Schüler-Demo Von Polizeieinsatz nicht informiert
Wolfgang Schulz-Braunschmidt und Barbara Grüssinger, 01.10.2010 19:18 Uhr
Jugendliche schützen sich vor dem drohenden Strahl der Wasserwerfer. Foto: Zweygarth
Jugendliche schützen sich vor dem drohenden Strahl der Wasserwerfer. Foto: Zweygarth
""Höfliche Beamte sind durch Wasserwerfer und Pfeffersprayer ersetzt worden.""
Matthias von Hermann, Sprecher der Parkschützer

Stuttgart - Der Protest im Schlossgarten war friedlich, der Polizeieinsatz brutal", sagt Matthias von Herrmann, der Sprecher der Stuttgarter Parkschützer. Am Donnerstag seien hochgerüstete Polizisten in martialischen Darth-Vader-Kampfanzügen und Wasserwerfern gegen brave Kinder und Jugendliche bei einer harmlosen Sitzblockade vorgegangen. Scharf wies von Herfmann Behauptungen zurück, die Parkschützer hätten die Schüler in den Schlossgarten gelockt.

Deren Demonstration an diesem Ort sei offiziell angemeldet gewesen. "Offensichtlich sollen schwerwiegende Einsatzfehler der Polizei mit unhaltbaren Vorwürfen gegen uns vertuscht werden", so von Herrmann. Die Eskalation der Ereignisse im Schlossgarten habe allein die Polizeiführung zu verantworten. "Noch vor kurzem sind Sitzblockierer am Nordflügel von höflichen Polizeibeamten weggetragen worden. Diese sind nun durch Wasserwerfer und Pfeffersprayer ersetzt worden."

Herrmanns Sprecherkollegin Elke Edelkott kennt auch die andere Seite. Sie arbeitete früher in der Pressestelle der Stuttgarter Polizei. "Offenbar war dieser Einsatz sehr schlecht vorbereitet", sagt Edelkott. Mein Vertrauen in die Polizeiführung ist erschüttert", bekennt die ehemalige Sprecherin. Bis zu diesem überzogenen Einsatz sei die Stuttgarter Polizei wegen ihrer maßvollen Taktik nach dem Motto "so wenig Präsenz wie möglich und so viel wie nötig" bundesweit ein Vorbild gewesen.

"Wir wussten nicht, dass Polizei vor Ort sein würde"


Auch der Landesjugendring kritisiert das Vorgehen der Polizei. "Es ist zynisch, an einem Tag, für den eine Schülerdemonstration angekündigt war, so vorzugehen und hinterher zu behaupten, Kinder und Jugendliche würden instrumentalisiert," sagt der Vorsitzende Reiner Baur. Der Jugendoffensive gegen Stuttgart 21, die am vergangenen Donnerstag unter dem Motto "Bildung statt Prestigebahnhof" zu dem Jugendstreik aufgerufen hatte, war offenbar nicht bekannt, dass parallel zu ihrer angemeldeten Kundgebung ein Polizeieinsatz im Schlossgarten angesetzt war.

"Wir wussten nicht, dass Polizei vor Ort sein würde", sagt Evelyn Stojanova, eine Sprecherin der Initiative. Zwar habe man am Vorabend Gerüchte gehört, dass Fällfahrzeuge am Donnerstagnachmittag anrücken sollten. "Aber wir dachten: die werden doch nicht so doof sein, mit dem Bäumefällen zu beginnen, wenn eine Demonstration angemeldet worden ist." Seit August sei die Planung für den Schülerstreik gelaufen, vor mehr als einem Monat sei der Termin festgelegt und vor Tagen die Kundgebung angemeldet worden. Deshalb hätten die Organisatoren des Streiks die Kundgebung auch nicht verschoben. "Uns wurde nicht mitgeteilt, dass es einen Polizeieinsatz gibt, sonst hätten wir entsprechende Vorkehrungen getroffen oder die Aktion verlegt", so Stojanova.

Das Amt für öffentliche Ordnung bestätigt die Aussagen der Initiative: demnach war der Schülerstreik seit dem 24. September angemeldet. Auch die vorgegebene Route - ausgehend von der Lautenschlagerstraße durch die Innenstadt zur Abschlusskundgebung im Schlossgarten - war genehmigt worden. Allerdings tauchten die mehr als Tausend Jugendlichen früher als geplant im Schlossgarten auf - und der Lautsprecherwagen der Initiative wurde nicht durchgelassen. "Ich habe mit dem Einsatzleiter gesprochen", erzählt Stojanova. "Er meinte, er habe Anordnung von ganz oben, niemanden durchzulassen."
Kommentare (55)
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OKT
03
Christa Neff, 15:33 Uhr

Kommentar von Schülerrat

Kann Ihnen eigentlich nur zustimmen. Bis jetzt hat es immer geheißen dass die Schlusskundgebung um 17.00 Uhr im Schlosspark stattfindet. Ich denke auch dass da ausreichend Zeit gewesen wäre einen großen Teil der Absperrung anzubringen. Da die S21-Gegner aber immer von Krieg, Gewalt, Kampf und Randale gesprochen haben wenn man drangeht die Bäume zu fällen und die Polizei weiß dass die Gegner sehr gut vernetzt sind und zu erwarten war dass sehr viele kommen hat sie einfach vorgesorgt. Auch muss man bemängeln dass die Jugendlichen ihre vorgegebene Route verlassen und die Demo abgebrochen haben. Aber ganz bestimmt nicht auf Veranlassung von Herrn Mappus, Rech und Co. Das haben sie freiwillig und auf Veranlasser von Parkschützer und Kohorten getan. Desweiteren verstehe ich von den S21-Gegnern nicht dass sie die Jugendlichen nicht weggeschickt haben wenn sie schon diese furchterregenden Kampfanzüge und die Wasserwerfer gesehen haben. Desweiteren warum sie die Jugendlichen und Alten ganz vorne an die Front geschickt haben. Es muss doch so sein. Denn außer Kindern (?) und Alten ist ja, laut den S21-Gegnern, niemand sonst verletzt und von der Polizei gewalttätig angegriffen worden. (?) Der Rest der Demonstranten waren Hasenfüße und Feiglinge oder was? Im übrigen finde ich den Kommentar von "Hägar" dem Namen nach recht bezeichnend.

OKT
03
Christa Neff, 15:05 Uhr

Kommentar zu Gerd Reinehr

Sehr geehrter Herr Reinehr, ich habe schon immer mit meinem vollen Namen geschrieben. Wenn Sie nun Vornamen als nicht anonym bezeichnen ist das Ihre Sache (außerdem schreiben genausoviele S21-Gegner anonym). Desweiteren schreiben Sie ja auch zu Gunsten der S21-Gegner da brauchen SIE auch KEINE Repressalien befürchten. Ich habe Droh- und Schmähbriefe bekommen. Also kann ich davon ausgehen dass die S21-Gegner auch meine Adresse haben. Da ich in ein paar Jahren in Rente gehe habe ich eigentlich keine Angst aber es gibt bestimmt auch S21-Befürworter die Familie haben und diese schützen wollen. Das nur zu diesen friedlichen Demonstranten. Diese Aktionen stehen leider nicht in der Zeitung und werden nur in internen Foren von Parkschützern und Kohorten bekanntgemacht. Vielleicht informieren Sie sich mal dort als irgendwas ungeprüft zu übernehmen. Danke. Christa Neff, eine stolze Befürworterin

OKT
03
Christa Neff, 14:47 Uhr

Kommentar von Klartext am 2.10.2010

Ich fürche es ist reine Zeitverschwendung diese niveaulosen Kommentare zu kommentieren. Die S21-Gegner biegen sich IHR Recht ohnehin so zurecht wie sie es wollen. Dass dieser "glatzköpfige Polizist" eine Kamera in der Hand gehalten hat und deswegen so angegangen wird ist für die Gegner von S21 völlig sekundär. Vermutlich ging es auch anderen Polizisten so die eine Kamera hatten. Man kann ja Schirme und Planen oder Hände oder dgl. davorhalten. Deswegen sind sich die S21-Gegner auch so sicher dass keine Videos von Randalierern bestehen. Sollte es doch so sein dann sind das ja selbstverständlich von der Polizei oder den S21-Befürwortern einschleuste Krawallmachern. Hauptsache ist doch dass man jetzt primär über die Polizei und die Politiker herziehen kann. Wenn man nicht mal weiß was Demonstration und Streik ist dann weiß man auch das weitere. Dazu kommt dass man einen negativen Bericht von den S21-Gegnern vervielfältigt ohne ihn zu hinterfragen. Das brauchen die S21-Gegner natürlich nicht, die sind ja auch sonst so ehrlich. Manchmal wünsche ich mir dass diese Anführer an die Regierung kommen dass dieser geistigen Elite die ihnen hinterherlaufen aufgeht was Realität ist. P.S. Wenn die S21-Gegner nicht immer von Krieg und Kampf und Randale gesprochen hätten wäre es vielleicht auch nicht so eskaliert und die Polizei nicht in so "furchteinflößenden Kampfanzügen" und "Oh welcher Schock" Wasserwerfern angetreten wäre. Aber ich muss ehrlich gestehen dass ich es auch nicht einsehe dass die Polizei ihre Gesundheit wegen diesen friedlichen Demonstranten aufs Spiel setzt.

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