Präsidenten zurückversetzt. Mittlerweile muss sich aber auch Theo Zwanziger Sorgen um seinen Job machen.
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