Stuttgart - Fortissimo rufen die Matrosen anfangs im „Fliegenden Holländer“ nicht nur „Ho!“ und „Ha!“ und ein fast spanisch anmutendes „Hallajo!“, sondern auch „Hallahoja!“, was auch heute noch Irritationen im Parkett auslösen kann. Zum einen aber handelt es sich beim dramatischen Personal von 1843 nun mal um Norweger, zum anderen heißt der Textproduzent und Komponist in Personalunion Richard Wagner, dessen legendäre Grußadressen („Hojotoho!“) später in der „Walküre“ noch ganz andere Formen annehmen werden. Gut möglich also, dass Wagner bei der Erfindung des heutzutage ubiquitär verwendeten Wörtchens „hallo“ Thomas Alva Edison um zwanzig Jahre voraus war. Edison bellte als Erster ein „Hello“ in seinen Fonografen, eine Formel ebenfalls seemännischen Ursprungs. So oder ähnlich rief man die Fähre. Nicht von ungefähr hat „hallo“ wie sein locker variierbares Verabschiedungspendant „tschüs“ bei uns vor allen Dingen in Norddeutschland Karriere gemacht, während man sich im Süden und namentlich in Bayern lange Zeit an „Grüß Gott“ und „Servus“ hielt.
Allerdings sind die Tage vorbei, als deutsche Heimatfilme von einem einzigen Running Gag lebten, der den Kölner Willy Millowitsch stets „Tschüss“ mit zwei s sagen ließ, was ihm sein bayrisches Gegenüber durch die entsprechende Verballhornung („Schisss“) mit drei s beantwortete.
Getschüsselt wird heut überall, aber nicht mehr in Passau, beziehungsweise, um genau zu sein, in der dortigen Mittelschule St. Nikola. Dort ist, laut direktoraler Anordnung, von jetzt an probehalber eine tschüs-freie Zone eingerichtet. Und kein „Aber hallo!“ mehr erwünscht. Das Kultusministerium unterstützt die Aktion und verspricht sich im Umgang einen Gewinn „vor allem in der Beziehung zwischen Jugendlichen und Autoritätspersonen“, was vielleicht ein wenig überdeutlich auf den etymologischen Ursprung von „Servus“ (lateinisch: der Diener) verweist. Darüber hinaus muss man natürlich beim Verlassen des Passauer Biotops echt aufpassen. Es kann, jenseits der Freistaatsgrenze zumal, nicht ausgeschlossen werden, dass wer mit „Grüß Gott“ daherkommt, ganz selbstverständlich eine klassische Antwort erhält: „Wenn Sie ihn sehen . . .“


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Au revoir
@Schmidt: Gabs denn vor 30 Jahren noch keine "Fischköppe" in "Nordösterreich"?
Falscher Ansatz
Lehrer sollen Deutsch vermitteln und nicht Bairisch. Diese Sprache hat im Schulunterricht nur bei der Vermittlung von verschiedenen regionalen Varietäten im Deutschunterricht einen Platz, sie aber zum Zwangsmittel zu erheben ist der falsche Ansatz.
"Tschüß"-Verbot
"Tschüß" - im Norden mit langem "ü" gesprochen und daher hier mit "ß" geschrieben - ist immer noch tausendmal besser als dieses unsägliche "hi", das seit Jahrzehnten zunehmend jegliche Konversation vermüllt. Ganz zu schweigen von diesen immer größer werdenden Scharen von Jugendlichen, die sich nicht entblöden, "meine Mam" zu sagen, wenn sie von ihrer Mutter sprechen. Da wäre Handlungsbedarf.