Schienenverkehr Warum Güterzüge einen schweren Stand haben

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Das Ziel, mehr Güter auf die Schiene zu bringen, wurde bis jetzt nicht erreicht. Stattdessen nimmt der Lkw-Verkehr weiter zu. Doch die Regierung tut wenig gegen die Wettbewerbsnachteile der Bahn.

Im Güterverkehr schreibt die Bahn seit Jahren rote Zahlen. Bahnlobbyisten führen das unter anderem auf  Wettbewerbsnachteile gegenüber Straßentransporten zurück Foto: dpa
Im Güterverkehr schreibt die Bahn seit Jahren rote Zahlen. Bahnlobbyisten führen das unter anderem auf Wettbewerbsnachteile gegenüber Straßentransporten zurückFoto: dpa

Berlin - Mehr Fracht auf die Schiene – dieses Ziel haben sich schon viele Bundesregierungen gesetzt. Leider ist es meist bei Ankündigungen geblieben. So sollte mit der „Nachhaltigkeitsstrategie“ der Güterverkehr mit der klimafreundlichen Bahn zwischen 1997 und 2015 glatt verdoppelt werden und rund 25 Prozent des gesamten Frachtaufkommens erreichen. Erreicht wurden nur 17 Prozent. „Die Regierung hat ihr eigenes Nachhaltigkeitsziel schmerzhaft verfehlt“, kritisiert Dirk Flege von der Allianz pro Schiene, einem Bündnis von fast zwei Dutzend Umwelt- und Verkehrsorganisationen. Der Grund sei offensichtlich: „Es ist die lähmende Widersprüchlichkeit der deutschen Verkehrspolitik.“

So stiegen die Abgabelasten der Güterbahnen Jahr für Jahr, während der Lkw-Transport zuletzt sogar von einer Senkung der Maut profitierte. Der Handlungsbedarf wird auch von der Bundesregierung nicht bestritten. Kürzlich beklagte Umweltministerin Barbara Hendricks (SPD) den weiteren Anstieg der CO2-Emissionen im Verkehrssektor. Der seit Jahren größte Problembereich verursacht in Deutschland und global rund ein Viertel der Treibhausgasbelastung – mit steigender Tendenz. Denn während zwischen 1990 und 2014 der Treibhausgasausstoß im Wohnungssektor und in der Industrie um je ein Drittel und im Gewerbe- und Dienstleistungssektor sogar um mehr als die Hälfte sank, nahmen im Verkehr die CO2-Emissionen sogar leicht zu.

Deutschland droht sein CO2-Ziel zu verfehlen

Klar ist: So wird die Regierung das Ziel, den gesamten CO2-Ausstoß bis 2020 um 40 Prozent zu senken, deutlich verfehlen. „Wer Vorreiter beim Klimaschutz sein will, muss seine Hausaufgaben machen“, fordert die Allianz pro Schiene. Die wachsende Lkw-Flut gehöre zu den Hauptverursachern verkehrsbedingter Treibhausgase. Nötig sei die Abkehr von einer Politik, die Transporte auf der Straße bevorzuge und eine forcierte Verlagerung auf die Schiene. An guten Beispielen fehlt es nicht. So liegt Deutschland mit 17 Prozent Marktanteil der Güterbahnen zwar leicht über dem EU-Durchschnitt. Doch unsere deutschsprachigen Nachbarländer machen vor, was möglich ist. In Österreich laufen gut 30 Prozent der Transporte über die Schiene. Und im Bahn-Musterland Schweiz werden sogar fast 41 Prozent der Fracht per Bahn geliefert.

Auch in Deutschland gibt es Unternehmen, für die nachhaltige Logistik nicht nur ein Lippenbekenntnis ist. So schaffte es Henkel mit der Initiative „Von der Straße zur Schiene“, jedes Jahr mehr als 12 000 Lkw-Fahrten und 3000 Tonnen CO2 zu vermeiden. Dazu wurden die Schienenanschlüsse im Werk Wassertrüdingen in Franken erneuert und mit zwei Privatbahnen tägliche Pendelzüge zum 500 Kilometer entfernten Zentrallager in Monheim (NRW) vereinbart. Das klappt so gut, dass sich das anfängliche Transportvolumen verdoppelt hat und Henkel inzwischen auch bei Zulieferungen für die Produktion verstärkt auf die Schiene setzt.

Logistikexperte fordert intelligente Planung

„Die Bahn funktioniert und ist die einzige Möglichkeit, unsere Autobahnen nachhaltig zu entlasten und den CO2-Ausstoß zu senken“, so Henkel-Logistikstratege Klaus Engelmann. Ab täglich drei bis vier Ladungen und Entfernungen ab 500 km sei die Schiene eine lohnende Alternative, dafür aber sei eine intelligente Logistikplanung nötig. Engelmann kritisiert bürokratische Hürden bei Bahnprojekten, zudem gebe es unnötig viele Engpässe bei Bahnen und Infrastruktur. Markt und Politik müssten flexibler werden und große Firmen die richtigen Wege aufzeigen.

Davon ist bislang wenig zu sehen. Mit der Senkung der Lkw-Maut und der hohen Besteuerung von Bahnstrom hat die Bundesregierung selbst dazu beigetragen, dass die Schiene gegenüber der Straße weniger wettbewerbsfähig ist. Der Preisverfall beim Diesel hat diese Entwicklung noch verschärft. Bahnlobby und Klimaschützer fordern daher von Verkehrsminister Alexander Dobrindt (CSU) ein Umsteuern. „Eine der wichtigsten Maßnahmen für mehr Klimaschutz im Verkehr ist die Verlagerung von Güter auf die Bahn, bis 2050 wäre eine Verdoppelung machbar“, sagt Hubert Weiger, Chef des Umweltverbands BUND. Dazu fordert die Allianz pro Schiene unter anderem die Senkung der Stromsteuer für Bahnen und längere Güterzüge – aktuell sind meist nicht mehr als 750 Meter erlaubt. Doch Bundesregierung und Nutzfahrzeugbauer machen sich bislang vor allem für mehr Kapazitäten auf der Straße stark. Dobrindt will die rasche Zulassung von 25 Meter langen XXL-Lastern möglichst europaweit durchsetzen. Die Bahn schreibt derweil hohe Verluste im Frachtverkehr und will daher weitere Verladestellen schließen.