Schräglage Auf dem Bürgersteig im Burgerglück
Christine Keck, 27.06.2011 07:40 Uhr
Restauration im Freien – und die Großstadt macht ihre Musik dazu... Foto: Steinert
Restauration im Freien – und die Großstadt macht ihre Musik dazu... Foto: Steinert

Stuttgart - Mehr Straßenkreuzung beim Abendessen geht kaum. Beinahe Rücken an Motorhaube sitzt es sich im Bistro Schräglage - nur ein flaches Holzelement trennt den Gast auf dem Bürgersteig vom Verkehr auf dem Wilhelmsplatz. Da hupt und brummt es, während die Kellnerin die Essenswünsche aufnimmt. Zur urbanen Freiluftgastronomie gehören eben auch Abgase und Motorengeräusche an der Ampel. Das scheint niemanden zu stören. Die Restaurants drängeln sich am Rande des Platzes, halb Stuttgart flaniert dort abends vorbei, und das Angebot kann sich sehen lassen. Asiatisch, italienisch, schwäbisch - alles ist dabei und neuerdings auch die schnieke Burger- und Cocktailbude der beiden Betreiber Axel Steinbeck und Marco Sebastian. Ein Wasserrohrbruch hat sie zum Umzug genötigt. Fast fünf Jahre lang waren sie mit ihrem Club Schräglage am Marktplatz erfolgreich und das gleich auf mehreren Stockwerken. "Wir wollten mit dem Namen und dem Konzept weitermachen", sagt Axel Steinbeck und setzt auf einen Neuanfang in zwei Akten. Erst das Bistro, im September folgt voraussichtlich die Eröffnung des Clubs - nur ein paar Hundert Meter weiter.

Die Küche besticht durch die Geschwindigkeit, die Preise sind moderat. Aufs Haus geht das Schälchen Schnittlauchquark mit Baguette. Aus der überschaubaren Karte wählen wir eine Vorspeise: Crab Cake in Butter gebraten (für 3,90 Euro), serviert mit einem Paprikadip. Die duftenden Krabbenbällchen sind gewürzt mit Koriander, ihr Innerstes ist allerdings etwas teigig geraten. Statt gelbem Reis - wie angekündigt - gibt es ein paar weiße Körnchen als Beilage. Alles andere als aufregend ist die Quesadilla (6,90 Euro). Die zusammengeklappte Maistortilla ist gefüllt mit Pilzen, Zwiebeln, Paprika und reichlich Käse, dazu werden Patatas Bravas und Guacamole serviert. Das macht vor allem eins: satt. Wer Deftiges mag, sollte sich unbedingt an die Burger halten, die der mexikanische Koch Memo in allen Varianten brutzelt.

Wir entscheiden uns für den Lynchburger (9,90 Euro), benannt nach einer Kleinstadt in Tennessee, der Heimat der Jack Daniel Distillery. Das Hackfleisch wird mit einem Schuss Whiskey und Honig angebraten, der Burger mit Zwiebelringen und Speck verfeinert. Selbstverständlich gehören Pommes, Coleslaw (die amerikanisch-fettige Variante des Krautsalats) und Ketchup auch zum Tex-Mex-Glück. Der Clou der Kombibestellung ist die Lynchburg Limonade im Glaskrug. Die hat es in sich: Jack Daniel's, Triple Sec, Limetten- und Zitronensaft sowie reichlich Sprite. Die Limo passt zum lauen Sommerabend. Auch zu empfehlen ist der süffige Erdbeer Daiquiri (6,80 Euro), dekoriert mit einem Minzblatt. Die Stadt liefert die Begleitmusik zum Cocktailspaß - das Getöne der Feuerwehrautos, das Aufbrausen der Motorräder, das Türenschlagen am Taxistand. Und in der Schräglage sind zumindest draußen längst alle Plätze besetzt.

Die Bewertung

Küche ***

Service ***

Ambiente ****

***** = herausragend, **** = überdurchschnittlich, *** = gut, ** = Luft nach oben, * = viel zu verbessern

Die Beurteilung berücksichtigt auch das Preis-Leistungs-Verhältnis. Das günstige Lokal um die Ecke wird nach anderen Kriterien bewertet als ein Sternerestaurant. Der Test gibt Aufschluss über die Tagesform der Küche.

Schräglage Meals & More

Wilhelmsplatz 3, 70182 Stuttgart, Telefon 23849076, im Internet unter www.schraeglage.tv, geöffnet montags bis samstags ab 11 Uhr, sonntags ab 14 Uhr, wechselnde Mittagskarte, Außenbereich, Wlan-Hot-Spot

Über Tipps und Infos zum Thema Essen und Trinken in der Region freut sich die Redaktion (per E-Mail an d.eberhardt@stz.zgs.de).

Kommentare (1)
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JUL
29
Horst Schlemmer, 22:45 Uhr

Besuch vor Ort

Bei unserem Besuch in der Schräglage haben wir etwas anderes erlebt. 30 Minuten nach der Bestellung erhielten wir 2 von 3 bestellten Getränken. Nach 40 Minuten wurde der Salat serviert. Auf Nachfrage bekamen wir das 3. Getränk. Nach sage und schreibe 1 Stunde und 20 Minuten wurden die Burger serviert. Die Burger waren ausgesprochen lecker. Das Tempo in der Küche ist stark verbesserungsbedürftig. Derart lange Wartezeiten sind für uns nicht hinnehmbar. Das Lokal war zwar voll, aber dies ist keine Entschuldigung für die Wartezeit zu.

6
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