Schloss Salem
Internat will Popkonzerte verbieten
Wolfgang Messner,
22.02.2011 07:17 Uhr
""Da können wir so ein Remmidemi nicht gebrauchen.""
Robert Leicht, Vorsitzender des Trägervereins Salem
Diese Regelung betrifft selbst die bereits vertraglich feststehenden Auftritte international bekannter Künstler. So ist am 15. Juni im Hof von Schloss Salem ein Konzert mit David Garrett geplant. Zwei Tage später soll Hubert von Goisern an gleicher Stelle auftreten. Am 25. Juni ist Sting vor der Kulisse des ehemaligen Zisterzienserklosters gebucht; und am 8. Juli will der Songwriter David Blunt im Schlosshof in Salem auftreten.
Sting ja, Shakira nein
"Mir reicht schon Sting. Das Konzert mit Blunt sehen wir gar nicht", sagt Robert Leicht, der Vorstandsvorsitzende des Vereins Schule Schloss Salem. An diesem Tag finden im Langbau der Schule Klausuren statt. "Da können wir so ein Remmidemmi nicht gebrauchen", sagt der Exchefredakteur der "Zeit", der seit Juni 2010 den Trägerverein des Internats führt. Bestenfalls könne so ein Ereignis auf der gegenüber liegenden Festwiese stattfinden.
Bei Sting, einem der internationalen Topstars im Rock- und Popgeschäft, werde die Schule möglicherweise noch ausnahmsweise ein Auge zudrücken, aber nur dann, wenn der Veranstalter ein perfektes Sicherheitskonzept vorlegen könne. Die bisherigen von der Gemeinde, der Polizei in Friedrichshafen und der Feuerwehr des Bodenseekreises ausgearbeiteten Sicherheitspläne, die sich bereits bei mehreren Großkonzerten bewährt haben, genügten aus Sicht der Schule den Ansprüchen nicht, referiert Leicht. "Nach den Ereignissen von Duisburg benötigen wir ein vom Tüv überprüftes Verfahren", fordert der Trägervereinsvorsitzende.
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@ OhNo
Natürlich würde ich meine Vorbehalte genauso gegen große Klassik-Events richten. Ich beschäftige mich mit Klassik aber nicht, weil es nicht mein Ding ist.
@Siber
Ich habe 27 bei Salem gewohnt und mir fällt auf die schnelle kein Ort ein, wo man mal kurz ein Konzert dieser Größe aufziehen könnte. Wie bereits erwähnt verfügt der FC Salem leider nicht über ein Stadion mit einem Rasen, der sich kurz mal nach draussen fahren lässt. Natürlich haben Sie Recht wenn sie sagen die Veranstalter wollen die Kulisse nutzen, aber ist es bei einem Klassik Konzert im neuen Schloss nicht genau dasselbe? Wieso darf das eine sein, das andere aber nicht? Komischerweise fanden schon einige Konzerte am Schloss statt, und überraschenderweise steht das Schloss noch genauso da wie vorher! Wie erklären sie sich denn diesen Fakt? Lustigerweise scheint sich auch kein Schüler beklagt zu haben, bzw. seine Klausur angefechtet zu haben, weil er sich nicht konzentrieren konnte... oder um es mal mit einer ihnen verständlicheren Metapher auszudrücken: Wieso S21 wenn der es bisher doch auch ging?
@ su
Werter su, danke für den Einblick, den Sie mir in die mir in der Tat weitgehend unbekannte Welt des Internats Salem gewähren. Das ist aber wirklich ein eigenes Thema, das mit James Blunt u.ä. wenig zu tun hat. Meine Einwände gegen Großkonzerte vor historischer Kulisse gelten natürlich unabhängig davon. welches Schloss sich die Livekonzert-Industrie aussucht, ob Karlsruhe oder Stuttgart oder Hohenzollern. Ich habe dafür in erster Linie ästhetische Gründe. Ich empfinde die riesigen Bühnenbauten, die da hingestellt werden, als hässlich, und sie verstellen in der Regel den Blick auf große Teile der den Platz prägenden Architektur, die doch eigentlich als Kulisse dienen soll. Ich habe bewusst den Ausdruck "verschandeln" benutzt. Vollends grotesk wird es dann, wenn es für das als Kulisse dienende Gebäude, hier also Schloss Salem, keine nächtliche Lichtbestrahlung gibt, es also nach Einbruch der Dunkelheit gar nicht mehr zu sehen ist. Ich will aber nicht verhehlen, dass es auch positive Beispiele gibt, wo die Bühne relativ dezent ins Ambiente eingepasst und auch alles andere sorgfältig an die örtlichen Gegebenheiten angepasst und nicht einfach hingeklotzt ist, z.B. beim Sommerfestival auf Schloss Kapfenburg oder beim Open Air Konzert der Ludwigsburger Schlossfestspiele. Bei diesen beiden Events ist es aber so, dass nicht irgendwelche kommerziellen Großveranstalter das Sagen haben, sondern der "Hausherr", und das macht einen ganz wesentlichen Unterschied, was Ästhetik und Servicequalität für den zahlenden Besucher betrifft. Da weiß man dann auch, an wen man sich wenden kann, wenn man eine berechtigte Beschwerde hat, und man wird dann auch angehört. Bei kommerziellen Veranstaltern wirst du von gestressten und oft auch aggressiven Leuten von Pontius zu Pilatus geschickt und im Zweifelsfall ausgelacht. Und natürlich erzeugen diese Events oft auch Hinterlassenschaften und Schäden, die dann auf Kosten der öffentlichen Hand beseitigt werden müssen