Schneebilanz des Winters Der Winter im Originalformat
Erik Raidt, 17.03.2010 15:05 Uhr
So viele Tage mit durchgängig geschlossener Schneedecke wie dieses Jahr gab es in Stuttgart bisher nur fünf mal. Foto: dpa
So viele Tage mit durchgängig geschlossener Schneedecke wie dieses Jahr gab es in Stuttgart bisher nur fünf mal. Foto: dpa
""Unsere Region hat immer wieder Kaltluft polaren Ursprungs aus dem Norden angezapft.""
Christel Postuwka-Schluck, Deutscher Wetterdienst

Stuttgart - Diesmal ist es keine gute Idee gewesen, über Phil Witze zu machen. Am 2. Februar zog Bill Deeley, der Präsident des örtlichen Murmeltierclubs, das verschlafene Nagetier aus seinem Bau. Es war 7.22 Uhr Ortszeit im kleinen Örtchen Punxsutawney in Pennsylvania, und das blinzelnde Murmeltier sah im Sonnenlicht seinen Schatten - einer 124-jährigen Tradition zufolge ein untrügliches Zeichen dafür, dass der Winter noch bis Mitte März anhält. Wie immer lachten alle über Phil und den Medienauflauf vor dem Murmeltierbau.

Sechs Wochen später rechnet der Deutsche Wetterdienst (DWD) in Stuttgart mit dem Winter ab. Und wenn man die Daten bilanziert, bleibt kein anderer Schluss als dieser: Phil hatte verdammt recht. Die StZ-Grafik » zeigt, an welchen Tagen die Messstation am Flughafen eine geschlossene Schneedecke registrierte - die Höhe der Balken entspricht in Zentimetern der gemessenen Schneehöhe. Der Spitzenwert des Winters: 19 Zentimeter Schnee am 14.Januar.

Platz fünf der ewigen Bestenliste


Der Winter 2010 wurde zum Stammtischthema, weil sich viele über Kälte und Schnee aufregten. Dabei lag die Durchschnittstemperatur am Stuttgarter Flughafen mit 0,1 Grad im Normalbereich, genau wie die Menge an Niederschlägen. Ungewöhnlich ist nur die Zahl der Tage mit einer durchgängig geschlossenen Schneedecke: Mit 35 Tagen liegt der Winter 2009/ 2010 auf Platz fünf der ewigen Bestenliste, in der souverän der Winter 1962/63 mit 81 Tagen führt. Wer diesmal von Schneemassen gesprochen hat, gehört möglicherweise zur jüngeren Generation: Am 8. Februar 1958 lagen am Flughafen 50 Zentimeter Schnee.

Was den Winter diesmal so lange am Leben gehalten hat? "Unsere Region hat immer wieder Kaltluft polaren Ursprungs aus dem Norden angezapft", sagt Christel Postuwka-Schluck vom DWD. Die Meteorologen sprechen von einer Frontalzone - auf der einen Seite bleibt die Warmluft, auf der anderen Seite dieser "Trennlinie" ist es kälter. "Diesmal verlief diese Zone sehr weit südlich", erklärt die Meteorologin. Was dazu führte, dass es in Stuttgart im Februar und im März immer wieder schneite. Und sogar die Schönheit Barcelonas verschwand für wenige Tage unter Schnee. Doch damit ist jetzt vorerst Schluss. Stuttgart erlebt das Frühlingserwachen - von Mittwoch an wird es deutlich wärmer. In den nächsten Tagen erwartet der DWD Höchstwerte von bis zu 17 Grad.

Gute Zeiten für die Rückkehr der Zugvögel, die auf dem Weg in den Norden am Bodensee ihren Flug unterbrochen hatten. Die kleine Eiszeit endet, auch in Punxsutawney, Pennsylvania.

Die Grafik zeigt die Schneehöhe in Stuttgart im Winter 2009/2010 »
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