Schiedsrichterausschuss
Die Mauern bröckeln
Frank Hellmann,
10.03.2010 15:38 Uhr
Der Schiedsrichterchef Volker Roth muss viele Vorwürfe einstecken. Foto: dpa
Stuttgart - Das Spiel ist aus. Jedenfalls gilt das wohl für Volker Roth, den Vorsitzenden des Schiedsrichterausschusses, wenn am Freitag in den Räumen der Frankfurter Zentrale des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) der Tagesordnungspunkt "Neustrukturierung des Schiedsrichterwesens" auf den Tisch kommt. Die Beschlussvorlage für die Präsidiumssitzung hat Roths designierter Stellvertreter Herbert Fandel erarbeitet - gemeinsam mit Lutz Fröhlich (Abteilungsleiter DFB) und Hellmut Krug (DFL), Roths Intimfeind. Das Trio soll künftig für Offenheit, Transparenz und Toleranz stehen - Eigenschaften, die der Zunft in der Amtszeit Roths, der 1995 auf Johannes Malka folgte, abgingen.
Mittlerweile wird über Roths vorzeitigen Rücktritt spekuliert - schon am Freitag oder beim vorgezogenen DFB-Bundestag am 30. April. Der DFB möchte sich zur Person Roth derzeit nicht äußern, doch die Frage stellt sich: Ist ein Schiedsrichterchef noch im Amt zu halten, wenn er am 17. Dezember von Michael Kempter mit den Vorwürfen gegen den damaligen Sprecher Manfred Amerell konfrontiert wird, aber erst am 15. Januar den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger informiert?
Volker Roth beteuerte, er habe sich in der Causa nichts zuschulden kommen lassen - eine seltsame Eigenwahrnehmung des 68-Jährigen, der zusammen mit Amerell und dem Lehrwart Eugen Strigel das Schiedsrichterwesen als "Geheimbund" führt, wie der DFL-Präsident Reinhard Rauball kritisiert hat. Es gibt Schiedsrichter, die unverblümt sagen, dass Widerspruch gegen den Führungsstil der Troika in Gutsherrenart nicht geduldet wurde.
Am Ende hatte immer Volker Roth recht - so schilderte es Zwanziger. "Man hat stark dazu geneigt zu denken: Der Chef ist der Chef, und der Chef entscheidet." Zwanziger, selbst schwer unter Beschuss, klagte unlängst offen über die betonierten "klassischen Männerstrukturen". Und: "Das oberste Gebot ist, nur nicht das eigene Nest zu beschmutzen." Roth, dem vom früheren Unparteiischen Franz-Xaver Wack sogar vorgeworfen wird, seit fünf Jahren vom System Amerell gewusst zu haben, sträubte sich gegen jede Einmischung.
Nachdem der Verband seinen Schiedsrichtern in Rainer Koch einen neuen Vizepräsidenten zuwies, stieß dieser immer wieder auf immensen Widerstand, wurde weder gehört noch eingeweiht. Als Roth die Kempter-Amerell-Affäre von Koch fernhielt, trat der Jurist aus Poing entrüstet zurück. Konsequenzen zog der Verband daraus keine - weil man Roth partout einen ehrenvollen Abgang beim Bundestag in Essen ermöglichen wollte? In Krisenzeiten schottete sich der Träger der Goldenen Ehrennadel des DFB gerne ab. Für die Öffentlichkeit war Roth, wenn überhaupt, nur über einen Festnetzanschluss seines Großhandelsunternehmens für Stahl und Sanitärartikel in Salzgitter erreichbar.
Dagegen war ihm die Medienschelte ein stetes Anliegen. Ganz so, als dürfe es in der guten Welt der Schiedsrichter nichts Böses geben. Schon im Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer soll Roth Informationen verschleppt haben, doch an ihn wagten sich die DFB-Bosse nicht heran - der Dienstherr von fast 80.000 Schiedsrichtern erschien schlicht zu mächtig.
Der in Chemnitz geborene Roth hat eine Musterkarriere hinter sich. Mit 16 Jahren pfiff er sein erstes Fußballspiel. Bis er am 6. Mai 1972 seine erste Bundesligapartie leitete, vergingen weitere 14 Jahre - damals lag das Mindestalter noch bei 30. In seinen 129 Ligaspielen zückte er nur zweimal die Rote Karte. Nun macht Volker Roth erstmals wohl selbst die bittere Erfahrung, ein Spiel nicht zum Ende bringen zu dürfen.
Mittlerweile wird über Roths vorzeitigen Rücktritt spekuliert - schon am Freitag oder beim vorgezogenen DFB-Bundestag am 30. April. Der DFB möchte sich zur Person Roth derzeit nicht äußern, doch die Frage stellt sich: Ist ein Schiedsrichterchef noch im Amt zu halten, wenn er am 17. Dezember von Michael Kempter mit den Vorwürfen gegen den damaligen Sprecher Manfred Amerell konfrontiert wird, aber erst am 15. Januar den DFB-Präsidenten Theo Zwanziger informiert?
Kritik wird nicht geduldet
Volker Roth beteuerte, er habe sich in der Causa nichts zuschulden kommen lassen - eine seltsame Eigenwahrnehmung des 68-Jährigen, der zusammen mit Amerell und dem Lehrwart Eugen Strigel das Schiedsrichterwesen als "Geheimbund" führt, wie der DFL-Präsident Reinhard Rauball kritisiert hat. Es gibt Schiedsrichter, die unverblümt sagen, dass Widerspruch gegen den Führungsstil der Troika in Gutsherrenart nicht geduldet wurde.
Am Ende hatte immer Volker Roth recht - so schilderte es Zwanziger. "Man hat stark dazu geneigt zu denken: Der Chef ist der Chef, und der Chef entscheidet." Zwanziger, selbst schwer unter Beschuss, klagte unlängst offen über die betonierten "klassischen Männerstrukturen". Und: "Das oberste Gebot ist, nur nicht das eigene Nest zu beschmutzen." Roth, dem vom früheren Unparteiischen Franz-Xaver Wack sogar vorgeworfen wird, seit fünf Jahren vom System Amerell gewusst zu haben, sträubte sich gegen jede Einmischung.
Verband zieht keine Konsequenzen
Nachdem der Verband seinen Schiedsrichtern in Rainer Koch einen neuen Vizepräsidenten zuwies, stieß dieser immer wieder auf immensen Widerstand, wurde weder gehört noch eingeweiht. Als Roth die Kempter-Amerell-Affäre von Koch fernhielt, trat der Jurist aus Poing entrüstet zurück. Konsequenzen zog der Verband daraus keine - weil man Roth partout einen ehrenvollen Abgang beim Bundestag in Essen ermöglichen wollte? In Krisenzeiten schottete sich der Träger der Goldenen Ehrennadel des DFB gerne ab. Für die Öffentlichkeit war Roth, wenn überhaupt, nur über einen Festnetzanschluss seines Großhandelsunternehmens für Stahl und Sanitärartikel in Salzgitter erreichbar.
Dagegen war ihm die Medienschelte ein stetes Anliegen. Ganz so, als dürfe es in der guten Welt der Schiedsrichter nichts Böses geben. Schon im Wettskandal um den Schiedsrichter Robert Hoyzer soll Roth Informationen verschleppt haben, doch an ihn wagten sich die DFB-Bosse nicht heran - der Dienstherr von fast 80.000 Schiedsrichtern erschien schlicht zu mächtig.
Der in Chemnitz geborene Roth hat eine Musterkarriere hinter sich. Mit 16 Jahren pfiff er sein erstes Fußballspiel. Bis er am 6. Mai 1972 seine erste Bundesligapartie leitete, vergingen weitere 14 Jahre - damals lag das Mindestalter noch bei 30. In seinen 129 Ligaspielen zückte er nur zweimal die Rote Karte. Nun macht Volker Roth erstmals wohl selbst die bittere Erfahrung, ein Spiel nicht zum Ende bringen zu dürfen.
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Viele Köche verderben den Brei!
Was ist mit der süddeutschen Verbandsspitze Dr. Rainer Koch? Musste er nach seinem Urlaub nicht etwa nach Frankfurt, weil er antreten musste, da bis zum Präsidenten durchgesickert war, dass er bereits lauthals herumposaunt hatte, dass er die Nachfolge von Dr. Zwanziger antreten wolle. Wenn es sein müsse, bereits in diesem Oktober. Und Dr. Koch – das Wissen nicht nur Insider – hat diese Unruhe genutzt, um auszusteigen! Vom innigen Verhältnis von Dr. Rainer Koch zu den Schiedsrichtern konnten sich die Pressevertreter auf jeder Tagung der Spitzen-Schiedsrichter überzeugen. Kein Wort. Spätestens im Oktober, dem nächsten DFB-Bundestag, hätte er sein Ressort abegeben müssen. Herbert Fandel hatte bereits deutlich angekündigt, dass er gerne die Nachfolge von Volker Roth antreten würde, nicht aber mit einem Dr. Koch als „Vertreter der Schiedsrichter“ im Präsidium. Dieser "Niederlage" wollte er zuvorkommen, hat er doch noch "einiges" vor sich. Oder wollte er nur seinen Arsch retten. Vielleicht sogar im wahrsten Sinne des Wortes …
Zwanz sicher
Die Art der Berichterstattung in den letzten Wochen ist unerträglich und nicht nachvollziehbar. Dr. Zwanziger ....., dass sich die Balken biegen. Er allein hat Angst um seine „Position“. Er ist eine Art Gott; meint er zumindest. Das eigentliche Problem, die vielen „undichten Stellen“ beim DFB, wird dabei vernachlässigt: Warum nur gelangen so viele geheime Informationen an die Öffentlichkeit? Erst die Vertragsdetails im Verhandlungspoker um Biehoff/Löw, dann die im „Fall Amerell“. Und dann das berühmte "Blatt Papier". Wie damals bei Schröder/Lafontaine!!!
DFB und so ...
Was Zwanziger angeht: Der hält in vielen Fällen gerne die liberale Fahne hoch, aber sobald es um die Wurst geht ist der Kerl der schlimmste Klüngelhannes. Egal ob beim Thema Depressionen, Homosexualität, Presse oder was weiß ich noch alles, der fordert und fördert gerne alles und jeden, umgesetzt wird aber nur was dem DFB nicht wehtut und in der Öffentlichkeit gut ankommt. Und sobald etwas nicht so läuft wie es ihm gefällt, sei es der Presseskandal um ihn oder die Verunglimpfungen von Hopp, wird direkt der Polizeistaat ausgerufen. Da war mir die korrupte alte Garde um solche Nasen wie MV dann doch irgendwie lieber, da wusste man immerhin woran man war.