Schönes Kino-Indien: „Best Exotic Marigold Hotel 2“ Ein schöner Ort zum Sterben

Von Michael Werner 

Wer mobil ist, hat mehr vom Leben. Das hatten vor vier Jahren in der Komödie „Best Exotic Marigold Hotel“ britische Rentner entdeckt, die mit ihrem bisschen Geld nach Indien umzogen. In der Fortsetzung lassen sie es sich weiter gut gehen – Verwicklungen inbegriffen.

Sonny Kappoor (Dev Patel, l.) erklärt einem neuen Gast (Richard Gere) gerne die Vorzüge   seines Hotels für den letzten Lebensabschnitt. Foto: 20th Century Fox
Sonny Kappoor (Dev Patel, l.) erklärt einem neuen Gast (Richard Gere) gerne die Vorzüge seines Hotels für den letzten Lebensabschnitt.Foto: 20th Century Fox

Stuttgart - Sonny Kappoor, der liebenswert-chaotische Hotelmanager aus der hübschen Komödie „Best Exotic Marigold Hotel“, hat drei Jahre nach der Ver­öffentlichung der quirligen Indien-und­Altersgeschichte mehr Chaos am Hals als je zuvor: Erstens steht die baldige Hochzeit mit seiner patenten Freundin Sunaina bevor, zweitens plant der Junghotelier die Expansion seines auf Seniorenunterbringung spezialisierten Gastgewerbes. Und weil Sonny, den der ehemalige „Slumdog Millionnaire“ Dev Patel so hingebungsvoll wie komisch verkörpert, immer mehr will, als er hinkriegt, müssen seine angejahrten Hotelgäste alle tüchtig mit anpacken, was wiederum zu allerlei spaßigen Verwicklungen führt.

Wieder stellt Indien, um genau zu sein Jaipur, die flirrend bunte Kulisse für globale Jungmännerträume und eine womöglich speziell britische Art der Seniorensehnsucht. Aber „Best Exotic Marigold Hotel 2“ bannt nicht mehr wie der Vorgängerfilm mit dem wechselseitigen Kennenlernen und den An- und Abstoßungen zwischen Gästen und Gastgebern. Stattdessen überzeugt die Fortsetzung mit Alters-Alltag in neuer Kulisse.

Gepflegte Avancen und mieser Tee

„Best Exotic Marigold Hotel 2“ ist ein großer Schauspieler-Film, dessen Akteure, allen voran die großartige Judi Dench, das Alter mit einer Würde ausstatten, die zugleich rührt und unterhält. Die von ihr verkörperte Seniorin Evelyn Greenslade steigt mit Humor und Chuzpe als Einkäuferin ins Textilbusiness ein und begegnet gleichzeitig den gepflegten Avancen des Vorzeigegentlemans Douglas Ainslie (Bill Nighy) mit hehrer Herzenswärme.

Die harsche Hoteliersmutter Mrs. Kapoor (Lillete Dubey) schmilzt derweil munter dahin, weil diesmal der leibhaftige Richard Gere als ihr Verehrer mitmacht. Und Maggie Smith entwickelt ihre Figur Muriel Donnelly mit viel Liebe von der hinfälligen Rentnerin zur umtriebigen Vizemanagerin, die sogar in den USA um Investoren für ihr Hotel wirbt – nicht ohne die versammelte Managergilde barsch auf die Ungenießbarkeit des dort offerierten Tees hinzuweisen.

Willkommen in Fantasistan

So freut man sich mit den Senioren über ihre Erfolge, leidet mit ihnen bei Niederlagen und beginnt womöglich sogar kurz zu glauben, dass Indien tatsächlich so etwas sein könnte wie eine gut gelaunte Serviceoase für angejahrte Europäer in der Sinnkrise. Da gibt’s Rat in Liebesdingen von fröhlichen Mopedflickern, und der weise Taxifahrer erkennt sofort, dass seine gequält spätjugendliche Dauerkundin weder bei ihrem reichen Freund nach der Kreuzung rechts noch bei ihrem schwerreichen Freund nach der Kreuzung links glücklich ist, und so zeigt er der Verwöhnten stattdessen das gut kartografierte Leben der unteren Mittelschicht.

Wenn man jedoch bereit ist, die bunt leuchtende Kulisse dieses Films nicht als das real existierende Indien zu begreifen, sondern als überschwänglichen Entwurf eines berauschenden Fantasistans, dann kann einem dieser Film viel Vergnügen bereiten. „Why die here if you can die there? (Warum hier sterben, wenn Sie dort sterben können?)“, fragt im englischen Original der radikal witzige Dev Patel die Investoren in Amerika: Im „Best Exotic Marigold Hotel 2“ erhält die Frage nach dem besseren Sterbeort eine Relevanz, die keine Beklemmungen auslöst, sondern verblüffenderweise Hoffnung macht.

Best Exotic Marigold Hotel 2. USA 2015. Regie: John Madden. Mit Dev Patel, Maggie Smith, Judi Dench, Richard Gere, Bill Nighy, Celia Imrie, David Strathairn. Keine Altersbeschränkung.

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1 KommentarKommentar schreiben

filmkritik: und wieder grüßt das Murmeltier. Die sogenannten Filmkritiker aus Deutschland können nicht anders. Hat ein Film nichts mit deutscher Vergangenheit zu tun, seien es nun die Nazis oder die DDR Geschichte, dann sind Fantasie-Filme (auch noch von England) kaum einer guten Kritik würdig. Immer herumnörgeln und der Kritik ein schön verpacktes Expertenwissen beifügen. Ich vermisse die deutsche Filmkunst aus einer Zeit lange vor den Dinosauriern.

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