Schuldenrekord beschlossen Die Nacht der roten Zahlen
dpa, vom 05.03.2010 07:28 Uhr
Finanzminister Wolfgang Schäuble musste ausgerechnet die Schlussverhandlungen über seinen Etat vom Krankenbett aus verfolgen. Foto: apd
Berlin - Gut 14 Stunden dauerte die Schlussrunde, dann war der erste Haushalt der schwarz-gelben Koalition unter Dach und Fach - und ein neuer Schuldenrekord amtlich. Bis zum frühen Freitagmorgen wurde um jeden Posten gerungen. Das bekam auch die Ministerriege zu spüren. Lange mussten die Ressortchefs von Union und FDP auf einen Auftritt vor dem Haushaltsausschuss des Bundestages warten, um ein letztes Mal für ihren Etat zu kämpfen. Immer wieder kam es zu Verzögerungen. Vor Sitzungssaal 2.400 schien zeitweise das halbe Kabinett versammelt, teils im Dunkeln bei ausgeschaltetem Licht.
Am Ende der ungewöhnlich langen "Bereinigungssitzung" klopften sich die Haushaltspolitiker der Koalition dann stolz auf die Schulter. Sie haben ihr Ziel erreicht und können die erhoffte Botschaft verkünden: Die Neuverschuldung wurde 2010 von 85,8 Milliarden im Entwurf auf 80,2 Milliarden gedrückt. Das ist zwar immer noch ein einsamer Rekordwert, aber die Schuldenexplosion fällt weniger schlimm aus als befürchtet. Die Opposition winkt - nicht nur wegen des Verhandlungsmarathons - müde ab: Die nun geringere Verschuldung sei fast ohne Sparanstrengungen möglich gewesen und nur Folge bloßer Anpassungen an neue Wachstumsprognosen. Vor allem aber schweige die Koalition weiter über den künftigen Sparkurs ab 2011.
Schäuble muss länger als erwartet in der Klinik bleiben
Finanzminister Wolfgang Schäuble musste ausgerechnet die Schlussverhandlungen über seinen Etat vom Krankenbett aus verfolgen. Den Attacken der Opposition konnte er so nur wenig entgegensetzen. Knapp vier Monate nach Amtsübernahme ist die Schonfrist für den 67-jährigen CDU-Politiker vorbei. Auch der längere Klinikaufenthalt Schäubles hindert SPD, Grüne und Linke nicht, den Ton zu verschärfen.
Natürlich lässt sich Schäuble, der nach einem Eingriff länger als erwartet im Krankenhaus bleiben muss, regelmäßig auf dem Laufenden halten - ob Griechenland-Krise, Etat 2010, die parallel laufenden Haushaltsverhandlungen für 2011 oder der Dauerstreit um illegal beschaffte Daten über Steuerbetrüger. Im Finanzministerium hofft man, dass Schäuble bei der abschließenden Etat-Beratung des Bundestages Mitte März wieder an seinem Schreibtisch an der Wilhelmstraße sitzt.
Dann kann er auch im Plenum auf Vorwürfe reagieren, er lasse die Bürger weiter im Unklaren über den drastischen Sparkurs. Zuletzt hatte Schäuble "schwerwiegende Entscheidungen" und Einschnitte auch bei gesetzlichen Leistungen für die Zeit ab 2011 angekündigt. Auch seine Ressortkollegen stimmte der Minister auf eines der größten Sparpakete der Nachkriegsgeschichte und einen "Wendepunkt" ein. Nur zu Details halten er und die zerstrittenen Koalitionäre sich bedeckt.
Im Mai wird in Nordrhein-Westfalen gewählt
Das wird noch mindestens bis Mai der Fall sein. Dann steht die nächste Steuerschätzung an. Vor allem aber ist dann Landtagswahl in Nordrhein-Westfalen. Die schwarz-gelbe Mehrheit in Düsseldorf wackelt und damit auch die Mehrheit von Union und FDP im Bundesrat. Experten sind sich einig, dass die Mai-Steuerschätzung wenig Überraschungen bringen wird. Für sie ist der ständige Verweis auf die neue Einnahmeprognose für die nächsten Jahre im Mai nur eine Ausrede.
Auf die Vorlage einer neuen Finanzplanung bis 2013/14 hat die Koalition bisher verzichtet. Sie soll mit dem Etatentwurf für 2011 bis zur Sommerpause kommen. Spätestens dann muss Schäuble erklären, wie er die Schuldenbremse einhalten, das Maastricht-Defizit senken, weitere Milliarden-Steuersenkungen finanzieren und die angestrebte Einführung einer Kopfpauschale in der Gesetzlichen Krankenversicherung finanzieren will. Allein, um die Schuldenbremse zu erfüllen, muss der Bund jährlich zehn Milliarden Euro sparen.
"2010 ist ein verschenktes Jahr, da die Regierung keinen einzigen Sparvorschlag gemacht hat", kritisierte SPD-Haushaltsexperte Carsten Schneider. Dass noch nichts auf dem Tisch liege, gleiche einem "finanzpolitischen Himmelfahrtskommando". Auch Grünen-Experte Alexander Bonde wirft Schäuble Versagen vor. Es spreche für wenig Autorität des Ministers, wenn 2010 nicht viel mehr passiere, als ein paar zu hoch angesetzte Ausgabenposten zu korrigieren. Und das nur, weil die Konjunktur besser läuft und weniger Zinsen fällig werden.
Toll. Und wie lange soll sich diese Spirale, der ständigen neuen Staatsverschuldung noch drehen? Sind es doch die Bürger dieser Republik,
welche im Endeffekt, für den Abbau dieses horrenden Schuldenbergs, den Buckel herhalten müssen. Dies war doch bisher immer der Fall !
Natürlich wird die Bundesregierung sich hüten bereits jetzt schon herauszulassen,(da ja noch die eine wie andere Landtagswahl ansteht) wo sie den Rotstift zuerst, ansetzen wird.
Aber wenn es soweit ist, wird nicht nur ein Raunen der Empörung, durch diesen Staat gehen.
Und ob die Oppositionsparteien von SPD, Grünen, wie auch der Linkspartei, es in dem einem wie anderen Fall " besser" gemacht hätten, dürfte, bzw. muß man stark anzweifeln.
10:08Autoritär regiertes Turkmenistan wählt Präsidenten »
Aschchabad - Bei der Präsidentenwahl im autoritär regierten Turkmenistan steht Amtsinhaber Gurbanguly Berdymuchammedow vor einer haushohen Wiederwahl. Die sieben übrigen Bewerber in der gasreichen Ex-Sowjetrepublik in Mittelasien gelten als regierungsnahe Zählkandidaten. An allen Wahllokalen herrsche Volksfeststimmung, berichteten Staatsmedien. Auf Erlass Berdymuchammedows gibt es überall Konzerte und Auftritte von Artisten. Kritiker werfen dem 54-Jährigen Menschenrechtsverletzungen sowie die Unterdrückung von Andersdenkenden vor. Es gibt keine freie Presse in Turkmenistan.
10:02Anna Maria Mühe als Shooting Star 2012 »
Berlin - Schauspielerin Anna Maria Mühe wird bei der Berlinale 2012 als einer der Shooting Star Europas geehrt. Die zehn ausgewählten Nachwuchsschauspieler dürfen sich im Festival-Palast feiern lassen, zur Vorstellung von Billy Bob Thorntons Film "Jayne Mansfield's Car". Bisherige deutsche Shooting Stars waren schon David Kross, Alexander Fehling, Hannah Herzsprung, Maximilian Brückner und Johanna Wokalek. Zu Mühes Kollegen gehören der Schwede Bill Skarsgard, der in "The Crown Jewels" zu sehen ist, sowie die Rumänin Ana Ularu, die in "Don't Clean Up This Blood" mitspielt.
09:57Köpke: Neuer bei EM im Tor - Chance für Wiese gegen Frankreich »
Mainz - Manuel Neuer wird bei der Europameisterschaft im Tor der deutschen Fußball-Nationalmannschaft stehen. Bundestorwarttrainer Andreas Köpke hat den 25 Jahre alten Schlussmann des FC Bayern München bereits vier Monate vor Beginn des Turniers in Polen und der Ukraine als unangefochtene Stammkraft ausgerufen. Grundsätzlich habe sich Manuel Neuer als Nummer 1 etabliert, sagte Köpke im ZDF-Sportstudio. Hinter Neuer gehen der Bremer Tim Wiese und Ron-Robert Zieler von Hannover 96 als Nummer zwei und drei in das EM-Jahr.
09:54Streik in Israel endet am fünften Tag »
Tel Aviv - Am fünften Tag eines Streiks im öffentlichen Dienst hat die israelische Gewerkschaft den Arbeitskampf beendet. Der Gewerkschaftsdachverband Histadrut teilte zu Beginn der israelischen Arbeitswoche mit, man habe eine Einigung mit dem Finanzministerium gefunden. Unter anderem solle der Mindestlohn für Reinigungskräfte und Sicherheitspersonal angehoben werden. Die Arbeitsbedingungen von Leiharbeitern im öffentlichen Dienst sollten verbessert werden. Seit Mittwoch waren Behörden, Museen, Universitäten und Banken geschlossen.
09:49Whitney Houston ist tot - Musikwelt trauert »
New York - Whitney Houston ist tot. Die Sängerin starb in einem Hotel in Beverly Hills bei Los Angeles. Sie wurde nur 48 Jahre alt. Die Todesursache ist noch nicht geklärt. Houston litt seit vielen Jahren unter den Folgen von Rauschgift- und Alkoholmissbrauch und hatte im vergangenen Jahr erneut in eine Entzugsklinik gebracht werden müssen. Die Musikwelt reagierte erschüttert: Houstons Patentante Aretha Franklin schrieb auf Twitter, es sei so überwältigend und unglaublich. Auch Popsänger Justin Bieber trauerte: "Eine der größten Stimmen aller Zeiten ist von uns gegangen."