Schülerprogramm „Your Turn“ in Stuttgart Chefs von morgen treffen Chefs von heute

In dem Schülerprogramm „Your Turn“ lernen 13- bis 15-Jährige aus Stuttgarter Schulen von Führungskräften, aber nicht nur, wie man eine wird. Und die Chefs und Chefinnen bekommen auch was auf die Ohren.

Wie bekommt man den Gast zum Reden und den Zollstock auf den Boden? Schlau und einfühlsam kommt man weiter, nicht nur bei„Your Turn“. Foto: Lichtgut/Zweygarth/Stadtmüller
Wie bekommt man den Gast zum Reden und den Zollstock auf den Boden? Schlau und einfühlsam kommt man weiter, nicht nur bei„Your Turn“. Foto: Lichtgut/Zweygarth/Stadtmüller

Stuttgart - Wenn 30 Schüler versuchen, einen ausgeklappten Zollstock gemeinsam auf je einem Finger balancierend auf den Boden zu legen, dann klappt das erst mal nicht. Es wird gekichert und gemeckert. Aber der Zollstock plumpst zig mal auf den Teppichboden. Wenn der chaotische Haufen allerdings ein Kommando ausmacht, sich konzentriert und gemeinsam dasselbe tut, gelingt es. Und das macht Spaß. Erfolg motiviert.

Das haben die 30 Stuttgarter Schüler zwischen 13 und 15 Jahren beim dreitägigen Programm „Du bist dran – Your Turn“ eindrucksvoll gelernt. Organisiert wurde „Your turn“ von Common Purpose, einer gemeinnützigen Organisation, die weltweit Führungskräfteseminare anbietet. „Ziel von Common Purpose ist es, Menschen dafür zu begeistern, einen Beitrag zum Gemeinwesen zu leisten. Dafür bringen wir Menschen zusammen, die sich sonst nicht begegnen würden, die aber voneinander lernen können“, erklärte Julika Rollin, Geschäftsführerin von Common Purpose Deutschland. Das galt auch für die Schüler, die am Mittwoch im Pressehaus waren, das damit wie das Polizeipräsidium und das Haus der Katholischen Kirche ein Veranstaltungsort war. Unterstützt wird „Your turn“ auch von der Karl-Schlecht-Stiftung.

Wie wird man Führungskraft?

Die 30 Jugendlichen kamen aus sechs verschiedenen Schulen. Ihre Lehrer haben sie entsandt, weil sie ihnen etwas zutrauen. Die Projektleiterin Johanna Block: „Toll ist zu sehen, dass sie nach drei Tagen schon Antennen ausgebildet haben. Die Schüler entdecken sich als Gestalter in den Arbeitsgruppen, Spielen oder Diskussionsrunden. Und da wollen wir ja auch hin.“

Aber wie wird man denn nun Führungskraft? In einem kleinen Film wurde ein „einsamer Vollidiot“ beim Tanzen gezeigt; umringt von auf der Wiese fläzenden Jugendlichen. Ein zweiter gesellte sich dazu, nach und nach folgten weitere, bis die Tänzer in der Überzahl waren. So entstehen Trends: Einer muss eine gute Idee haben, aber er braucht Leute, die mitmachen.

Etwas selbst in die Hand nehmen

Arme Verrückte waren es natürlich nicht, die von den Schülern ausgefragt wurden – sondern Führungskräfte: Ottilie Bälz, die den Bereich Gesellschaft bei der Robert Bosch Stiftung leitet: „Wozu sollte ich den meine Mitarbeiter motivieren. Die arbeiten doch auch so?“ Nele, 13 Jahre, meinte: „Wenn man andere motiviert, motiviert das auch einen selbst.“ Die Schülerin der Freien Evangelischen Schule Stuttgart hat Führungsqualität bewiesen: Weil sie fand, dass in ihrer Straße ein Fest nur für Kinder stattfinden sollte, hat sie es kurzerhand selbst organisiert.

„Mich motiviert es, zu wissen, dass ich helfen kann“, sagte Johannes, ein Schüler des Wirtemberg-Gymnasiums, im Austausch mit Sabine Pohlner, Fachdienstleiterin Suchtberatung und- Behandlung beim Caritasverband. Erfolg motiviert. Was aber ist, wenn es nicht so klappt? Swantje Dake, die sich den Online-Auftritt der Stuttgarter Zeitung und der Stuttgarter Nachrichten verantwortet: „Ich weiß, dass Fehler passieren. Und wenn das so ist, muss man hinstehen und das zugeben“, sagte sie. Dafür brauche es Offenheit im Team.

Begeisterung wecken

Nico, ein Schüler der Fritz-Leonhardt-Realschule, fragte Dominik Hermet, Geschäftsführer des Sportkreises Stuttgart, nach seinem Einfluss auf die Gesellschaft. Hermet: „Ein ganz konkretes Beispiel: nächstes Jahr findet eine große Radsportveranstaltung in Stuttgart statt, weil es uns gelungen ist, eine Fraktion im Gemeinderat zu begeistern, obwohl das Rathaus selbst erst nicht recht wollte. Wir konnten am Ende offenbar alle so motivieren, dass wir auch überzeugen konnten.“