Schlecker Investor an Ex-Schlecker-Läden interessiert

Von Philipp Scheffbuch 

Der Österreicher Rudolf Haberleitner will im kommenden Jahr in Deutschland bis zu 600 frühere Filialen der Drogeriekette Schlecker anmieten, um sie mit dem Konzept eines modernen Tante Emma-Ladens unter einem neuen Namen wiederzueröffnen.

Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will ehemalige Schlecker-Filialen wiederbeleben Foto: dapd
Der österreichische Investor Rudolf Haberleitner will ehemalige Schlecker-Filialen wiederbelebenFoto: dapd

Stuttgart - Der Österreicher Investor Rudolf Haberleitner versucht gemeinsam mit dem Glücksspielkonzern Novomatic im deutschen Einzelhandel Fuß zu fassen. Beiden zusammen gehört zu jeweils gleichen Teilen die in Österreich neu gegründete Nahversorgerkette Dayli. Unter diesem Namen will Haberleitner auch in Deutschland agieren. Die Kette ist im vergangenen Sommer gegründet worden, als Haberleitners Investmentgesellschaft TAP 09 vom Schlecker-Insolvenzverwalter Arndt Geiwitz 1350 Standorte in den Ländern Österreich, Italien, Polen, Belgien und ­Luxemburg übernommen hat. Während den Verhandlungen über die Schlecker-Auslandstochter hat Geiwitz nach eigener Aussage Haberleitner Kooperationsbereitschaft signalisiert, falls der Österreicher auch am Deutschlandgeschäft interessiert sein sollte. Dies war in den vergangenen Monaten nicht der Fall. Schlecker Deutschland befindet sich inzwischen in der Liquidation.

Am Freitag nun – fast ein halbes Jahr nach dem endgültigen Aus für Schlecker in Deutschland – hat Rudolf Haberleitner dem „Handelsblatt“ gegenüber Interesse an 600 Standorten, hauptsächlich in Süddeutschland, angemeldet. Mit dem Insolvenzverfahren hat der Österreicher dabei wenig zu tun; es geht ihm allein um mögliche Mietverträge, die er aber mit den Immobilienbesitzern aushandeln muss. Viele der zu Jahresbeginn in Deutschland noch existierenden 5500 Schlecker-Filialen stehen bis heute leer, weil die Eigentümer keine neuen Interessenten gefunden haben. 84 Standorte habe er sich bereits gesichert, bis Ende 2013 könnten es bis zu 600 werden, sagte Haberleitner.

Rund die Hälfte der Gekündigten sucht nach Arbeit

Auch mit den Arbeitsverträgen der einst beim Drogerieriesen Schlecker Beschäftigten würde Dayli direkt nichts zu tun haben. Bundesweit suchen nach jüngsten Zahlen der Bundesagentur für Arbeit noch 11 900 ehemals bei Schlecker angestellte Personen nach Arbeit. Das ist rund die Hälfte aller Gekündigten. Haberleitner sagt zwar, dass er bis Ende 2013 in Deutschland 3000 Menschen beschäftigen will, ob Dayli jedoch den in der Mehrzahl über 50 Jahre alten einstigen Schlecker-Verkäuferinnen eine Chance geben wird, und wenn ja, zu welchen Konditionen, steht in den Sternen. Es hätten sich bereits zahlreiche Ex-Schlecker-Mitarbeiter bei ihm gemeldet, sagte Haberleitner gestern. Versprochen habe er nichts: „Wir werden die besten Leute akquirieren, die wir kriegen können“, sagte er. Schlecker hatte seine Mitarbeiter tariflich bezahlt. Viele Einzelhandelsketten bezahlen deutlich unter Tarif. Dies war bisher oft ein Hinderungsgrund für Vermittlungen der Bundesagentur für Arbeit, weil es den früheren Schlecker-Beschäftigten in den ersten Monaten der Arbeitslosigkeit gesetzlich noch nicht zugemutet werden darf, deutlich unter dem bisherigen Lohn zu arbeiten. Zu welchen Konditionen Daily arbeiten lassen wird, ist nicht bekannt.

Haberleitner fokussiert sich bislang auf die Kundensicht: „Für mich hat das Ganze keinen kaufmännischen Aspekt, es geht mir um den humanitären Gedanken“, sagte Haberleitner. Er wolle den Menschen den Nahversorger wiedergeben, da nach seiner Berechnung ein Drittel der Kunden keine Möglichkeit habe, zum Einkaufszentrum auf der grünen Wiese zu fahren.

Seine neuen Shops sollen in Städten ab 5000 Einwohnern im Zentrum alles bieten, was man für das tägliche Leben braucht: beispielsweise Drogerieartikel, Lebensmittel, Kleidung, Elektroartikel und Serviceleistungen wie eine Reinigung. Alles, was nicht im Laden vorrätig ist, soll laut Haberleitner über ein eigenes System dort für den nächsten Tag bestellt werden können: „Das haben wir uns schützen lassen.“ Zielgruppe seien neben älteren Menschen auch junge Leute ohne Auto. Die neuen Läden sollen zunächst in Südbayern, dem südlichen Baden-Württemberg, in Rheinland-Pfalz und Brandenburg entstehen. Geführt werden sollen die Filialen durch eine GmbH, die in Ehingen angesiedelt werden soll. Dort will Dayli auch das Regionallager Süd vom Schlecker-Insolvenzverwalter anmieten.

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