Schülerdemonstration Ministerium lässt ermitteln
Renate Allgöwer, 05.10.2010 07:31 Uhr
Schüler dürfen für Demonstrationen nicht beurlaubt werden. Wer dennoch demonstriert, schwänzt. Foto: dpa
Schüler dürfen für Demonstrationen nicht beurlaubt werden. Wer dennoch demonstriert, schwänzt. Foto: dpa
""Das können wir nicht akzeptieren." "
Kultusministerin Marion Schick (CDU)

Stuttgart - Die Schülerdemonstration gegen das Bahnprojekt Stuttgart 21 am Donnerstagmorgen » kann für Lehrer wie für Schüler disziplinarische Folgen haben. Kultusministerin Marion Schick (CDU) hat an Eltern appelliert, ihre Kinder nicht für den Protest zu instrumentalisieren. Schüler und Jugendliche dürften nicht in Situationen gebracht werden, "wo sie unter Umständen Grenzen der friedlichen Auseinandersetzung überschreiten", hatte Schick schon nach der Demonstration gesagt. Sollten Lehrer aktiv dazu beigetragen haben, dass Schüler während der Unterrichtszeit an der Demonstration teilgenommen hätten, hätten sie ihre pädagogische Verantwortung missachtet und ihre Dienstpflichten massiv verletzt, erklärte Schick. "Das können wir nicht akzeptieren", sagte die Ministerin. Dasselbe gelt für den Fall, dass Lehrer während ihrer Arbeitszeit selbst an der Demonstration teilgenommen hätten.

Schüler dürfen für Demonstrationen nicht beurlaubt werden, erklärte ein Sprecher Schicks. "Schulen sind politisch neutral." Wer dennoch demonstriert, schwänzt. Es komme den Schulen als staatlichen Dienststellen nicht zu, politische Demonstrationen nach ihrer Bedeutung zu bewerten, und manche Demonstrationen als Beurlaubungsgründe anzuerkennen und andere nicht. Andererseits wollen Schulen die Beteiligung Jugendlicher an aktuellen Diskussionen fördern. Wenn sich Schüler für etwas einsetzen, zeige das, dass sie eine aktive Rolle als Staatsbürger übernehmen, betont das Kultusministerium. Aber das sollen sie in ihrer Freizeit tun.

Das Kultusministerium erwartet von den Schulleitern eine strenge Linie. Zwar sollten sie "nach pädagogischen Kriterien reagieren", also beispielsweise in Gesprächen auf die Schüler einwirken, oder sie eventuell den Unterricht nachholen lassen. Ob Ordnungsmaßnahmen notwendig seien oder ob pädagogische Erziehungsmaßnahmen ausreichen, müsse die Schule entscheiden. Über das Schwänzen der Schüler hinwegsehen soll sie aber nicht. Die Schule sollte auf solche Pflichtverletzungen reagieren, empfiehlt das Ministerium. Das diene auch der Vorbereitung auf das Berufsleben. Vom Arbeitsplatz könne man schließlich auch nicht unentschuldigt fern bleiben.

Kommentare (71)
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OKT
08
Antonietta Ferri, 11:02 Uhr

Schülerdemonstration

Eine Demokratie (es zeigt sich ja zu zeit das wir schon lang keine mehr haben) braucht man Menschen die kritisch und eigenständig denken, handeln und sich mutig äußern. Das haben die Schüler mit der Demonstration getan. Voll bewußt in Ihrer Unterrichtszeit. Schülerstreik. Wir passen uns da nicht an. Was hier das Oberschulamt macht, brauche ich nicht näher darauf eingehen. Das der Staat lieber angepaßte Bürger regiert das ist ja offensichtlich. Die Staatschulen fördern angepaßtheit in jede Richtung. Das zeigt sich in den Tatsachen dieser Tage. Sie sind Vorarbeiter für dieses von Macht bestimmtes System. Verantwortung kennt dieses System nicht. Es hat nur das Ziel angepaßte, nicht selbständig denkende, und ängstliche Menschen aus den Schulen zu entlassen die für Marktwirtschaftliche Interessen verfeuert werden. Beruflich bin ich Erzieherrin. Auch schon in der Vorschulerziehung weht dieser Wind. Wie soll es auch anderst sein, Erzieher und Lehrer zweifeln dieses Sysem kaum an, und passen sich brav an. Auch auf Kosten der Kinder. Verantwortungslosigkeit. Die Lehrer die auf die Schülerdemo mitgegangen sind. Hut ab. Prima. Weiterso.

OKT
06
Waldgeist, 22:13 Uhr

Konservativer Bockmist

Bezeichnend ist folgender Satz: "Das diene auch der Vorbereitung auf das Berufsleben. Vom Arbeitsplatz könne man schließlich auch nicht unentschuldigt fern bleiben." Nun wird also das gesamte Bildungswesen ausschließlich daran gemessen, was im Berufsleben "erwünscht" ist. Traurig. Wir sollten stolz sein auf Schüler, die sich schon in jungen Jahren politisch engagieren. Abgesehen davon: ich für meinen Teil kann sehr wohl an meinem Arbeitsplatz "unentschuldigt fernbleiben", solange das Ergebnis stimmt. Also stimmt diese Verallgemeinerung noch nicht einmal für alle Beschäftigungsverhältnisse.

OKT
06
Dtrix, 16:13 Uhr

Oh je!

Wo ist das Problem? Schüler haben das Recht zu streiken, demonstrieren und all das zu tun, wozu sie Lust haben. Sie müssen dann eben auch die Konsequenzen tragen. Denjenigen, den es mit der Demonstration ernst war, wird es nichts ausmachen, ein oder zwei Stündchen zum Nacharbeiten zu kommen. Allen anderen ging es wohl eher um "blau" machen. Demokratie gibt es eben nicht umsonst. Oder sollen wir jetzt allen Schülern, die im Sommer auf dem Markplatz beim Kaffeetrinken sitzen und mit einem Schildchen gegen die Klimaerwärmung demonstrieren, einen Freifahrtsschein ausstellen? Wer entscheidet, welche Demonstration "gut" und welche "schlecht" ist? Im aktuellen Fall anscheinend die Projektgegner. Wie durchschaubar und billig!

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