Schüsse in Bietigheim-Bissingen Womöglich wieder Türken gegen Kurden

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Es spricht einiges dafür, dass die Schüsse in der Nacht zum Samstag vor einem Lokal in Bietigheim-Ellental ein weitere Eskalation sein könnten in der Reihe von Auseinandersetzungen zwischen Kurden und Türken. Das hat das Landeskriminalamt Baden-Württemberg jetzt erklärt. Die Ermittlungen laufen indes noch. Konkrete Ergebnisse liegen bis dato nicht vor.

Die Schüsse in der Nacht zum Samstag in Bietigheim haben ein paar parkende Autos getroffen. Foto: SDMG
Die Schüsse in der Nacht zum Samstag in Bietigheim haben ein paar parkende Autos getroffen. Foto: SDMG

Bietigheim-Bissingen - Die Ermittlungsgruppe, die sich mit den Schüssen von Freitagnacht im Bietigheimer Ellental befasst, ist beim Landeskriminalamt (LKA) im Bereich Organisierte Kriminalität angesiedelt. Denn es spreche „einiges dafür“, dass der Streit von zwei Personengruppen vor einer Gaststätte ein weiteres Glied sein könnte in der Reihe von Auseinandersetzungen zwischen türkisch- und kurdischstämmigen Tätern. Das sagt der Pressesprecher des LKA Baden-Württemberg, Ulrich Heffner, auf Anfrage dieser Zeitung.

Zwei vermutlich rockerähnliche Gruppen waren, wie berichtet, in der Nacht von Freitag auf Samstag vor einer Gaststätte im Ellental in einen Streit geraten. Dabei waren die Schüsse gefallen. Kurz vor Mitternacht am Freitag hatte sich ein 24-jähriger Deutscher mit türkischen Wurzeln mit seinen Begleitern vor dem Lokal unterhalten. Aus bisher nicht geklärter Ursache waren die Männer mit einer weiteren Gruppe von Männern im Alter zwischen 20 und 30 Jahren aneinandergeraten. Ob es sich bei dieser Gruppe tatsächlich um kurdischstämmige Männer handelt, kann oder will der LKA-Sprecher Heffner indes nicht sagen. Einer der Männer aus der zweiten Gruppe jedenfalls feuerte mehrere Schüsse aus einer Waffe ab. Verletzt wurde niemand. Die Schüsse trafen geparkte Autos. An den Wagen entstand ein Schaden in Höhe von rund 7000 Euro.

„Wir ordnen den Vorfall dem rockerähnlichen Milieu zu.“

„Wir ordnen den Vorfall dem rockerähnlichen Milieu zu“, so Heffner. Weshalb es zu dem Streit kam und wie dieser im Detail verlief, sei völlig unklar. Immer wieder kommt es im Kreis Ludwigsburg und in der Region Stuttgart zu Auseinandersetzungen zwischen solchen „rockerähnlichen Gruppen“. Heffner sagt, die Tat von Freitagnacht erinnere ihn an eine Festnahme von Mitte Dezember: Damals waren drei Männer festgesetzt worden, es ging um den Raub von Schmuck und um Hehlerei. Alle drei Beschuldigten, hieß es in einer Pressemitteilung des LKA im Dezember, würden der rockerähnlichen Gruppierung Osmanen Germania zugerechnet. Diese national-türkisch ausgerichtete Gruppierung falle zurzeit im Großraum Stuttgart vor allem durch Machtdemonstrationen und Auseinandersetzungen mit der kurdisch geprägten Gruppe Bahoz auf. Zwar sind weder Osmanen Germania noch Bahoz systematisch im Rotlicht- oder Drogenmilieu tätig, um sich zu finanzieren – wie man es von etablierten Rockerclubs kennt. Doch einzelne Mitglieder steigen offenbar in dieses Geschäft ein.

Die Stadt Ludwigsburg ist offenbar zu einer Spielwiese geworden für Migrantengruppen, die auch ihre politischen Konflikte fern der alten Heimat ausfechten. Die jungen Männer verabreden sich offensichtlich blitzschnell per Whatsapp.

„Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik.“

Im November haben rund 30 dunkel gekleidete Männer beim Ludwigsburger Bahnhof auf einen Kurden eingeschlagen. Einem türkischstämmigen Inhaber einer Pizzeria wurde das Auto angezündet. Regelmäßig kommt es zu Rangeleien, Schlägereien und Pöbeleien. Die Polizei setzt auf massive Präsenz. Im November hat der Sprecher der Polizei in Ludwigsburg, Peter Widenhorn, erklärt: „Wir verfolgen eine Null-Toleranz-Politik.“ Regelmäßig würden Autos kontrolliert, mitunter Waffen gefunden, etwa Schlagstöcke, Gaspistolen, Macheten und Schlagringe.

Die Ermittlungen zu dem Schüssen in der Nacht zum Samstag in Bietigheim liefen indes noch, sagt Heffner. Konkrete Ergebnisse lägen bis dato nicht vor.